Erneut Probleme bei Model-3-Fertigung, Streit um Arbeitsunfallstatistik Tesla stoppt Produktion - Wie sicher ist die Fabrik?

Tesla bekommt die Probleme bei der Model-3-Produktion nicht in den Griff. Jetzt hält Elon Musk für fünf Tage die Bänder an und schickt seine Mitarbeiter für die Zeit unbezahlt nach Hause oder in den Zwangsurlaub. Und noch eine neue Baustelle: Eben in dieser Fabrik in Fremont soll es durch mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vermehrt zu Unfällen gekommen sein und Tesla die Unfallzahlen frisieren. Der Autobauer widerspricht entschieden.
Tesla-Fabrik in Fremont: Die Probleme (hier Produktion des Model S) bei der Produktion des Model 3 reißen nicht ab

Tesla-Fabrik in Fremont: Die Probleme (hier Produktion des Model S) bei der Produktion des Model 3 reißen nicht ab

Foto: REUTERS
Fotostrecke

Preis, Reichweite, Spurtstärke...: Wie einzigartig ist Teslas Model 3 wirklich?

Foto: Eugene Garcia/ picture alliance / dpa

Schon mehrfach hatte Tesla-Chef Elon Musk die Produktionsziele für das Model 3 revidieren müssen. Ende Januar hatten Tesla-Ingenieure in einem CNBC-Bericht davor gewarnt, die Fabrik im kalifornischen Fremont sei noch weit davon entfernt, eine reibungslose Massenproduktion gewährleisten zu können und hatte weitere Probleme vorausgesagt. Sie sollten Recht behalten:

Elon Musk hat offenbar einen Fertigungsstopp für das Model 3 angeordnet. Für vier bis fünf Tage sollen keine Wagen vom Band laufen. Der vorübergehende Fertigungsstopp des Hoffnungsträgers sei der Belegschaft ohne Vorwarnung mitgeteilt worden, berichtete die Newsseite "Buzzfeed" am Montagabend  (Ortszeit) unter Berufung auf Mitarbeiter. Die betroffenen Mitarbeiter sollen laut "Buzzfeed" für die von ihnen nicht verschuldete Produktionspause unbezahlt zu Hause bleiben oder Urlaubstage abbauen.

Eine solche Pause sei nicht ungewöhnlich und nötig, um die Automation zu verbessern, versuchte ein Tesla-Sprecher zu beruhigen. Ähnlich argumentierte das Unternehmen bereits, als die Produktion Ende Februar schon einmal vorübergehend ausgesetzt worden war. Tesla wollte die Produktion eigentlich bereits zum Ende 2017 auf 5000 Wagen pro Woche gebracht haben. Dieses Ziel verschob Elon Musk zuletzt auf Ende Juni. Ende März fertigte Tesla gut 2000 Model 3 wöchentlich.


Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.


Der Tesla-Chef hatte zuletzt eingeräumt, dass die Produktionsprobleme von einer übertriebenen Automatisierung verschärft wurden. Dem US-Sender CBS bestätigte Musk , dass Roboter die Fertigung in einigen Fällen verlangsamt hätten. Später schrieb er bei Twitter: "Ja, die übertriebene Automatisierung bei Tesla war ein Fehler. Um genau zu sein, mein Fehler. Menschen sind unterbewertet." Wie diese Aussagen jetzt zu dem Fertigungsstopp passen, blieb zunächst unklar.

Wie sicher ist die Fabrik in Fremont - frisiert Tesla die Statistik zu Arbeitsunfällen?

Anhaltende Probleme bei der Fertigung sind bei weitem nicht die einzige Baustelle, die Tesla-Chef Elon Musk schließen muss, will er die Aktionäre oder mögliche Käufer nicht weiter verunsichern. So liefert sich Tesla aktuell eine öffentlich ausgetragene Auseinandersetzung mit dem Magazin "Reveal" über die Sicherheit der Fabrik in Fremont und womöglich frisierte Unfallstatistiken .

In einem langen Bericht, in dem auch ehemalige Tesla-Mitarbeiter zitiert werden, glaubt das Magazin Tesla nachweisen zu können, dass der Autobauer seine Berichtspflicht über Unfälle nicht vorschriftsmäßig nachkommt, um damit die Statistik zu frisieren.

In der Fabrik, in der bis zu 10.000 Menschen beschäftigt sind, verletzten sich dem Bericht zufolge jeden Tag im Schnitt zwei Menschen infolge der Ausübung ihrer Arbeit. Die Sicherheitsvorkehrungen seien nicht ausreichend, lautet der Vorwurf. Die Rate der Arbeitsunfälle in der Fabrik in Fremont liege auch deutlich über dem Schnitt der restlichen Autoindustrie.

"Ideologisch motivierter Angriff einer extremistischen Organisation"

In einem Blog-Beitrag in der Nacht zu Dienstag widerspricht Tesla dem Bericht entschieden . Tatsächlich habe Tesla seine Umfallrate im vergangenen Jahr in der Fabrik um ein Viertel senken können. Reval habe das System der Unfallerfassung und -Statistik nicht begriffen.

Es handelte sich um einen "ideologisch motivierten Angriff einer extremistischen Organisation, die direkt mit Gewerkschaftsfans arbeitet, um eine kalkulierte Desinformationskampagne gegen Tesla zu führen", keilt Tesla-Chef Elon Musk in einem längeren Blog-Statement zurück.

Tatsächlich hatten sich Mitarbeiter bereits im Sommer vergangenen Jahres in einem Brief an den Verwaltungsrat über zahlreiche, aus ihrer Sicht vermeidbare Unfälle in der Fabrik beschwert. Zugleich äußerten sie ihre Besorgnis, Repressalien ausgesetzt zu sein, falls sie versuchten, eine Niederlassung der US-Automobilgewerkschaft UAW in der Fabrik zu gründen.

Der Ton in der Auseinandersetzung mit Kritikern bei Tesla wird also deutlich ruppiger - vor allem wenn es um das Thema Sicherheit geht: Im Streit um die Aufklärung eines tödlichen Unfalls mit einem brandneuen Model X, liegt Tesla mit der US-Verkehrsaufsicht heftig im Clinch. In einem ungewöhnlichen Akt hatte die US-Behörde Tesla von der Untersuchung ausgeschlossen, weil das Unternehmen den Fahrer in einem Statement vorab die Schuld an dem Unfall zuwies, obwohl die offizielle Untersuchung noch gar nicht beendet war und Zweifel an der Sicherheit des Autopiloten des Unfallfahrzeugs aufgekommen waren.

mit dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.