Die wilde Kommunikation des Tesla-Chefs Wie Elon Musks Narzissmus jetzt Tesla schadet

CEO von Tesla Motors, Elon Musk

CEO von Tesla Motors, Elon Musk

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Nur wenige CEOs schaffen es, Fans hinter sich zu scharen wie Tesla-Chef Elon Musk. Dem 47-Jährigen folgen treue Jünger, die nichts auf das Unternehmen oder seinen Chef kommen lassen. Präsentiert Musk neue Modelle wie den elektrischen LKW "Tesla Semi", jubelt ihm die Menge zu. Popstar Elon.

Doch das Bild des angesehenen Visionärs bekommt immer mehr Risse. Plötzlich beschimpft der Milliardär einen Taucher, der thailändische Kinder rettet, als pädophil. Er beleidigt Analysten, die kritische Fragen stellen, Journalisten und Leerverkäufer, die an der Börse gegen Tesla wetten. Wegen der Untersuchung eines Unfalls mit einem Tesla, bei dem der Fahrer starb, legt Musk sich mit den prüfenden Behörden an.

Die Launen des Tesla-Chefs werden zum schwerwiegenden Problem. Denn wer einen Börsenkonzern leitet, darf nicht mehr im Alleingang entscheiden und muss sich bestimmten Regeln beugen. Die sind wichtiger als das Bedürfnis, seine eigenen Gedanken direkt in die Welt zu senden.

Denn mit seinem Tweet zu Teslas geplantem Abgang von der Börse hat Musk eine Lawine voller Probleme losgetreten. Das hält den E-Autobauer von weit Wichtigerem ab: die massiven Schwierigkeiten bei der Produktion des Model 3 zu lösen. Musk hat zwar zuletzt mehr Autos herstellen können, er bleibt aber hinter seinen Zielen zurück und hat noch nicht bewiesen, dass Teslas dauerhaft in großen Mengen gefertigt werden können.

Zweifel an Musks Aussagen

Statt sich damit auseinanderzusetzen, muss Tesla jetzt seine Kapazitäten darauf richten, viele verärgerte Parteien zu besänftigen. So war Musks impulsiver Tweet laut der New York Times  nicht mit allen Mitgliedern des Aufsichtsrats abgesprochen. Von Tesla hieß es  am Dienstag, man habe keinen formellen Antrag erhalten, das Unternehmen von der Börse zu nehmen, und prüfe nun Musks Vorschlag in einem speziellen Komitee.

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Neben den internen Querelen muss sich Tesla auch um die Börsenaufsicht SEC kümmern. Sie fordert Belege dafür, dass die Finanzierung für den Rückzug von der Börse tatsächlich wie von Musk behauptet gesichert ist. Auch will die Behörde wissen, warum die Information nicht zuerst in einer offiziellen Meldung bekanntgegeben wurde. Es ist fraglich, ob ein solcher Schritt ausschließlich per Tweet angekündigt werden darf, wenn üblicherweise Hunderte Seiten erforderlich sind, um die Details zu erklären. Dass Musk die Informationen bestimmten Nutzern vorenthält, die er bei Twitter blockiert hat, hilft ihm nicht .

Rechtliche Probleme und die Sache mit den Drogen

Hinzu kommt, dass Musk die kursrelevante Information rechtzeitig bei der US-amerikanischen Börse Nasdaq hätte ankündigen müssen. Sie kann dann darüber entscheiden, ob der Handel pausiert werden sollte, um Anleger vor Schwankungen zu schützen. Nach Musks Tweet aber hat es 80 Minuten gedauert, bis der Handel ausgesetzt wurde. Der Kurs sprang in dieser Zeit stark nach oben: Schließlich hatte Musk verkündet, Tesla für einen Preis von 420 US-Dollar pro Aktie von der Börse zu nehmen - das wären 23 Prozent mehr als am Vorabend. Tesla wollte gegenüber dem Wall Street Journal  nicht kommentieren, ob das Unternehmen die Nasdaq vorab informiert habe. Wer aber die Regeln verletzt, könnte öffentlich gerügt oder sogar von der Börse genommen werden.

