Angeblich fast ein Viertel der Anzahlungen erstattet Tesla zahlt enttäuschten Model-3-Kunden viel Geld zurück

Tesla-Chef Elon Musk hinkt dem Produktionsziel von 5000 Model 3 die Woche noch hinterher. Derzeit lässt der Manager lieber teure Versionen des Elektroautos vom Band laufen und scheint damit viele Tesla-Fans zu verärgern

Tesla-Chef Elon Musk hinkt dem Produktionsziel von 5000 Model 3 die Woche noch hinterher. Derzeit lässt der Manager lieber teure Versionen des Elektroautos vom Band laufen und scheint damit viele Tesla-Fans zu verärgern

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Preis, Reichweite, Spurtstärke...: Wie einzigartig ist Teslas Model 3 wirklich?

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Als Tesla-Chef Elon Musk vor mehr als zwei Jahren das neue Model 3 enthüllte, elektrisierte er damit die Massen. Hundertausende bestellten das Elektroauto vor, zahlten bereitwillig 1000 Dollar auf das Konto des Milliardärs ein, verschafften ihm damit seinen persönlichen "iPhone-Moment".

Echte Tesla-Fan gelten als hartgesotten und ausdauernd, wenn man Blog-Einträgen Glauben schenken darf. Doch die Geduld bröckelt, die Abbestellungen haben zuletzt offenbar deutlich zugenommen, berichtet das Magazin "Recode" .

Das Magazin beruft sich dabei auf Angaben und Analysen von Second Measure - ein Unternehmen, das Transaktionen von Kredit- und Debitkarten in Milliardenhöhe analysiert und anonymisiert auswertet. Auf Basis dieser Auswertung habe Tesla demnach bislang 23 Prozent der von den Kunden getätigten Model-3-Einlagen in den USA erstattet.

Ein Tesla-Sprecher betonte dem Bericht zufolge, dass die Daten nicht mit jenen von Tesla übereinstimmten, wollte aber keine Angaben zu Stornierungen machen. Elon Musk selbst hatte vor dem Hintergrund anhaltender Produktionsprobleme das Thema Abbestellungen auf Nachfragen von Journalisten zuletzt immer wieder kleingeredet.

In der zweiten April-Woche hatte Musk allerdings erklärt, dass viele Kunden ihre bestellten Model-3-Autos sechs bis neun Monate später bekommen würden und versprach fast schon beschwörend : "You'll definitely get your car." Nach diesen Aussagen seien die Stornierungen und damit die Rückerstattungen der 1000-Dollar-Anzahlungen dann auch sprunghaft angestiegen, berichtet Recode unter Berufung auf die Analyse weiter.

In der vorletzten Mai-Woche wiederum räumte der Tesla-Chef ein, dass er mit der günstigeren Version bei aktuellen Produktionsmengen "Geld verlieren und sterben" würde und stellte lieber eine mehr als doppelt so teure Version des Model 3 vor, anstatt die Sorgen wartender Käufer zu zerstreuen.

Fans des Billig-Tesla haben das Nachsehen

Tesla verliert mit der Produktion des Model jede Minute 6500 Dollar, hatte Bloomberg zuletzt errechnet. Wenn Tesla so weitermache und keine neuen Finanzierungsrunden fahre, könnte dem Unternehmen zum Jahresende das Geld ausgehen - ganz abgesehen von dem dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag, den Tesla jetzt offenbar im Zuge von Stornierungen seinen Kunden erstatten muss und der in der Kasse fehlt.

Musk bestreitet zusätzlichen Kapitalbedarf noch in diesem Jahr. Dass sich der Tesla-Chef in dieser offensichtlich schwierigen Lage mit einer aufgemotzten Model-3 -Version wieder an zahlungskräftigere Kunden wendet, ist aber verständlich - die Gewinnmargen sind bei hochpreisigen Modellen bekanntlich höher. Dabei könnte sich das Model 3 tatsächlich als Gewinnmaschine für Musk erweisen, haben zuletzt deutsche Ingenieure festgestellt - vorausgesetzt, der Output stimmt.

Mit seiner Strategie, kostspieligeren Versionen des Model 3 derzeit den Produktionsvorrang einzuräumen, verliert Musk allerdings kostbare Zeit, die die Wettbewerber nutzen werden, um erschwingliche Elektroautos auf den Markt zu bringen und Teslas Ziel, führender E-Auto-Massenhersteller zu werden, empfindlich durchkreuzen könnten.

Und das 2003 gegründete Unternehmen, das noch nie einen Jahresgewinn erwirtschaftet hat, wird an der Börse auch deshalb so vergleichsweise teuer gehandelt, weil Anleger Musk eben immer noch zutrauen, mit seinen Elektroautos aus der Luxus-Nische zu fahren.

Für die 35.000-Dollar-Model-3-Fans in den USA ist Musks aktuelle Präferenz jedenfalls doppelt bitter: Sie warten nicht nur länger auf ihr ersehntes Elektroauto, sondern laufen auch Gefahr, 7500 Dollar Kaufprämie oder zumindest einen großen Teil davon zu verlieren. Denn so hoch ist der Steueranreiz beim Kauf eines Elektroautos in den Vereinigten Staaten - allerdings nur für die ersten 200.000 Modelle eines Herstellers. Danach halbiert sich die Prämie alle sechs Monate.

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