Software-Update für Tesla Model S Tesla brezelt Navi auf - und setzt auf Autopiloten

Tesla schärft sein Navi via Online-Update nach: Künftig werden Fahrer automatisch zur nächsten freien Ladesäule gelotst und können ihre Routen besser planen.

Tesla schärft sein Navi via Online-Update nach: Künftig werden Fahrer automatisch zur nächsten freien Ladesäule gelotst und können ihre Routen besser planen.

Foto: Tesla

Tesla matcht sein Bordnavi schlauer und will so seinen Elektroauto-Fahrern die Furcht vor dem Liegenbleiben mit leerer Batterie nehmen. Per Software-Update integriert der Elektroauto-Hersteller neue Funktionen, die Fahrer rechtzeitig zur nächsten Ladestation lotsen. Ein Autopilot für Langstreckenfahrten folgt in einigen Monaten.

Die Ankündigung war ziemlich selbstbewusst: Vor wenigen Tagen hatte Tesla-Chef Elon Musk angekündigt, dass sein Unternehmen die "Reichweitenangst beenden" werde. Gestern Abend hat er die Details zu dem umfangreichen Software-Update präsentiert. Künftig warnt das Navigationssystem von Teslas Limousine Model S Fahrer mehrfach, wenn ihnen der Batteriestrom auszugehen droht und lotst sie rechtzeitig zur nächsten Ladestation.

Das aktualisierte Navi-System ermöglicht zudem eine bessere Reiseplanung. Im Hintergrund überprüft das System per Online-Verbindung, welche Stromtankstellen gerade überlastet und welche frei sind - und lässt diese Informationen in die Routenvorschläge und Zeitangaben einfließen.

Zudem berücksichtigt das Navi künftig bei der Routenplanung auch Informationen über Topografie und Windgeschwindigkeiten. Die Reichweiten-Anzeige wird dann entsprechend angepasst. Selbst wenn über das Navi kein Ziel eingegeben wurde, arbeitet das System im Hintergrund. Der Fahrer muss die Warnungen vor dem Liegenbleiben zwei Mal bestätigen, bevor er tatsächlich an die Grenzen der Reichweite gelangen kann.

Tesla zeigt der Branche, was per Online-Update alles möglich ist

"Sie müssen künftig nicht mehr vorausdenken oder irgendwelche Rechnungen anstellen", versprach Musk. "Es wird unmöglich sein, die Batterie leer zu fahren, außer man legt es absichtlich drauf an". Verfügbar ist das neue Navi-System für alle Model S-Fahrer.

Anders als in der Branche sonst üblich erfordert die Aktualisierung keinen Werkstattbesuch, sondern wird per Online-Verbindung direkt ins Auto eingespielt - wie bei Smartphones längst üblich. Bei den Aktualisierungen per Internet-Verbindung ist Tesla seinen Konkurrenten deutlich voraus. Bei den großen Autoherstellern sind solche Drahtlos-Updates bislang nur in begrenztem Umfang möglich. Für umfangreichere Aktualisierungen etwa des Navi-Kartenmaterials ist noch immer der Besuch einer Werkstatt oder der Anschluss eines physischen Datenträgers im Auto notwendig.

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Mit der Aktualisierung erhalten die Tesla-Fahrer auch einen erweiterten Kollisionswarner und einen Assistenten,r vor Fahrzeugen im toten Winkel warnt.

Noch entspannender für Langstreckenfahrten wird jedoch ein Update, das Tesla in rund drei Monaten ausliefern will. Es soll Model S-Fahrern einen Autopiloten zur Verfügung stellen, mit dem das Auto laut Musk sebständig auf US-Autobahnen fahren kann. Seit September vergangenen Jahres baut Tesla die dafür notwendigen Ultraschall- und Radarsensoren sowie Kameras serienmäßig in seine Fahrzeuge ein.

Model S fährt bald auf App-Knopfdruck vor - jedoch nur auf Privatgeländen

Das System hält laut Musk nicht nur automatisch die Spur auf Autobahnen und den Abstand zum Vordermann. Bei Betätigen des Blinkers wechselt das Fahrzeug auch die Spur, soferne sich dort kein anderes Auto befindet. Damit geht das System schon an die Grenzen des momentan rechtlich Machbaren. Denn wirklich selbständiges Fahren, bei dem Fahrzeuglenker auch länger als ein paar Sekunden die Hände vom Steuer nehmen können, ist noch nirgendwo erlaubt.

Für Fahrten auf Privatgeländen will Tesla jedoch auch eine ziemlich spektakuläre Funktion freischalten. Künftig soll ein Model S auch selbständig zu seinem Besitzer fahren können, wenn es dieser per Smartphone herbeiruft - und sogar alleine parken können.

Auf Autobahnen automatisch Spur und Abstand halten, das können auch die Oberklasse-Fahrzeuge von Mercedes oder BMW bereits. Allerdings beschränkt Mercedes das vollautomatische Lenken und Bremsen in seiner S-Klasse bisher auf Geschwindigkeiten bis 60 km/h. Aus rechtlichen Gründen können S-Klasse-Fahrer die Hände nur einige Sekunden vom Lenkrad nehmen, bevor das System mit Piepstönen Alarm schlägt.

Musk legt sich auf die optimale Batteriereichweite fest

Musk will solche nervigen Kompromisse möglichst nicht eingehen - sondern hofft auf eine schnelle Änderung der Rahmenbedingungen. "Es wird möglich sein, von San Francisco naich Seattle zu fahren, ohne das Lenkrad zu berühren", kündigte er an. Allerdings soll das System vorerst nur für Highways und Hauptstraßen verfügbar sein - und nicht in Wohngebieten. Technisch wäre es mit seinem System aber möglich, von Parkplatz zu Parkplatz zu fahren.

Auch wenn er mit solchen Aussagen wohl durchaus dick auftrug: Auf der Pressekonferenz konnte Musk nach längerer Zeit wieder mal ein paar Technologie-Fortschritte seines Unternehmens präsentieren. Bei seinen letzten öffentlichen Auftritten musste er eher Produktions- und Absatzprobleme rechtfertigen, um so dieoffensichtlichen Wachstumsprobleme bei Tesla zu übertünchen.

Spannend, weil ziemlich bodenständig und konkret, waren auch ein paar Aussagen Musks zur idealen Batteriereichweite. Musk selbst hält Batterien mit einer Reichweite zwischen 250 und 300 Meilen für optimal, erklärte er gestern. Für Teslas geplantes Model III, das spätestens 2018 auf den Markt kommen soll, hatte Musk bislang Reichweiten von 200 Meilen angedeutet. Gut möglich, dass Musk also für Teslas Einstieg auf den Massenmarkt bei der Reichweite nachlegt - und das Model III dann doch einen größeren Akku verpasst bekommt als bisher in Aussicht gestellt.

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Bei der Reichweite lag Tesla bislang immer weit vor der Konkurrenz. Doch der Abstand schmilzt: Audi will bis 2018 einen Elektro-SUV mit hoher Reichweite auf den Markt bringen, Mercedes und Porsche hegen ähnliche Pläne. Auch bei kleineren, billigeren Elektroautos steigt die Reichweite bald in Richtung 200 Meilen.