Tesla präsentiert Bilanz für das erste Quartal Diese Probleme muss Elon Musk nun erklären

Tesla-CEO Elon Musk

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In wenigen Stunden muss sich Tesla-Chef Elon Musk auf Nachfragen der härteren Art einstellen: Am Mittwoch, dem 2. Mai legt der Elektroauto-Hersteller seine Bilanzzahlen für das erste Quartal vor. Für Europäer findet die Präsentation lange nach Börsenschluss statt: Musks Zahlenpräsentation samt anschließender Fragerunde für Analysten und Investoren startet um 14:30 Ortszeit, also 23:30 Uhr Berliner Zeit.

Rund lief es bei Tesla  in den letzten Monaten nicht: Nach wie vor kämpft Tesla mit Problemen bei der Produktion seines Model 3. Mit dem vergleichsweise günstigen Elektroauto will Tesla den Massenmarkt erobern und Gewinne schreiben. Doch das Hochfahren der Model 3-Produktion verläuft holpriger als angekündigt, was stark an Teslas Geldvorräten zehrt. Auch in anderen Bereichen rumpelt es aktuell. Auf diese fünf Themen werden Analysten und Investoren - aber auch Kunden, Fans und Zweifler - voraussichtlich besonders achten:

1. Wie weit sind die Model 3-Produktionsprobleme gelöst?

Im ersten Quartal 2018 hat Tesla 8130 Model 3-Elektroautos ausgeliefert, wie der Elektroautohersteller schon Anfang April bekanntgab. Das war noch immer weit von den einstigen Zielen entfernt: Ursprünglich wollte Tesla bereits Ende 2017 5000 Model 3 pro Woche fertigen. Dieses Wochen-Produktionsziel musste Musk bereits mehrfach verschieben, nun soll die Marke Ende Juni oder Anfang Juli erreicht werden. Ende März, erklärte Musk vor einigen Wochen, fertigte Tesla rund 2000 Model 3 wöchentlich. Um endlich im Zeitplan zu bleiben, erhöht Musk nun den Druck auf seine Arbeiter - und verordnet eine Drei-Schicht-Produktion rund um die Uhr.

Analysten warten gespannt darauf, ob Musk nun mit neuen Details zu den Produktionsplänen herausrückt - und zu den bisher gelösten Engpässen. Bei den letzten Quartalsbilanzen erklärte Musk ausführlich, dass die Batterieproduktion in seiner Gigafactory in Nevada der "limitierende Faktor" sei. Abhilfe sollte eine neue Produktionsstraße seiner deutschen Tochter Tesla Grohmann Automation schaffen, die laut Musks Auskünften an Analysten im März geliefert werden sollte. Bislang ist aber unklar, ob die Produktionsstraße wie geplant in Betrieb gegangen ist und die Engpässe beheben kann.

Ein Indiz dafür ist, dass Tesla Mitte April die Model 3-Produktion für einige Tage stoppte - laut offizieller Auskunft, um die Automatisierung der Produktion zu verbessern. Doch eine klare Ansage der Tesla-Führung zur neuen Produktionsstraße - und etwaigen weiteren, unvorhergesehenen Produktionsproblemen - fehlt noch.

2. Wie sieht es mit Teslas Finanzen in diesem Jahr aus?

Das Jahr 2017 hat Tesla mit 3,4 Milliarden Dollar liquiden Mitteln abgeschlossen - und mit 9,4 Milliarden Dollar an ausstehenden Schulden. Die Produktionsprobleme beim Model 3 kosten Tesla wohl viel Geld. Dennoch erklärte Tesla Anfang April, vom Kapitalmarkt kein frisches Geld über die Ausgabe neuer Aktien oder Anleihen zu benötigen - die normalen Kreditlinien würden ausreichen.

Mehrere Analysten bezweifeln dies jedoch. Manche rechnen damit, dass Tesla in diesem Jahr bis zu zwei Milliarden Dollar an frischem Kapital benötigt. Dazu dürfte es wohl einige kritische Nachfragen an Musk geben.

Auch bei Technik-Updates und China-Expansion ist noch vieles unklar

3. Wie steht es um das "Autopilot"-Assistenzsystem?

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Für Teslas "Autopilot"-Fahrassistenzsysteme hat Musk noch vor Monaten Großes versprochen: Seine neuesten Modelle hätten auf Wunsch bereits die Hardware an Bord, um vollautonom fahren zu können. Für die dafür notwendigen zusätzlichen Sensoren haben zahlreiche Model S- und Model X-Käufer mindestens 3000 Dollar Aufpreis bezahlt. Doch das angekündigte Update, um die dafür verbaute Technik zu nutzen, hat Tesla bislang noch nicht geliefert.

Im März verunglückte ein Tesla-Fahrer mit angeschaltetem "Autopilot" tödlich, als der Wagen in einen Fahrspurteiler aus Beton hineinfuhr. Offenbar hatte das System diesen nicht korrekt erkannt. Und auch intern scheint es gröbere Probleme zu geben. Vor kurzem hat Tesla den Leiter der "Autopilot"-Sparte ausgewechselt - zum dritten Mal innerhalb von eineinhalb Jahren.

Analysten erwarten von Musk genauere Auskünfte über das Autopilot-Team, die Technologie und dem Zeitplan für das Ausrollen neuer Funktionalitäten. Und sie werden wohl nachhaken, welche Verbesserungen an dem Assistenzsystem für das Model 3 in Planung sind.

4. Wie hält es Tesla mit der Automatisierung der Model 3-Fabrik?

Für die Model 3-Produktion kündigte Musk ursprünglich eine hochgradig automatisierte Fabrik an - er beschrieb das Werk mehrfach als "Maschine, die die Maschine herstellt". Dazu veröffentlichte er Bilder von dutzenden Industrierobotern, die in Tesla-Werkshallen aufgestellt wurden. Zuletzt ruderte Musk diesbezüglich allerdings merklich zurück. Via Twitter erklärte er, dass die "exzessive Automatisierung bei Tesla ein Fehler war. Um genau zu sein, mein Fehler. Menschen sind unterbewertet".

Unklar bleibt aber, was Musk zu dieser Einsicht trieb - und was sich dadurch in Teslas Produktionsabläufen beim Model 3 ändern wird. Aktuell beschäftigt Tesla rund 10.000 Mitarbeiter in Fremont, und Musk will hunderte weitere Mitarbeiter einstellen. Noch ist offen, mit wie vielen Mitarbeitern Musk künftig sein Model 3 herstellen will. Da dies teurer das wird als die ursprünglichen Pläne, dürfte auch die Marge des Model 3 geringer ausfallen - oder der Preis steigen.

5. Was ist der Plan für die China?

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Vor kurzem stellte Tesla erstmals seine Fahrzeuge auf der Pekinger Automesse aus. Seit über einem Jahr verhandelt Tesla mit der Stadt Shanghai über den Aufbau einer eigenen Tesla-Fabrik. China kippt nun die bisherige Regel, dass ausländische Autohersteller nur gemeinsam mit chinesischen Jointventure-Partnern Autofabriken bauen können. Auch die Importzölle für außerhalb Chinas gefertigte Fahrzeuge werden reduziert.

All das sind gute Nachrichten für Tesla. Doch zur China-Strategie hat sich Musk schon seit längerem nicht mehr geäußert. Mit den aktuellen Model-3-Produktionsproblemen hat Tesla aktuell drängendere Sorgen als die Eröffnung einer zweiten Fabrik. Doch Investoren und Analysten erwarten bald eine klare Aussage dazu, ob und wann Tesla eine eigene Fertigung in China aufbaut. Schließlich hat Tesla ja auch erklärt, dass der chinesische Markt mittelfristig für ein Drittel des Tesla-Gesamtabsatzes stehen soll.

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