Stellantis kündigt Vertrag Tesla verliert lukrativen CO2-Deal

Fiat-Nachfolger Stellantis will ab 2022 keine Abgaszertifikate mehr von Tesla kaufen. Für Tesla-Chef Elon Musk ist der Handel ein Milliardengeschäft, das wegzubrechen droht. Ausgerechnet die EU aber könnte ihm diese Erlösquelle künftig sichern.
Tesla-Chef Elon Musk: Der Autobauer nahm allein im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Dollar mit dem Verkauf von Abgaszertifikaten ein

Tesla-Chef Elon Musk: Der Autobauer nahm allein im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Dollar mit dem Verkauf von Abgaszertifikaten ein

Foto: Jerome Favre/ picture alliance / dpa

Tesla verdient viel Geld damit, dass Wettbewerber dem US-Konzern Emissionsgutschriften abkaufen. Allein im ersten Quartal nahm der Konzern damit 518 Millionen Dollar ein. Diese lukrative Geldquelle droht um so schneller zu versiegen, je stärker andere Autobauer ihre Produktion von Wagen mit Verbrennungsmotor auf CO2-arme Fahrzeuge oder vollelektrischen Antrieb umstellen. Stellantis, das aus der Fusion der Autohersteller PSA und Fiat Chrysler (FCA) hervorging, will nun ab 2022 keine Zertifikate mehr von Tesla kaufen und die CO2-Vorgaben allein schaffen, wie unter anderem "Fortune"  berichtet.

Stellantis-Chef Carlos Tavares (62) hatte zuvor der französischen Zeitung "Le Point"  gesagt, dass der Konzern schon in diesem Jahr dank neuer teil- oder vollelektrischer Fahrzeugmodelle zumindest in Europa CO2-konform sein werde. Seit 2020 müssen alle Autobauer - von Übergangsregeln abgesehen - gemäß EU-Vorgaben den Kohlendioxid-Ausstoß im Flottenschnitt auf 95 Gramm je Kilometer gesenkt haben. Dass Stellantis nun offenbar keine Verschmutzungsrechte mehr einkaufen muss, liegt auch daran, dass PSA seine moderne, Batterie-elektrische Plattform in das neue Unternehmen mit einbrachte, auf deren Basis Stellantis nun eben neue Elektroautos entwickelt.

Für die Verschmutzungsrechte zahlte FCA zwischen 2019 und 2021 rund 2,4 Milliarden Dollar an Tesla - das ist zwar nur ein Teil der Erlöse durch Emissionsgutschriften, weil General Motors und Honda weiter zu den Käufern zählen. Doch dürfte der Rückzug von Stellantis gleichwohl schmerzhaft sein für Tesla-Chef Elon Musk (49). Denn anders als bei der Produktion und dem Verkauf von Autos fallen für die Erlöse mit dem Verkauf von Abgaszertifikaten keine Kosten an. Die Umsätze fließen eins zu eins in den Vorsteuergewinn ein. Ohne sie wäre Tesla in den vergangenen sechs Quartalen auf Nettobasis nicht profitabel gewesen, rechnet Fortune vor.

Tesla-Chef kann auf schärfere EU-Emissionregeln hoffen

Hoffnung, dass die Erlösquelle mit Abgaszertifikaten nicht versiegt, bleibt Tesla-Chef Elon Musk allerdings. Denn die nächste Verschärfung der CO2-Vorschriften steht den Autobauern bereits ins Haus: Nach Vorschlägen der Europäischen Kommission soll ab dem Jahr 2030 ein Auto nur noch 43 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer im Schnitt ausstoßen dürfen. Käme es so, müssten sich Volkswagen, BMW, Daimler und andere Autobauer kräftig anstrengen. Zwar investieren die Konzerne enorme Summen in den Ausbau der Elektromobilität, doch schon das seit 2020 geltende Flottenziel stellte für die Autobauer einen Kraftakt dar - so verfehlte Volkswagen das Ziel zunächst knapp, womit eine Strafe an Brüssel fällig wurde.

rei