Donnerstag, 21. November 2019

Tesla kassiert Absatzprognose Musk hat schon wieder zu viel versprochen

Deutlich weniger Elektroautos in diesem Jahr: Doch den visionären Tesla-Chef ficht das nicht an. Das Modell S und der erwartete Elektro-SUV, das Modell X, sollen ohnehin nur die Vorstufe für ganz Großes sein. Mit einem Massenmodell will Tesla ab 2020 dann jährlich 500.000 Elektroautos absetzen

Der Elektroautopionier Tesla Börsen-Chart zeigen hatte schon vor längerer Zeit betont, nicht nur Hersteller für elitäre Spinner zu sein, sprich ein Nischenfabrikant. Das Modell S (Limousine) und das mit Spannung erwartete Modell X (Crossover) seien nur das Vorspiel zum Volumenmodell, das 2017 dann auch noch zu einem halbwegs erschwinglichen Preis - die Rede ist von 35.000 Dollar - an den Start gehen soll.

Soll - muss man wohl sagen. Schon die Entwicklung des ebenfalls im Premiumsegment angesiedelten Modells X hat viel mehr Zeit verschlungen als ursprünglich gedacht. Die jüngsten Zahlen und Ankündigungen von Tesla legen jedenfalls die Vermutung nahe, dass sich der um vollmundige und visionäre Ankündigungen nie verlegene Elon Musk wieder einmal ein wenig zu weit aus dem Fenster gehängt hat.

Die Gegenwart jedenfalls sieht weniger rosig aus als die von Musk in gleicher Farbe gemalte Zukunft. Zum einen ist der Elektroauto-Bauer tiefer in die roten Zahlen gerutscht, der Verlust hat sich auf 184 Millionen Dollar im vergangenen Quartal fast verdreifacht - bei einem um rund 25 Prozent gestiegenen Umsatz. Zum anderen hat Musk in der Nacht zu Donnerstag seine Absatzprognose für dieses Jahr mal eben um gut 10 Prozent auf im schlechtesten Fall etwa 50.000 verkaufte Fahrzeuge reduziert.

Die Aktionäre zeigten sich enttäuscht. Die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen rutschte am Donnerstag zweitweise um mehr als 8 Prozent ab. Dazu kommt: Tesla braucht für seine ehrgeizigen Expansionspläne wie die Markteinführung des Model X und den Bau der Fabrik für Hochleistungsakkus in Nevada offenbar viel mehr Geld als veranschlagt.

Zwar ließe sich eine bereits ausgehandelte Kreditlinie von 500 Millionen Dollar noch einmal um die Hälfte erhöhen, wie Finanzchef Deepak Ahuja betonte. Doch Tesla braucht mehr Geld, wie Firmenchef Elon Musk ergänzte - wofür und wie schnell, ließ er allerdings offen.

Aber das alles scheint Musks Selbstvertrauen nicht anzukratzen. So kündigt er an, den Absatz im kommenden Jahr auf bis zu 93.000 Fahrzeuge steigern zu wollen. Ausschlaggebend dafür dürfte allerdings der Erfolg des SUV-Sportwagens Model X sein, der "spät im dritten Quartal", vermutlich aber erst im vierten Quartal eingeführt werden soll.

Für den Q7 von Audi oder den X5 von BMW könnte das Auto gleichwohl gefährlich werden, mutmaßen Beobachter. Nicht von ungefähr will und muss der neue BMW-Chef Harald Krüger schnell eine Antwort darauf finden, wie es mit dem noch unter Norbert Reihofer angestoßenen kostspieligen "i"-Projekt weitergehen soll - zumal China als quersubventionierende Gewinnquelle schon längst nicht mehr so sprudelt wie zuvor.

BMW verkaufte im ersten Halbjahr 1,1 Millionen Autos - darunter 12.562 i-Modelle. Tesla lieferte 22.667 Elektroautos aus. Als Antwort auf das Model X von Tesla will BMW einen Elektro-SUV im Jahr 2018 an den Start bringen. Musk hätte dann allerdings schon zwei Jahre Vorsprung.

Nicht minder selbstbewusst und optimistisch zeigte sich Musk in der Nacht für sein Weltverbesserungsprojekt: das Geschäft mit Batterien und Stromspeichern, das mittelfristig helfen soll, enorme Mengen Kohlendioxid einzusparen. Die Erlöse mit den Stromspeichern könnten im kommenden Jahr 400 bis 500 Millionen Dollar erreichen, sagte Musk. 2017 könnten es bereits "mehrere Milliarden Dollar" sein.

Das klingt nicht minder visionär wie Musks Absatzprognose für das Jahr 2020: Bis dahin nämlich will er jährlich 500.000 Elektroautos absetzen - also etwa zehn Mal so viel wie in diesem Jahr.

Quiz: Sind Sie irre genug, es mit Elon Musk aufzunehmen?

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung