Klage gegen Tesla-Chef Prozess um Elon Musks 56-Milliarden-Dollar-Gehaltspaket startet

In Delaware hat ein spektakulärer Prozess begonnen. Aktionäre wollen den sagenhaften Gehaltsdeal rückgängig machen, den der Tesla-Boss sich 2018 gesichert hat.
Kämpft an vielen Fronten: Elon Musk bei einer Investorenkonferenz Anfang November in New York

Kämpft an vielen Fronten: Elon Musk bei einer Investorenkonferenz Anfang November in New York

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ANDREW KELLY / REUTERS

Am Montag startete in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware ein spektakulärer Prozess. Es geht um das sagenhafte 56-Milliarden-Dollar-Gehaltspaket, das Tesla-Chef Elon Musk (51) im Jahr 2018 mit dem Board des Autobauers ausgehandelt hat. Es sei mit zu leicht zu erreichenden Leistungszielen unterlegt worden und die Anleger seien überrumpelt worden, dem Paket zuzustimmen, so der Vorwurf. Ein Tesla-Investor hofft während des fünftägigen Prozesses beweisen zu können, dass Musk seine Dominanz über das Board ausgenutzt habe, um die Bedingungen zu diktieren, für die er nicht einmal Vollzeit bei Tesla hätte arbeiten müssen.

Kläger ist ein gewisser Richard Tornetta. Er hatte bereits vor vier Jahren geklagt, damals besaß er gerade einmal vier Tesla-Aktien. Musk, der reichste Mann der Welt, hatte versucht, den Prozess zu verhindern, war jedoch abgewiesen worden. Nun solle er am Mittwoch vor Gericht aussagen, erklärte Tornettas Anwalt Greg Varallo.

Zu Beginn der Verhandlung schilderte Ira Ehrenpreis, seit 2007 Mitglied des Tesla-Boards und Vorsitzender des Ausschusses, der das Gehaltspaket überwachte, den Prozess zur Ausarbeitung des rekordverdächtigen Gehaltspakets. "Ich wollte sicherstellen, dass Elon über einen längeren Zeitraum an der Spitze von Tesla bleibt", sagte der Ehrenpreis, der mit seiner Wagniskapitalfirma DBL Partners selbst Tesla-Investor ist.

Dem Gericht wurde ein kurzer Videoausschnitt von Musks Aussage in diesem Fall gezeigt. Er beschreibt darin, wie Ehrenpreis ihn anrief, um über ein Gehaltspaket zu sprechen, das seine Gehaltsvereinbarung von 2012 ersetzen sollte, die damals am Auslaufen war. Er habe Ehrenpreis daraufhin "einen höheren Betrag, aber mit viel härteren Meilensteinen" als in der Vereinbarung von 2012 vorgeschlagen, so Musk.

Das Gehaltspaket ist eines der spektakulärsten, die jemals ein CEO ausgehandelt hat. Der Deal gleicht auf den ersten Blick einer Wette: Er ermöglicht es Musk, jeweils Tesla-Aktien mit einem starken Abschlag zu erwerben, wenn bestimmte Leistungs- und Finanzziele erreicht werden. Sollte Tesla die Zielwerte verfehlen, wäre Musk leer ausgegangen. Insgesamt wurden 12 solcher Milestones festgelegt.

In Folge des Elektroautobooms und des zwischenzeitlichen Börsenwerts von mehr als einer Billion Dollar hatte Musk in relativ kurzer Zeit elf der zwölf vereinbarten Ziele erreicht. Insgesamt war die Summe aus dem Gehaltspaket laut Amit Batish vom Marktforschungsunternehmen Equilar sechsmal höher ist als die 200 höchsten CEO-Gehälter im Jahr 2021 zusammen.

Musk und die Geschäftsführer von Tesla, die ebenfalls Beklagte sind, haben die Vorwürfe bestritten. Sie argumentieren, dass das Gehaltspaket seinen Zweck erfüllt habe – nämlich sicherzustellen, dass der Unternehmer Tesla erfolgreich durch eine kritische Phase geführt habe, was dazu beigetragen habe, die Aktiebewertung um das Zehnfache zu steigern.

Besondere Brisanz bekommt der Fall durch die aktuellen Auseinandersetzungen rund um Twitter. In der Klage wird argumentiert, dass Musk aufgrund des Gehaltspakets verpflichtet hätte sein sollen, Vollzeit bei Tesla zu arbeiten. Aktuell ist offensichtlich, dass Musk einen Großteil seiner Zeit nicht für Tesla aufwendet. Er hat zuletzt sogar weitere Tesla-Aktien im Wert von rund 4 Milliarden Dollar verkauft, um Twitter zu stabilisieren. Der Kurs war daraufhin weiter eingebrochen, was die Tesla-Investoren empörte. Musk selbst erklärte am Montag auf einer Wirtschaftskonferenz am Rande des G20-Gipfels in Bali, dass er im Moment viel um die Ohren habe.

Als aussichtslos gilt die Klage nicht. Nach Ansicht von Rechtsexperten hat das Board zwar einen großen Spielraum bei der Festlegung der Vergütung von Führungskräften. Allerdings müssen die Deals strengere rechtliche Anforderungen erfüllen, wenn das Vergütungspaket einen Mehrheitsaktionär einbezieht. Ein Teil des Prozesses wird sich wahrscheinlich darauf konzentrieren, ob dies auf Musk zutrifft. Obwohl er 2018 nur 21,9 Prozent der Tesla-Aktien besaß, werden sich die Kläger wahrscheinlich auf seine dominante Persönlichkeit und seine Verbindungen zu den Board-Mitgliedern berufen.

Ironie des Schicksals: Entscheiden wird über den Fall Kathaleen McCormick. Die Richterin ist eine alte Bekannte für Musk. Sie beaufsichtigte den im letzten Moment beendeten Rechtsstreit zwischen Twitter und Musk, bevor der die Social-Media-Plattform am Ende doch für 44 Milliarden Dollar gekauft hatte. Eine Entscheidung wird wahrscheinlich etwa drei Monate nach der Verhandlung fallen und könnte vor dem Obersten Gerichtshof von Delaware angefochten werden.

lhy/Reuters
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