Neue Diskussion um Teslas "Autopilot" Teslas gefährliches Sprachproblem in China

Tesla-Limousine Model S in China: Crash mit parkendem Auto sorgt für Diskussionen über Teslas Technikversprechen

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Fotos zeigen nur einige Kratzer und Dellen. Dennoch sorgt ein aktueller Unfall nicht nur in China für heftige Diskussionen: Ein chinesischer Tesla Model S-Fahrer rammte ein nahe an der Leitplanke parkendes Auto, während die "Autopilot" genannten Fahrassistenzsysteme des Wagens eingeschaltet waren.

Weit entfernt von dem tödlichen Unfall in den USA, der Tesla  bereits den Vorwurf einbrachte, mit dem Label "Autopilot" eine Sicherheit zu suggerieren, die seine Technik noch nicht liefern kann. Die Systeme halten den Wagen computergesteuert in der Spur, sie halten auch den Abstand zum Vordermann ein - doch sie sind längst noch nicht fehlerfrei und können alle Hindernisse problemlos erkennen.

Der chinesische Tesla-Fahrer, der seinen Fall im Internet schilderte, erhob einen Vorwurf, der es in sich hat: "Sie vermitteln bei Tesla jedem den Eindruck, es handele sich um ein selbstfahrendes Auto und nicht um ein Fahrerassistenz-System", sagte der Unfallfahrer.

In China gibt es bereits seit Längerem den Vorwurf, dass Tesla in den Verkaufsräumen der Metropolen Peking, Shanghai und Guangzhou den Autopiloten als autonomes Fahren anpreist. Vier weitere von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Tesla-Fahrer wollen in China ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Zu Demonstrationszwecken hätten die Verkäufer sogar die Hände vom Lenkrad genommen.

Nun muss Tesla in China einiges erklären. Der Elektroauto-Hersteller leugnet die Vorwürfe: Bei dem Assistenz-Programm handele es sich lediglich um ein ergänzendes Feature. Die Firma stelle stets klar, dass der Fahrer seine Hände durchgehend am Lenkrad haben müsse, um die Kontrolle und die Verantwortung über das Fahrzeug zu behalten, sagte ein Tesla-Sprecher.

"Zidong Jiashi" - zwei Wörter, die irreführen

Nach dem US-Unfall ermittelt die dortige Verkehrsaufsicht. Eine der unangenehmen Folgen der Debatte für Tesla: Der Kamera- und Objekterkennungssoftware-Zulieferer Mobileye hat die Zusammenarbeit mit Tesla aufgekündigt. Tesla benötigt für einige zentralen Bausteine seines Autopilot-Assistenzsystems nun neue Lieferanten.

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Das Unternehmen hat durchaus Vorkehrungen eingebaut, die Unfälle mit der Fahrassistenz verhindern sollen: Wenn der Kontakt zum Lenkrad längere Zeit abbricht, wird der Fahrer zunächst elektronisch gewarnt. Greift er nicht zum Steuer, wird der Wagen automatisch gestoppt.

Der chinesische Fahrer soll laut Medienberichten zuvor selbst eingeräumt haben, die Hände während des Unfalls nicht am Steuer gehabt zu haben. Doch sein Fehlverhalten führt er auf Mängel in der Aufklärung durch die Verkäufer zurück.

Die Vorwürfe des chinesischen Fahrers lassen sich durchaus mit Kommunikationsproblemen in der chinesischen Sprache erklären. Auf Teslas chinesischer Website findet sich Berichten zufolge mehrfach das Wort "Zidong Jiashi", das sich wörtlich am besten mit "selbstfahrend" übersetzen lässt. Dasselbe Wort wird allerdings auch zur Bezeichnung von Flugzeug-Autopiloten verwendet. Das kann zur Verwirrung bei den Kunden führen.

Der Unfall in Peking bedeutet für Tesla weiteren Gegenwind auf dem ohnehin schwierigen chinesischen Markt, wo mit Abstand die meisten Elektroautos verkauft werden - zunehmend aber von heimischen Herstellern, während die US-Marke eher eine untergeordnete Rolle spielt. Mit dem "Autopilot" könnte sich Tesla profilieren, denn Umfragen zufolge sind chinesische Kunden dem autonomen Fahren wesentlich aufgeschlossener als traditioneller orientierte Amerikaner und Europäer. Bisher jedenfalls.

mit Material von dpa