Donnerstag, 2. April 2020

Streit um mögliche Sicherheitsprobleme - US-Aufsicht involviert Tesla startet Schlammschlacht mit Auto-Blogger

Elon Musk: Mögliche Probleme mit der Aufhängung sorgen für Aufregung. Die Verkehrsaufsicht hat sich eingeschaltet. Tesla betont: Es gibt keine Sicherheitsprobleme

Tesla ist nicht irgendein Autobauer, sondern will das Autofahren für den Massenmarkt revolutionieren und zugleich die etablierten Luxushersteller das Fürchten lehren. Sein schillernder Gründer Elon Musk, der nebenbei noch ein Raumfahrtunternehmen betreibt und die Welt mit neuen Energiespeichern CO2-frei machen will, pflegt diesen Nimbus selbst und steht deshalb unter besonderer Beobachtung.

Gibt es Probleme oder Verzögerungen in Planung und Produktion, geht das wie ein Lauffeuer durch Internet-Foren, horchen und schauen auch Analysten sehr genau auf und hin. Das verwundert nicht: Tesla schreibt seit seinem Börsengang im Sommer 2010 immer noch keine Gewinne und die Aktie ist aus Sicht so mancher Kritiker viel zu hoch bewertet.

So sorgte zum Beispiel ein Hinweis des einflussreichen US-Verbraucherschutz-Magazins Consumer Reports im April für helle Aufregung. "Die ersten gebauten Tesla Model X SUVs stehen Qualitätsproblemen gegenüber", titelte seinerzeit die Zeitschrift und bezog sich auf Probleme mit den Flügeltüren, die Kunden gemeldet hatten. Mit der Nachricht rauschte die ohnehin volatile Aktie mal eben 4,6 Prozent in den Keller.

Zuvor hatte das Magazin Teslas erstes Auto, die Elektro-Limusine Model S, von seiner Liste der zum Kauf empfohlenen Fahrzeuge genommen: In einer Umfrage unter 1400 Käufern hatte das Magazin zahlreiche Qualitätsmängel beim Model S aufgedeckt.

Nun scheucht eine weitere Meldung die Tesla-Fan-Gemeinde und Analysten auf. So prüft die US-Verkehrsaufsicht NHTSA laut Reuters Berichte über Probleme bei der Aufhängung von Tesla-Autos.

Der Autobranchen-Blog Dailykanban des Bloggers Edward Niedermeyer hatte zuvor berichtet, ein möglicher Defekt bei der Aufhängung könnte sogar dazu führen, dass der Fahrer die Kontrolle über das Tesla-Modell S verliert.

Die US-Behörde fordert nun zusätzliche Informationen von Tesla-Fahrern und dem Autobauer selbst an, betont aber zugleich, dass sie noch keine offizielle Untersuchung eingeleitet habe. Tesla wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Aktien des Elektroauto-Pioniers gaben am Donnerstag 2,6 Prozent nach.

Tesla weist Vorwürfe zurück - und greift Blog-Autoren an

Es gebe keine Sicherheitsprobleme im Model S und auch nicht im Model X, heißt es in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen im Tesla-Blog. Bei dem im Dailykanban-Blog diskutierten Fall handele es sich um einen "sehr ungewöhnlichen Einzelfall" mit ungewöhnlich starkem Rostbefall, der Tesla in dieser Ausprägung noch nicht begegnet sei: Das fragliche Tesla Model S habe mehr als 70.000 Meilen auf dem Tacho und der Besitzer lebe an einer solchen "dirt road", dass zwei Trucks notwendig gewesen seien, um den Tesla zur nächsten Service-Station zu bringen.

"Das Auto war starr vor Schmutz und Schlamm"

"Als wir das Auto bekamen, war es starr vor Schmutz und Schlamm", heißt es in der Reaktion Teslas mit dem Titel "A grain of salt". Zudem weist Tesla darauf hin, dass die US-Verkehrsaufsicht NHTSA noch keine offizielle Untersuchung gestartet habe.

Doch dabei lässt es der Autobauer nicht bewenden: Tesla greift den Autor des Dailykanban-Blogs, Edward Niedermeyer, auch persönlich an. Niedermeyer habe bereits im Jahr 2008 die Tage bis zum Tod Teslas zählen wollen - es seien nun 2944 Tage vergangen, und Tesla sei noch quicklebendig.

Ist der Kritiker ein Leerverkäufer?

Man wisse nicht, ob Niedermeyer "sich einen finanziellen Vorteil verspreche", wenn er Nachrichten verbreite, die den Aktienkurs von Tesla Börsen-Chart zeigen belasten können, heißt es in dem Statement von Tesla weiter. Man wisse jedoch, dass sehr viel Geld in Short-Wetten auf Tesla investiert sei, viele Investoren also auf fallende Kurse wetten würden. Der damit implizierte Vorwurf: Hier bewirft ein Blogger Tesla mit Dreck, um sich daran zu bereichern. Eine ähnliche Debatte tobt derzeit auch in Deutschland, seit der US-Hedgefonds Muddy Waters den börsennotierten Vermarkter Stroer aufs Korn genommen und zeitgleich mit einer kritischen Analyse Short-Wetten platziert hatte. Diesen Vorwurf lässt Blogger Niedermeyer jedoch nicht auf sich sitzen - und legt nach.

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