Mittwoch, 1. April 2020

Zwei Tesla-Insassen bei Unfall verletzt Tesla räumt weitere "Autopilot"-Unfälle ein

US-Elektroauto-Pionier: 6 Schicksalsmonate für Tesla
DPA

Tesla-Chef Elon Musk muss weitere Unfälle bei Fahrten mit dem System "Autopilot" einräumen. Autopiloten sollen das Fahren eigentlich sicherer machen. Das Vertrauen in das System dürfte schwinden und der Tesla-Chef weiter unter Durck geraten.

Nur wenige Tage nach Bekanntwerden eines tödlichen Unfalls mit einem vom Autopiloten gesteuerten Tesla Model S hat sich ein zweiter schwerer Unfall in den USA mit einem Tesla-Auto ereignet. Bei dem Crash im US-Bundesstaat Pennsylvania seien die beiden Insassen verletzt und im Krankenhaus behandelt worden, berichtet die "Detroit News".

Dem Bericht zufolge fuhr der Galerist Albert Scaglione seinen Tesla Model X nach eigenen Aussagen im Autopilot-Modus, wie ein Polizist der Zeitung gegenüber erklärte. Tesla selbst teilte mit, es gebe keine überzeugenden Belege dafür, ob der Autopilot eingeschaltet gewesen sei.

Der Unfall habe sich laut Polizeibericht am 1. Juli auf einer Überlandstraße östlich der Stadt Pittsburgh ereignet. Das Model X sei aus bisher ungeklärten Gründen auf die rechte Leitplanke geprallt und habe sich dann überschlagen. Der Streckenabschnitt gilt als vergleichsweise eng, die Gegenfahrbahn ist durch eine Betonmauer abgetrennt.

Dem Bericht zufolge habe sich der Unfall am Nachmittag zugetragen. Fotos vom Unfallort, die offenbar kurz nach dem Crash aufgenommen worden waren, dokumentieren klare Sichtverhältnisse.

Tesla bestätigt weitere Unfälle mit Autopilot

Gegenüber dem "Wall Street Journal" bestätigte Tesla, dass es weitere weniger schwere Unfälle bei Fahrten mit dem System "Autopilot" gegeben habe. Es habe mehrere Unfälle ohne Todesfolge gegeben, sagte ein Sprecher. Eine konkrete Zahl wurde nicht genannt. Die Zeitung sprach von "einer Handvoll" von Fällen, mit denen die "Autopilot"-Technik in Verbindung gebracht werde.

Bereits am vergangenen Donnerstag hatte Tesla auf seinem Unternehmensblog einen ersten tödlichen Unfall mit einem Modell S einräumen müssen. In diesem Fall hatte laut Tesla-Chef Elon Musk ein Lastzug im rechten Winkel vor dem mit Autopilot fahrenden Elktroauto die Straße gekreuzt. Der Autopilot soll die weiße Seitenfläche des LkW für ein hochhängendes Straßenschild gehalten und deshalb nicht automatisch gebremst haben. Die Bremsfunktion sei jedenfalls nicht ausgelöst worden. Das Model S sei dann seitlich und ungebremst in den LkW reingeknallt.

Schwerer Unfall: das Model X ist noch nicht lange im Handel

Musk zeigte sich in seinem Blog betroffen von dem Unfall, charakterisierte ihn aber zugleich als statistisch plausibles Phänomen. Tesla-Elektroautos hätten bislang mehr als 200 Millionen Kilometer per Autopilot zurückgelegt, ohne dass es zu einem tödlichen Unfall gekommen sei. Im Durchschnitt aller Fahrzeuge in den USA komme ein tödlicher Unfall auf 145 Millionen gefahrene Kilometer.

Hat Tesla zu spät informiert?

Inzwischen regt sich auch Kritik daran, dass Tesla über den tödlichen Unfall im Mai erst im Juli informiert habe. Tesla hatte keine zwei Wochen nach dem Crash im Mai neue Aktien für 1,4 Milliarden Dollar verkauft, um Geld für den Ausbau der Produktion zu heben. Zu diesem Zeitpunkt war einer breiten Öffentlichkeit der Unfall noch nicht bekannt.

Tesla hatte das Autopilot-System im Herbst vergangenen Jahr vorgestellt. Musk hatte dabei eingeräumt, das Lenksystem befinde sich noch in einer "Beta-Testphase" und die Software habe Probleme, Fußgänger und Radfahrer zu erkennen. Der zweite schwere Unfall innerhalb kürzester Zeit dürfte das Vertrauen in die Sicherheit des Systems weiter schaden.

Das "Autopilot"-System lässt Autos bei Betätigen des Blinker-Hebels automatisch die Spur wechseln, selbsttätig die Geschwindigkeit verändern und die Bremse auslösen. Tesla betont aber, dass die Fahrer auch bei Autopilotfahrten die Hände am Lenker halten sollten und verantwortlich für ihre Fahrt sind.

Der Elektro-SUV Model X ist er seit kurzem im Handel. Tesla versucht derzeit mit großem Tempo, von einem Nischenanbieter für hochpreisige Elektroautos zu einem Massenhersteller zu werden. Bereits 2018 will Elon Musk 500.000 Elektroautos pro Jahr bauen und ausliefern. Dabei hat Tesla Schwierigkeiten, bereits den für dieses Jahr angepeilten Absatz zu erreichen.

Bei Anlegern wächst die Nervosität. Die Aktie hat in den vergangenen drei Monaten rund 20 Prozent an Wert verloren. Auf den erneuten Unfall reagierten Aktionäre jedoch gelassen - das Papier notierte am Mittwoch Abend kaum verändert bei 212 US-Dollar.

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