Elon Musk verantwortet Produktion Model-3-Produktion ist bei Tesla jetzt Chefsache

Tesla-Chef Elon Musk mit Auto-Bauteil (Archivaufnahme 2014)

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Preis, Reichweite, Spurtstärke...: Wie einzigartig ist Teslas Model 3 wirklich?

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Tesla-Chef Elon Musk macht die Produktionsprobleme seines Hoffnungsträgers Model 3 zur Chefsache: "Ich schlafe wieder in der Fabrik", twitterte  Musk am frühen Dienstagmorgen deutscher Zeit. Er übernehme einen Teil der Aufgaben von Doug Field, der bislang für Produktion und Konstruktion verantwortlich zeichnete; Field werde sich künftig nunmehr auf die technische Konstruktion der Fahrzeuge konzentrieren.

Musk habe den Ex-Apple-Mann vor gut einem Jahr angestellt, um Konstruktion und Produktion des Model 3 besser aufeinander abzustimmen, "sodass wir keine verrückt schwierig zu bauenden Autos designen", führte Musk bei Twitter weiter aus. "Aktuell ist es aber besser, zu teilen und zu herrschen, weshalb ich wieder in der Fabrik schlafe. Autoindustrie ist die Hölle."

Tesla baut 2020 Model 3 in sieben Tagen

Von "Hölle" hatte Elon Musk schon vor Monaten gesprochen und den Weg zur Massenfertigung des Model 3 als "Produktionshölle" bezeichnet. Tesla steckt offenbar weiter in ihr fest: Wie Tesla am Dienstagnachmittag (MEZ) mitteilte , hat das Unternehmen "in den vergangenen sieben Tagen" 2020 Model 3 produziert und will dieses Niveau noch ausbauen. Der Autobauer hat damit allerdings erneut ein selbst gestecktes Ziel verfehlt. Eigentlich hatte Tesla zuletzt angestrebt, dass bis Ende März 2500 Autos vom Typ Model 3 wöchentlich vom Band laufen. Allerdings: Im gesamten Schlussquartal 2017 hatte Tesla lediglich 2425 Model-3-Autos hergestellt.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres hat Tesla die Model-3-Produktion gegenüber dem Vorquartal auf 9766 gesteigert und damit mehr als vervierfacht. Insgesamt produzierte Tesla im ersten Quartal 34.494 Elektroautos, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem vierten Quartal und das mit Abstand "produktivste Quartal in der Tesla-Geschichte", wie Elon Musk betonte.

Tesla schließt Kapitalerhöhung für dieses Jahr aus

Tesla geht nun davon aus, dass die Produktion für das Modell 3 im zweiten Quartal rasch steigen und bis Anfang Juli die angestrebte Produktionsrate von etwa 5000 Einheiten pro Woche erreicht werde. Tesla zeigte sich in der Mitteilung zugleich überzeugt, angesichts des erwarteten Cashflow aus den steigenden Verkäufen in diesem Jahr kein frisches Eigenkapital oder neue Schulden aufnehmen zu müssen - abgesehen von den Standardkreditlinien.


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Das Model 3 gilt unter Experten für Tesla als Schlüsselprodukt für die langfristige Profitabilität. Die Limousine ist deutlich günstiger als etwa das Model S. Tesla hatte das Produktionsziel in der Vergangenheit bereits mehrfach verschieben müssen und war damit den Investoren den Beweis schuldig geblieben, dass das Unternehmen Elektroautos in großen Stückzahlen ohne größere Probleme in Serie produzieren und rechtzeitig auf den Markt bringen kann.

Das ist angesichts anderer Negativschlagzeilen um Tesla nicht unerheblich. Denn der Autobauer verzehrt viel Geld mit dem Aufbau der Massenproduktion des Model 3: 480.000 Dollar stündlich, wie Analysten unlängst errechnet hatten.

Die Aktie des Unternehmens notierte am Dienstagnachmittag (MEZ) mit 5 Prozent im Plus. Am Vortag hatte sie an der New Yorker Börse in der Spitze 8 Prozent verloren und war mit einem Minus von 5 Prozent aus dem Handel gegangen.

Aktie zieht wieder an

Gedrückt hatte das Papier vermutlich auch ein schlechter April-Scherz des Tesla-Chefs. In überzeichneter Form hatte der Manager auf Twitter in Bild und Schrift über die Pleite seines Unternehmens gewitzelt. Einige Anleger fanden dies offenbar alles andere als lustig. Die Aktie von Tesla litt zuletzt auch unter einer Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's sowie einem tödlichen Unfall mit einem Tesla in Kalifornien.

Bei dem Unfall in Kalifornien kam ein Apple-Ingenieur auf gerader Strecke ums Leben. Der Autopilot seines Model X war zum Zeitpunkt des Unfalls eingeschaltet. Tesla behauptet, der Fahrer habe Warnungen vor einem Betonpoller ignoriert und die Hände wenige Sekunden vor dem Unfall nicht am Steuer gehabt. Der Bruder des Verunglückten berichtete dem TV-Sender ABC, dass der Ingenieur sich vor dem Unfall über mögliche Fehlfunktionen seinen Autopiloten beschwert habe, der Tesla-Händler habe aber nichts feststellen können.