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Elektromobilität: Deutsche Autobauer erhöhen das Tempo für ihre Tesla-Fighter

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Elon Musks P100D-Modelle setzen Porsche und Co. unter Druck Geht den deutschen Tesla-Fightern schon vor dem Start die Kraft aus?

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Elektromobilität: Deutsche Autobauer erhöhen das Tempo für ihre Tesla-Fighter

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Die Rolle des Verfolgers ist für die deutschen Premiumauto-Hersteller neu - und reichlich unangenehm. Seit Jahrzehnten definieren Audi  , BMW  , Daimler  und Porsche  selbst die Maßstäbe. Ob in Europa, den USA oder China - überall hechelt die Konkurrenz der deutschen Ingenieurs- und Vermarktungskunst hinterher.

Doch ausgerechnet beim Zukunftsthema Elektroautos führt Branchenneuling Tesla  aus Kalifornien sie seit Jahren vor. Die Manager in Stuttgart oder München müssen froh sein, wenn sie überhaupt Anschluss halten können. Und daran wird sich kurzfristig wenig ändern - denn am Dienstag hat Tesla-Chef Elon Musk die Latte mal wieder etwas höher gelegt.

Die große Limousine Model S und der SUV Model X sind ab sofort mit einer 100-Kilowattstunden-Batterie bestellbar. Bisher waren 90 das Maximum. Dadurch erhöht sich die Reichweite auf bis zu 613 Kilometer nach dem europäischen Fahrzyklus, wie Tesla schätzt.

Vielleicht noch schmerzhafter fürs Ego der Deutschen: Ab sofort stellen die US-Amerikaner die beschleunigungsstärksten Serienfahrzeuge der Welt her und damit auch sämtliche Autos mit Verbrennungsmotor in den Schatten, sogar sportliche Zweisitzer. Von 0 auf 100 Stundenkilometer jagt das neue Model S in 2,7 Sekunden, das dicke Model X schafft es immerhin noch in 3,1 Sekunden - Rekord in seiner Klasse.

"Das Hase und Igel-Rennen geht also weiter", kommentiert Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer mit Blick auf die von den deutschen Herstellern geplanten Tesla-Fighter. Diese Autos wie der Mission E von Porsche oder der Audi E-tron quattro Concept sollen erst in zwei bis vier Jahren auf den Markt kommen - und wirken schon jetzt ein wenig veraltet.

Im schlimmsten Fall müssen Audi und Co. ihre Pläne wieder einstampfen

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Porsche Mission E vs. Tesla Model S: Dieser Elektro-Porsche soll Tesla Paroli bieten

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So brüstet sich Audi mit einer Beschleunigung seines geplanten Batterie-Boliden von 0 auf 100 Stundenkilometern in 4,6 Sekunden. Eine 95-Kilowattstunden-Batterie soll eine Reichweite von 500 Kilometer sichern. Der Wagen soll 2018 auf den Markt kommen.

Porsches Mission E greift etwas weiter oben an - in 3,5 Sekunden soll es von 0 auf 100 gehen, aber wohl erst 2019. Mit einer Batterieladung soll der Wagen mehr als 500 Kilometer weit kommen.

Von Daimler , BMW  und Volkswagen  ist wenig Konkretes über die jeweiligen Tesla-Fighter bekannt. Vor 2020 erwartet die Fachwelt ihren Marktstart jedenfalls nicht.

Das mahnende Schicksal des Audi R8 E-tron

"Musk hat also sehr gute Chancen als der Innovator der Elektromobilität die anderen in den nächsten Jahren weiter vor sich herzutreiben", sagt Dudenhöffer. Allerdings dürften ihm dazu "keine Abenteuer á la Autopilot" passieren. Einige Unfälle hatten zuletzt Zweifel an Teslas Fahrassistenzsystemen geweckt.

