Drittes Quartal Tesla trotzt Chipkrise mit Rekordumsatz und Milliardengewinn

Teslas Gewinnmarge schreckt die Konkurrenz auf: Der US-Autobauer trotzt der Chipkrise mit einem weiteren Rekordquartal - und arbeitet dabei hochprofitabel.
Tesla Model 3: Das Massemodell des US-Elektroautobers verkauft sich blendend

Tesla Model 3: Das Massemodell des US-Elektroautobers verkauft sich blendend

Foto: Zhe/XinHua / DPA

Es hätte sein Auftritt werden können, doch Tesla-Chef Elon Musk fehlte. Es war Finanzchef Zachary Kirkhorn (37), der die Zahlen zum dritten Quartal vorstellte - und die haben es in sich: Während die Wettbewerber unter der weltweiten Chipkrise ächzen, die Produktion herunterfahren oder Fabriken schließen, scheint die Halbleiterkrise Tesla nichts anhaben zu können. Der US-Autobauer hat trotz des weltweiten Chipmangels die Umsatzerwartungen der Experten übertroffen und zugleich so viel verdient wie noch nie zuvor in einem Quartal.

Der Umsatz lag im dritten Quartal bei knapp 13,8 Milliarden Dollar, teilte der E-Auto-Pionier am späten Mittwochabend nach Börsenschluss parallel zum Analysten-Call in einem Update zum dritten Quartal  mit. Die Experten hatten im Schnitt 13,6 Milliarden erwartet, ein Anstieg von rund 57 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Zugleich wies der E-Autobauer für den Zeitraum Juli bis Ende September einen Nettogewinn von rund 1,6 Milliarden Dollar aus - ein Zuwachs von 389 Prozent.

Dabei ist Tesla immer weniger auf lukratives Nebengeschäft angewiesen: Mit dem Verkauf von CO2-Zertifikaten nahm der E-Autobauer 279 Millionen Dollar im dritten Quartal ein, im Vorjahreszeitraum waren es 397 Millionen Dollar. Tesla verkauft diese Papiere an andere Autobauer, die Probleme haben, die gesetzlichen Emissionsvorschriften zu erfüllen. Lukrativ ist das Geschäft deshalb, weil der Erlös fast unvermindert als Gewinn verbucht werden kann.

Und Tesla arbeitet hochprofitabel: Kirkhorn sagte, dass die operative Marge mit 14,6 Prozent um 5,3 Prozentpunkte höher lag als vor einem Jahr. Die mittelfristige Prognose eines Wertes im niedrigen Zehnerbereich sei übertroffen worden. Die unausgesprochene Botschaft, die von diesen Zahlen ausgeht: Die Zeit des einst Milliarden verschlingenden Start-ups, das mit Produktionsproblemen kämpfte, als es in die Massenproduktion einstieg, sind endgültig vorbei; Tesla ist zu einem weltweit agierenden und hochprofitablen Autokonzern geworden.

Der Ausbau der neuen Fabriken liege weiter im Plan, betonte Kirkhorn außerdem. In Brandenburg seien die Tests der Maschinen gut fortgeschritten. Die letzte Genehmigung werde bis Ende des Jahres erwartet.

Tesla hatte bereits Anfang des Monats einen Auslieferungsrekord bekannt gegeben. Mit rund 241.000 Autos lieferte Tesla etwa 53 Prozent mehr aus als vor einem Jahr. Der Sprung ist insofern bemerkenswert, als die Chip-Knappheit die Produktionspläne vieler großer Autohersteller durcheinander gewirbelt hat. Für Tesla hingegen war es das sechste Quartal mit Zugewinnen.

Aktie konsolidiert nach starkem Anstieg

Tesla-Chef Elon Musk hatte vor Kurzem seine Mitarbeiter zur Höchstleistung aufgefordert. Die Angestellten sollten sich anstrengen, um Produktionsprobleme Anfang des dritten Quartals aufzufangen. Die Botschaft war offenbar angekommen. Die Tesla-Aktie, die bereits in den vergangenen Wochen in Erwartung guter Quartalszahlen stark angestiegen war, gab am Donnerstag zunächst leicht nach: Erste Investoren nehmen Gewinne mit. Dennoch ist Tesla derzeit an der Börse rund 850 Milliarden Dollar wert - und damit einige Hundert Milliarden Dollar mehr als etwa Toyota, GM und Volkswagen zusammen.

Die hohe Nachfrage scheint nach Worten Kirkhorns selbst Tesla zu überraschen. Es habe in letzter Zeit ein regelrechtes "Erwachen" für E-Autos gegeben, sagte der Finanzchef. "Um ehrlich zu sein, hat uns das ein wenig überrascht", betonte er. Tesla sei derzeit "nicht in der Lage, die Produktionskapazität schneller zu erhöhen". Und auch Tesla sei mit "einer Reihe von Herausforderungen" konfrontiert, schränkte Kirkhorn ein. Dazu zählen die Chip-Knappheit sowie die Staus in den Häfen.

Beobachter erwarten, dass Tesla sein Produktionstempo gleichwohl steigern kann, da die Fabrik in Shanghai besser und schneller arbeite. Zudem will Tesla die Produktion in Grünheide nach Aussagen von Elon Musk noch im November aufnehmen. Auch die neue Fabrik in Texas soll noch im laufenden Jahr ihre Produktion starten - im texanischen Austin entsteht neben dem kalifornischen Stammwerk in Fremont der zweite Produktionsstandort in den USA.

rei
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