Schräge Manager-Haftpflicht-Deals bei Elektroautobauer Elon Musks Aufpasserin gerät mächtig unter Druck

Teslas Verwaltungsratschefin Robyn Denholm

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Seit knapp hat sie einen Sitz im Verwaltungsrat des Elektroautoherstellers Tesla, seit knapp anderthalb Jahren führt sie ihn als Vorsitzende an: Die gebürtige Australierin Robyn Denholm, in dem Kontrollgremium lange zuständig für Finanzagenden, kennt Tesla also wohl besser als viele andere.

Tesla-Chef Elon Musk hievte Denholm im November 2018 höchstselbst in den Chefsessel des Verwaltungsrats. Der Unternehmer hatte den Posten davor selbst 14 Jahre inne. Denholm, so besagte es der Deal mit der US-Börsenaufsicht SEC, sollte auch darauf aufpassen, dass Musk nichts Kursrelevantes mehr über den Kurznachrichtendienst Twitter rausposaunte.


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Das schien ihr in den vergangenen Monaten auch halbwegs zu gelingen. Musk zoffte sich zwar via Twitter gerne mit US-Behörden und regte sich über die Coronavirus-Beschränkungen auf. Doch auf den Aktienkurs hatten seine Verbalscharmützel keine Auswirkungen, der Wert der Tesla-Aktie stieg trotz Corona-Krise weiter.

Nun allerdings könnte Denholm eine Entscheidung zum Verhängnis werden, die sie im April mitgetragen hat, und die so gar nicht in die Vorstellung von guter Corporate Governance passt. Es geht dabei um sogenannte D&O (Directors and Officers)-Versicherungen, also sogenannte Manager-Haftpflichtversicherungen. Eine solche Versicherung schließen Unternehmen für ihre leitenden Angestellten ab, um diese gegen hohe Schadenersatzansprüche im Rahmen der Organhaftung zu schützen.

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Ende April wurde bekannt, dass Tesla seine D&O-Versicherungen wegen zu hoher Prämien der Versicherer auslaufen lässt. Statt dessen soll Elon Musk persönlich seinen Topmanagern einen gleichwertigen Schutz garantieren. Das lässt sich Einreichungen von Tesla bei der Börsenaufsicht SEC entnehmen. Der Verwaltungsrat nickte das Arrangement mit der Begründung ab, dass es das unabhängige Urteilungsvermögen der Verwaltungsratsmitglieder nicht behindere.

Zwei Stimmrechtsberater sind gegen Denholms Wiederwahl

Diese wachsweiche Begründung trifft - mit etwas Verzögerung - nun auf deutlichen Widerstand: So haben zwei wichtige institutionelle Stimmrechtsberater, ISS und Glass Lewis, deutliche Kritik an der Entscheidung geübt. Es sei die "Pflicht unabhängiger Verwaltungsratsmitglieder, das Management im besten Interesse der Aktionäre zu überwachen", heißt es in einem Report des Beraters, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet . Man habe aber Sorge, dass das neue D&O-Arrangement die unabhängigen Mitglieder in eine "direkte, persönliche finanzielle Abhängigkeit von dem CEO" bringe, den sie ja eigentlich überwachen sollen.

Glass Lewis empfiehlt deshalb, gegen die Wiederwahl Denholms zu stimmen. Denholm führe schließlich auch den Prüfungsausschuss, der diese Entscheidung genehmigt habe. ISS spricht sich ebenfalls gegen Denholms neuerliche Wahl aus, allerdings aus anderen Gründen: Der zweite Stimmrechtsberater kritisiert laut Berichten die Höhe der Aufwandsentschädigungen der Vererwaltungsratsmitglieder und unzureichende Grenzen bei der Verpfändung von Aktien als Sicherheit.

Kommt es am 7. Juli zur Hauptversammlung zum Showdown?

Denholm selbst hat sich zu dem Thema noch nicht zu Wort gemeldet. Teslas Hauptversammlung findet am 7. Juli statt. Dort könnte es dann, wenn sich genügend Aktionäre finden, zum Showdown gegen Musks Aufpasserin kommen. Ob das wirklich passiert, ist allerdings noch schwer abschätzbar. Zahlreiche Tesla-Anteilseigner verlassen sich lieber auf ihr eigenes Urteilsvermögen, statt den Stimmrechtsberatern zu folgen. Und in der Vergangenheit haben solche unabhängigen Aktionäre oft für Tesla und gegen den Rat der Stimmerechtsberater entschieden.

Klar ist aber: Denholm hat sich mit dem Abnicken der seltsamen D&O-Regelungen nicht gerade einen Gefallen getan. Das Thema Corporate Governance scheint bei Tesla ohnedies seit Jahren nicht allzu hoch im Kurs zu stehen. Schließlich ist Firmenchef Musk auch noch Tesla-Hauptanteilseigner, hat mit Solarcity die Firma seiner Cousins gekauft und sitzen im Verwaltungsrat des Elektroautobauers kaum wirklich unabhängige Mitglieder.

Doch mit solch engen familiären Banden ist Tesla beileibe nicht alleine in der Autobranche. Beim Volkswagen-Konzern gibt es reichlich Verquickungen der Haupteigentümerfamilien Porsche und Piëch - das kritisieren Corporate-Governance-Experten wie Christian Strenger regelmäßig scharf.

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