Elon Musks Gigafactory Tesla baut seine Autos künftig ohne die legendären Laptop-Batterien

Sie sind das Erfolgsgeheimnis von US-Elektroautobauer Tesla: Die kraftvollen Panasonic-Batterienzellen vom Typ 18650, der auch in Laptops vorkommt. In seiner geplanten Mega-Batteriefabrik will Firmenchef Elon Musk jedoch andere Akkus produzieren, wie manager magazin online erfuhr.
Teslas geplante Mega-Batteriefabrik in Nevada: Größer als alle anderen Produktionsstätten zusammen

Teslas geplante Mega-Batteriefabrik in Nevada: Größer als alle anderen Produktionsstätten zusammen

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Hamburg - Ein Auto, das mit Strom aus Laptop-Batterien angetrieben wird? Da mussten Manager etablierter Autohersteller lange Zeit herzhaft lachen. Doch Tesla-Chef Elon Musk setzte den Plan um, baute Roadster und Model S mit den einfachen, aber leistungsstarken Panasonic-Zellen vom Typ 18650. Die Autos schlugen am Markt ein, die Beobachter frotzelten nicht mehr.

Doch nun verbschiedet sich Musk offenbar von seinen Erfolgszellen, wie manager magazin online erfuhr. In seiner geplanten Gigafactory - einer monströsen Batteriefabrik in der Wüste Nevadas - will der rastloste Unternehmenslenker den Informationen zufolge größere Speicher bauen.

"In der Gigafactory werden sie andere Batterien als die bisherigen 18650-Zellen verwenden", heißt es in Industriekreisen. "Die werden eine Dimension größer, werden mehr Energie pro Zelle liefern." Tesla-Vizepräsident Jerome Guillen bestätigte Änderungen gegenüber manager magazin online: "Sagen wir, die Batterien werden optimiert sein, auch was ihre Leistungsstärke angeht".

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Mit größeren Zellen könnte Tesla vor allem viel Geld sparen. Und darauf kommt es für das Unternehmen jetzt an: Die Batterieproduktion soll in der neuen Fabrik deutlich billiger werden - um mindestens 30 Prozent. Denn Musk will mit den Akkus sein Massenmodell "Model 3" bestücken, das 2017 oder 2018 an den Start gehen soll.

Verwendet Tesla größere Zellen, etwa des Typs 26650, spart das Unternehmen einerseits Material für das Gehäuse der Speicher. Der Durchmesser dieser zylinderförmigen Akkus ist mit 26 Millimetern 8 Millimeter länger, die Höhe mit 65 Millimetern gleich.

Vor allem aber wären weniger Zellen für das Batteriepaket eines Wagens nötig. Bisher verbaut Tesla mehr als 7000 Zellen des Typs 18650 für einen 85-Kilowattstunden-Speicher im Model S. Mit Zellen des Typs 26650 könnte diese Zahl auf etwa die Hälfte reduziert werden, heißt es in Expertenkreisen.

So wird eine preiswertere und effizientere Produktion möglich: Denn jede einzelne Zelle muss in der Fabrik stundenlang ein erstes Mal in einer speziellen Maschine aufgeladen werden. Je weniger Zellen, desto weniger dieser Maschinen sind nötig und desto schneller ist ein Batteriepaket fertig für den Einsatz im Auto.

"Mit der Gigafactory wird Tesla eine marktbeherrschende Stellung haben"

"Die Investitionskosten könnten sich in diesem Bereich halbieren, die Fertigungsgeschwindigkeit könnte sich verdoppeln", sagt Batterieexperte Andreas Gutsch vom Karlsruher Institut für Technologie. Gleichzeitig müsste Tesla nicht von seiner Batterie-Erfolgsrezeptur abweichen.

So dürften die größeren Zellen mit etwa derselben Chemiemixtur gefüllt sein wie die alten. Sie ermöglicht die 30-40 Prozent höhere Energiedichte der Tesla-Batterien im Vergleich zu den Wettbewerbern.

Die größeren Zellen ließen sich zudem ganz ähnlich zusammenschalten und schützen wie die 18650er. "Die werden weiter hoch parallel angeordnet sein", heißt es denn auch in Industriekreisen.

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Tesla-Partner Panasonic dürfte die Größenumstellung klaglos mittragen. Die Japaner haben denkbare andere Formate schon jetzt im Angebot. Panasonic kann für die Produktion der neuen, größeren Zellen die gleichen Maschinen nutzen wie für die Produktion der 18650er-Zellen. Die Maschinen müssen dafür nur leicht angepasst werden.

Daher ließen sich die erforderlichen Maschinen in großer Zahl für die Gigafactory bauen, ist Gutsch überzeugt. Die Marktmacht von Tesla sei so groß, dass es sich einfach lohne.

Wie stark kann Tesla die Batteriekosten tatsächlich senken?

Uneins sind Fachleute aber darüber, wie stark Tesla die Batteriekosten am Ende wirklich senken kann. "Sehr große Sprünge sind für Tesla bei den Kosten nicht mehr möglich, es kommt jetzt auf jeden Cent an", sagt Gutsch.

Einen Vorteil bringt das Riesenwerk Tesla wohl auf jeden Fall: Niedrigere Logistikkosten. Denn von der Rohstoffbearbeitung über die Zellproduktion bis hin zur Zusammenstellung und Test der Batteriepacks soll alles unter einem Dach stattfinden.

Derzeit liegen die Kosten laut Unternehmensangaben bei 200 bis 300 Dollar pro Kilowattstunde. Ein Zielpreis von etwa 130 Dollar, wie Guillen ihn im Interview mit manager magazin online nahelegt, gilt in Industriekreisen aber als extrem ambitioniert. "Das wird vorerst nichts."

Doch angesichts einer schwachen Konkurrenz auf dem Batteriemarkt ist das vielleicht auch gar nicht nötig, sagt Gutsch. "Wenn Tesla diese Fabrik baut, hat das Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung."

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