Der Kurssprung sorgte bei Hedgefonds, die auf sinkende Teslakurse wetten, für Milliardenverluste. Zwei der Leerverkäufer reichten bereits Ende vergangener Woche Klage gegen Tesla ein, nun folgt die dritte: Der Kläger argumentiert, Musk habe nicht bewiesen, dass die Finanzierung tatsächlich gesichert sei. Rechtsexperten hatten analysiert, dass genau diese Aussage Musk in Schwierigkeiten bringen würde. Er behauptet eine Tatsache, die er belegen muss. Sonst könne ihm Kursmanipulation vorgeworfen werden.

Die Schäden seiner Wechselhaftigkeit versucht der CEO nun abzufedern. In einem Blogpost erklärte Elon Musk am Montag, er sei in Verhandlungen mit dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF. Der könnte eine solche Transaktion über 70 Milliarden Dollar ohne Frage stemmen. "Ich habe es so verstanden, dass keine anderen Entscheider mehr einbezogen werden müssen und sie erpicht darauf sind, fortzufahren", schreibt Musk. Ein Beweis für gesicherte Finanzierung ist das allerdings nicht. Auch relativiert Musk seine eigene Aussage: Eine genaue Prüfung der Firmenbücher stünde noch aus, zudem spreche er mit anderen Investoren, wozu er noch keine Details verraten könne.

Eine zweifelhafte Version, die Musk darlegt. Auch sagten drei Quellen aus dem Umfeld des Saudi-Fonds der New York Times, dass der PIF keinerlei Schritte unternommen habe, die für einen Deal der Größenordnung notwendig seien. Wäre der Staatsfonds außerdem bereit, in Tesla zu investieren, müsste er das Vorhaben von dem "Committee on Foreign Investment in the United States" absegnen lassen: Das Komitee überprüft die Bedeutung solcher Investments für die nationale Sicherheit.

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Wilder Vorwurf: Hat Musk LSD genommen?

Hat Musk also noch die besten Interessen seiner Firma im Blick? Nur weil der CEO keine Lust hat, sich mit Kritik auseinanderzusetzen, ist die Entscheidung von der Börse zu gehen, nicht unbedingt wirtschaftlich sinnvoll. Tesla erzielt am Markt eine immense Bewertung und hat immer wieder einfachen Zugang zu Kapital gefunden, obwohl das Unternehmen keinen Gewinn schreibt. Musk behauptet zwar, Tesla müsse in diesem Jahr kein zusätzliches Kapital mehr beschaffen, aber Experten sehen das anders. Nach deren Schätzungen wird Tesla Geld brauchen, um seine Produktion aufrecht erhalten zu können, da die Cash-Bestände schrumpfen.

Abseits der Börse könnte es schwieriger werden, an solche Kapitalmengen zu gelangen. Daneben könnten Anleihen für Tesla teurer werden. Kreditgeber wussten bisher, dass sich Tesla das Geld zur Rückzahlung leicht am Markt besorgen kann. Das ist bei einem Börsenabgang nicht mehr gegeben.

Musk hat Tesla in eine komplizierte Lage manövriert. Sein erratisches Verhalten hat nun noch Vorwürfe des Drogenkonsums nach sich gezogen. Die umstrittene Rapperin Azealia Banks behauptet, Musk habe die Tweets unter Einfluss von LSD abgesetzt. Während Banks angibt, sie habe in Musks Villa zwei Tage lang auf dessen Musikerfreundin Grimes gewartet, um ein Lied aufzunehmen, schrieb Musk an die Webseite Gizmondo , er kenne die Rapperin überhaupt nicht.

Die wilde Geschichte toppt das Chaos, das sich Musk selbst eingebrockt hat. So ist Tesla an der Börse nicht unbedingt schlecht aufgehoben - doch in jedem Fall Elon Musk.

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