Sonntag, 22. September 2019

Fünf Top-Aufgaben für Elon Musk Autoversicherung, Kapitalerhöhung - was sich Tesla jetzt vornimmt

Tesla-CEO Elon Musk bei der Präsentation des Kompakt-Elektro-SUVs Model Y

Tesla Motors Börsen-Chart zeigen überrascht Investoren und Analysten mal wieder, diesmal allerdings eher negativ: Im ersten Quartal schrieb der Elektroauto-Hersteller einen kräftigen Verlust von 702 Millionen Dollar. Tesla führt dies auf Probleme bei der Auslieferung in Europa und China zurück, sowie auf das Auslaufen eines Steuervorteils in den USA.

Tesla-Chef Elon Musk zeigt sich aber gewohnt kämpferisch und ein wenig selbstkritisch: In einer Telefonkonferenz mit Investoren und Analysten anlässlich der Quartalszahlen erläuterte er, was von Januar bis März bei Tesla nicht gerade optimal lief - und was er in diesem Jahr vorhat. Die fünf wichtigsten Punkte:

1. Logistik verbessern

Die ersten Auslieferungen des Model 3 in Europa und China liefen eher chaotisch ab, das gestand auch Musk indirekt ein. "Wir müssen besser dabei werden, unsere Auslieferungen gleichmäßig über ein Quartal zu verteilen", erklärte Musk laut einer Zusammenfassung der Telefonkonferenz auf der Website CleanTechnica.

Zuletzt hätten sich die Auslieferungen in einem Quartalszyklus "aufgestaut", was zu "Chaos am Ende des Quartals" geführt habe, weil man die Produktions- und Auslieferungsziele erreichen wollte. Tesla werde "die Welle abwickeln", versprach Musk. Bei der geplante Schließung von Tesla-Stores und Preisänderungen für die Tesla-Modelle haben "wir die Nachrichtenvermittlung sicherlich nicht gut gehandhabt", gab Musk zu.

2. Tesla wird zum Versicherer

In der Telefonkonferenz erklärte Musk auf Nachfrage auch, dass Tesla an einer eigenen Versicherung arbeite - ohne allzu viele Details preiszugeben. "Wir schaffen ein eigenes Tesla-Versicherungsprodukt und hoffen, dass wir es in ungefähr einem Monat vorstellen können", so Musk. Es werde - natürlich "viel überwältigender sein als alles, was es sonst da draußen gibt". In einer anderen Frage zu Autopiloten ließ er auch durchblicken, dass sich die Versicherungsraten am tatsächlichen Fahrverhalten bemessen werden.

Tesla gebe Versicherern bereits jetzt "detailliertere Informationen" zu Sicherheitsfragen, um ihnen bei der Berechnung von Monatsraten zu helfen. Bei Teslas eigenem Versicherungsprodukt werden wir "sicherlich diese Informationen in die Versicherungsraten einfließen lassen", erläuterte Musk. Tesla kenne die Risikoprofile seiner Kunden aus erster Hand, basierend auf den Fahrdaten. Wenn potenzielle Tesla-Kunden künftig eine Tesla-Versicherung abschließen wollen, müssten sie sich verpflichten, das Auto "nicht auf verrückte Art und Weise zu fahren". Falls sie das doch tun, müssten sie eben dann eben höhere Versicherungsraten zahlen.

3. Model-3-Ziele sollen halten

Trotz des Gewinneinbruchs hält Tesla weiterhin an seinen Auslieferungszielen fest: 360.000 bis 400.000 Fahrzeuge will Tesla in diesem Jahr an Kunden übergeben, produzieren will Tesla in diesem Jahr bis zu 500.000 Fahrzeuge. Mit dem Model 3 sei man im April dabei, einen neuen Rekordstand bei den Auslieferungen zu schaffen.

Musk verteidigte in der Telefonkonferenz auch sein günstigstes Modell im Tesla-Onlineshop, das "Standard Range Plus" genannte Fahrzeug, eine Variante des Model 3, für 39.500 Dollar. Das sei ein "extrem überwältigendes" Modell, für das sich gut 40 Prozent aller Kunden in Nordamerika und Europa entscheiden. Tesla sehe aktuell eine starke Nachfrage für das Model 3 und erwarte, dass die Nachfrage weiterhin hoch bleibt. Laut dem Brief an die Investoren war das Model 3 in den USA in den ersten drei Monaten dieses Jahres das bei weitem bestverkaufte Luxusauto - der Absatz des Model 3 liege um 60 Prozent höher als der des zweitplatzieren Luxusautos.

4. Kapitalerhöhung wahrscheinlich

In den vergangenen Quartalen hatte Musk wiederholt erklärt, dass Tesla keine Kapitalerhöhung plane. Auf eine entsprechende Nachfrage eines Analysten äußerte sich Musk diesmal differenzierter: Die Aufnahme frischen Kapitals sollte keinesfalls ein Ersatz dafür sein, ein Unternehmen effizienter zu machen. Es sei wichtig, sparsam zu sein und in Finanzdingen Disziplin zu besitzen. "Es ist gesund, sich auf eine spartanische Diät zu setzen", so Musk. WürdeTesla dauernd frisches Kapital aufnehmen, gäbe es zu wenig Druck, das grundlegende Funktionieren des Geschäfts zu verbessern.

Allerdings sei Tesla nun an einem Punkt, wo "ich glaube, dass eine Kapitalerhöhung einige Berechtigung hat". Musk deutet also damit an, dass eine Kapitalerhöhung in nächster Zeit durchaus wahrscheinlich ist. Allerdings merkte er auch an, dass Liquidität bisher keine Einschränkung für Teslas Wachstum gewesen sei.

5. Elektro-Sattelschlepper-Produktion startet "später im nächsten Jahr"

Die Produktion des Elektro-Sattelschlepper "Tesla Semi" will Tesla 2020 starten, wie der zuständige Tesla-Manager Jerome Guillen erklärte. Batterien und Antrieb für den Semi werden in der Gigafactory in Nevada gebaut. Laut Musk funktionieren die Prototypen des Trucks "erstaunlich gut" - man habe sie sogar benutzt, um einige Model 3 im vergangenen Quartal auszuliefern.

Beim vor Kurzem vorgestellten Kompakt-SUV Model Y stehe die Entscheidung noch aus, ob er im Stammwerk in Fremont oder in der Gigafactory vom Band laufen werde - diese Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen. Zur Zahl der Vorbestellungen für das Model Y wollte sich Musk auf Nachfrage nicht äußern.

In einer früheren Fassung dieses Artikels schrieben wir, dass Elon Musk gesagt habe, Liquidität sei bisher eine Einschränkung für Teslas Wachstum gewesen; richtig ist, dass Musk sagte, Liquidität sei keine Einschränkung gewesen. Ob die Gigafactory in Nevada auch Produktionsstandort des Chassis wird, ist noch unklar. Die Produktion des Semi soll 2020 starten, einen genauen Zeitraum nannte Jerome Guillen nicht. Wir haben die entsprechenden Passagen korrigiert.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung