Tesla-Chef umgarnt US-Präsidenten Die unheimliche Nähe des Elon Musk zu Donald Trump

Tesla-Chef Elon Musk gilt als Öko-Pionier. Doch ausgerechnet der Elektroauto-Unternehmer preist Öl- und Kohlefreund Donald Trump. Die unerwartete Allianz dürfte sich für beide lohnen - und die deutsche Industrie das Fürchten lehren.
Waiting for the Deal: Elon Musk (l.) am 23. Januar mit Donald Trump beim Industrie-Gipfel im Weißen Haus

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Was für ein Meinungswandel: Noch wenige Tage vor der Wahl zum US-Präsidenten hatte Tesla-Chef Elon Musk für Donald Trump nur ablehnende Worte übrig. Der Kandidat sei "nicht der ideale Mann" für Amerika, sagte Musk bei einem Besuch in Deutschland. Tesla glaube im Gegensatz zu Trump an internationalen Handel und Kooperationen.

Inzwischen gehört der 45-Jährige Musk sogar Trumps Strategie- und Politik-Forum an und ist einer seiner wichtigsten Berater. Bei Industriegipfeln im Trump Tower und dem Weißen Haus saß der Elektroauto-Unternehmer zuletzt ganz in der Nähe des Präsidenten. Trump sei für manche positive Überraschung gut, orakelte Musk .

Dabei sind Musk und Trump auf den ersten Blick wie Feuer und Wasser: Der gebürtige Südafrikaner Musk gilt als Öko-Pionier, der Elektroautos und Solaranlagen zum Durchbruch verhelfen will. Häufig warnt Musk vor dramatischen Folgen der Erderwärmung. Diese könne dazu führen, dass die Menschheit auf den Mars fliehen müsse - natürlich in Kapseln seiner Raketenfirma SpaceX.

Trump hält Klimawandel für "Erfindung der Chinesen"

Trump hingegen hat den Klimawandel einmal als "Erfindung der Chinesen" bezeichnet, die dazu diene, die US-Industrie zu schwächen. Im Wahlkampf versprach er, der Kohleindustrie zu einem Comeback zu verhelfen.

Legendär ist Trumps Kampf gegen Windkraftanlagen in der Nähe seines schottischen Golfplatzes und im Allgemeinen. Gerade hat der Präsident zudem Pläne für die Mega-Ölpipeline Keystone XL reaktiviert, gegen die sich nicht zuletzt Musk öffentlich ausgesprochen hat.

Das alles scheint derzeit aber kein großes Problem zu sein. Die Regierung werde zwar "nicht negativ für fossile Brennstoffe" sein, sagte Musk nach einem der ersten Treffen mit Trump. "Sie könnte aber auch positiv für erneuerbare Energien wirken."

Zuletzt hat Elon Musk sogar öffentlich Trumps designierten Außenminister Rex Tillerson gelobt. Dieser habe "das Potenzial großartig zu sein", twitterte Musk. "Rex ist ein außergewöhnlich kompetenter Manager, er versteht etwas von Geopolitik und weiß, wie man für sein Team gewinnt."

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Tillerson ist als langjähriger Chef des Ölkonzerns Exxon Mobil  eine Hassfigur für große Teile von Musks umweltorientierter Fangemeinde. Immerhin hat Tillerson aber den menschengemachten Klimawandel anerkannt und sich für eine CO2-Steuer zu dessen Bekämpfung ausgesprochen.

Die aktuelle Turtelei zwischen Musk und Trump erinnert jedenfalls auf extreme Weise an ein fast schon banales Gesetz der öffentlichen Debatte: Markige Worte aus dem Mund von Politikern und Wirtschaftsbossen spiegeln sehr oft nicht deren innere Überzeugungen wieder. Vielmehr drücken sie einfach nur aus, welche Thesen sie im Kampf um Wähler und Kunden gerade für opportun halten.

Und wenn es einen Weltmeister des Opportunismus gäbe - Musk hätte hervorragende Chancen auf den Titel. Er selbst hat sich einmal als "halben Demokraten und halben Republikaner" bezeichnet. Im Wahlkampf hat er vor vier Jahren zwar massiv Barack Obama unterstützt. Doch auch republikanische Kandidaten und Organisationen haben immer mal wieder Geld von Musk bekommen.

Produziert wird ausschließlich in Kalifornien

Nach der Präsidentenwahl ist Musk nichts wichtiger, als sein Unternehmensimperium vor drohendem Liebesentzug aus Washington zu schützen. Die Obama-Regierung hatte Firmen wie Tesla, Solarcity und Space X mit zahlreichen Förderprogrammen unterstützt. Führenden Republikanern sind Firmen aus der Erneuerbare-Energien-Branche deshalb spinnefeind.

Sofort nach der Wahl hat Musk deshalb die Nähe von Trump gesucht. Geholfen hat ihm dabei offenbar Starinvestor und Trump-Intimus Peter Thiel, mit dem Musk einst den Online-Bezahldienst Paypal  gegründet hat. Thiel hatte Trump schon im Wahlkampf unterstützt.

Bei Trump hat Musk scheinbar offene Türen eingerannt, weil die beiden eine entscheidende Schnittmenge haben: Der US-Präsident verlangt von der Wirtschaftselite, dass diese verstärkt in der Heimat produziert. Genau das tut Musk: Seine Autos laufen bisher ausschließlich in Kalifornien vom Band.

Anlass zur Sorge für deutsche Industrie - Teslas erster Großauftrag ist schon storniert

In Nevada baut Tesla zudem die nach eigenen Angaben größte Fabrik der Welt, um dort Batterien, Motoren und Getriebe für das geplante Massenauto Model 3 herzustellen. Schon jetzt arbeiten etwa 30.000 Menschen für Tesla, davon der überwiegende Teil in den USA.

Anders als Tesla sind die Hersteller Ford , Chrysler  und General Motors  bereits in Trumps Visier geraten. Daraufhin verkündeten sie öffentlich, künftig verstärkt in den USA zu investieren.

Schon deutet manches darauf hin, dass auch Tesla noch stärker auf "Made in USA" setzen könnte. Am Donnerstag hat der deutsche Mittelständler SHW bekannt gegeben, ein führendes Elektroauto-Unternehmen habe einen 100-Millionen-Euro-Auftrag für elektrische Achsgetriebepumpen storniert. Den Vermutungen, Tesla habe den Auftrag storniert, um Trump einen Gefallen zu tun, trat Tesla wenig später entgegen: Der Großauftrag an den schwäbischen Zulieferer sei wegen "technischer Probleme" storniert worden. Eine Beziehung zu Trump herzustellen, sei "absurd", so eine Unternehmenssprecherin.

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Dennoch: Auch andere deutsche Tesla-Partner wie Bosch und Kuka  haben nun Anlass zur Sorge. Trumps Protektionismus könnte bei der jüngsten Entscheidung eine Rolle gespielt haben, spekulierte zuletzt die "Wirtschaftswoche" .

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Wie dem auch sei - an der Börse hat Musk mit seiner Charme-Offensive gegenüber der Trump-Regierung jedenfalls Erfolg. Seit der Wahl hat die Tesla-Aktie um 40 Prozent zugelegt . Statt mit einem quasi staatlich verordneten Aus für Elektroautos rechnen nun viele Investoren erst recht mit deren Siegeszug.

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