Im schlimmsten Fall müssten Audi, Porsche und Co. ihre geplanten Tesla-Fighter völlig umarbeiten oder wieder einstampfen. Ein derartiges Schicksal hat bereits der Audi R8 E-tron erlitten. Der Sportwagen sollte 2013 in Serie gehen.

Die Reichweite von 215 Kilometer wirkte jedoch mickrig, als Teslas Model S auf die Straße kam. Der Wagen schaffte schon vor drei Jahren 400 bis 500 Kilometer mit einer Ladung. Audi versenkte die Pläne für den elektrischen R8 daraufhin. Auch der extravagante vollelektrische Mercedes SLS E-Cell fristet aufgrund seiner Reichweite von lediglich 250 Kilometern ein Nischendasein.

In diesen Bereichen können die Deutschen Tesla schlagen

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Audi E-Tron Quattro Concept: Dieser Elektro-SUV soll Tesla das Fürchten lehren

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Doch allem Vorsprung von Tesla zum Trotz ist ein Siegeszug der Kalifornier bei den E-Autos keinesfalls sicher. Auch wenn die Wagen derzeit so rasant beschleunigen und so weit fahren wie keine anderen - in anderen Bereichen könnten die Deutschen punkten.

Die neuen Spitzenwerte erreiche Tesla ohnehin nur mit einem happigen Aufpreis, stellte beispielsweise US-Experte Karl Brauer vom Fachportal "Kelley Blue Book" heraus. Für die zusätzlich geforderten 20.000 Dollar könnten Autofahrer immerhin ein vollwertiges Fahrzeug kaufen.

Model S und Model X kosten in der leistungsfähigsten Ausführung je gut 150.000 Euro. Zu diesem Preis müssten Audi und Co. mithilfe der Zulieferer zumindest ein ähnlich attraktives Elektroauto auf die Beine stellen können, das eigene Akzente in Sachen Fortschritt setzt.

Während Teslas Vorsprung bei Beschleunigung und Reichweite schwer aufholbar erscheint, sieht es in anderen Bereichen tatsächlich besser für die Deutschen aus. Eine Chance auf die Pole Position haben die Tesla-Fighter beispielsweise beim Nachladen unterwegs. Tesla hat die Leistung einiger seiner Supercharger-Säulen gerade auf 145 Kilowatt erhöht. Damit lassen sich in einer halben Stunde etwa 275 Kilometer Reichweite nachtanken.

Schon zeigt sich mancher deutscher Automanager angriffslustig

Audi will für seinen E-Tron Quattro 150 Kilowatt anbieten. Porsche geht offenbar noch deutlich weiter - bereits in 15 Minuten soll Saft für weitere 400 Kilometer im Speicher des Mission E sein. Dafür statten die Stuttgarter das Auto mit einer neuen 800-Volt-Technik aus.

Dass die deutschen Hersteller sich bisher wenig um die Ladeinfrastruktur gekümmert haben, kann sich mittelfristig sogar als Vorteil erweisen. In diesem Bereich könnten sie Tesla mit einem Schlag überholen. Ein Netz von nagelneuen 300-Kilowatt-Säulen würde Teslas Supercharger-Netz in den Schatten stellen.

Auch beim induktiven, also kabellosen Laden lässt der Durchbruch bisher auf sich warten. Und vielleicht schlagen die Deutschen Tesla mittelfristig ja auch in der Kategorie Zuverlässigkeit.

Schon zeigt sich mancher deutscher Automanager angriffslustig, vor allem Volkswagen erhöht das Tempo. Bis 2020 sollen 20 neue Elektromodelle an den Start gehen. Von bis zu 600 Kilometern Reichweite sprach zuletzt Markenchef Herbert Diess mit Blick auf ein Konzeptfahrzeug, das der Konzern im September in Paris vorstellen will.

Diess nimmt den Mund also sehr voll. Doch das kann durchaus Teil eines Erfolgsrezepts sein - wie nicht zuletzt Tesla-Chef Elon Musk immer wieder beweist.