Neue Details zu Teslas Massenmarkt-Auto Tesla Model 3 startet mit weniger Optionen als der Trabi

Trabant, Teslas Massenauto Model 3 (r.): Spartanische Wahlmöglichkeiten

Trabant, Teslas Massenauto Model 3 (r.): Spartanische Wahlmöglichkeiten

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In wenigen Wochen soll es aus der Fabrik rollen - Teslas mit Spannung erwartetes Model 3. Häppchen für Häppchen streut Tesla-Chef und Marketinggenie Elon Musk neue Details zu dem Wagen, der den Hersteller vom Nischenanbieter zum Massenhersteller machen soll.

Doch anders als sonst üblich, versuchte Musk zuletzt, die Erwartungen an das Elektroauto zu dämpfen. Der Wagen sei eben nicht der bisher beste aus dem Hause Tesla, ließ der von Millionen Fans als Held verehrte Multi-Unternehmer wissen. Die besten Fahrleistungen und Ausstattungen wiesen immer noch die deutlich teureren Model S und Model X auf. Offenbar fürchtete Musk, dass die Nachfrage nach diesen fünf und zwei Jahre alten Autos durch das Model 3 sinken könnte.

Bei seinem Auftritt auf der Tesla-Jahreshauptversammlung blieb Musk dieser Linie treu. Model-3-Käufer hätten zunächst kaum Auswahl beim Zubehör, der Konfigurator werde entsprechend spartanisch ausfallen.

Lesen Sie in den folgenden Abschnitten, über welche Optionen das Model 3 anfangs verfügen wird und was sonst noch öffentlich über das Auto bekannt ist.

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Anders als Model S und Model X soll das Model 3 in wesentlich weniger Ausstattungsvarianten auf den Markt kommen. Das S lässt sich in mehr als 1500 Kombinationen bestellen. Das Massenmodell soll jedoch nur in maximal 100 Varianten erhältlich sein.

Zu Verkaufsbeginn sind die Optionen noch weiter eingeschränkt, wie Tesla-Chef Elon Musk bei der Hauptversammlung des Unternehmens am Dienstag erklärte. Demnach könne sich die Kunden lediglich für eine individuelle Farbe des Fahrzeugs (laut Fachportal "Elektrek"sechs verschiedene ) sowie die Reifengröße (18 oder 19 Zoll) entscheiden. Das schlanke Verfahren soll sicherstellen, dass Tesla die Produktion des Wagens zügig hochfahren kann.

Tesla mit 2 Optionen, Trabant hatte 3

Damit bietet das Model 3 zunächst weniger Wahlmöglichkeiten als der DDR-Trabant. Für diesen konnten Kaufberechtigte immerhin eine Ablagefläche unter der Instrumententafel, Intervall-Scheibenwischer und eine Warnblinkanlage optional ordern - also drei Merkmale mitbestimmen. Die Wartezeit für das Model 3 von derzeit "nur" einem Jahr wirkt im Vergleich zum Trabi (oft 17 Jahre) hingegen fast schon kurz.

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Auf seiner Website  verspricht Tesla für das Model 3 eine Reichweite von 345 Kilometern je Ladung. In unter sechs Sekunden soll der Fünfsitzer auf 100 km/h sprinten, die Hardware für die "Autopilot"-Assistenzsysteme und Schnellladung an Tesla-eigenen Supercharger-Ladestationen hat auch das Basismodell an Bord. Das soll in den USA rund 35.000 Dollar abzüglich etwaiger Förderungen kosten.

Allerdings dürfte dies der Brutto-Preis vor Steuern sein. Die Preise für Deutschland will Tesla noch in diesem Jahr bekanntgeben. Doch der Preis für Privatkunden dürfte vermutlich deutlich jenseits von 40.000 Euro liegen - dafür sorgt auch der deutsche Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent.

Wird das Model 3 ein Model-S-Klon - nur kleiner und günstiger?

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Eine Gigafactory für Europa: Diese Standorte buhlen um Tesla

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Wie Tesla selbst in einem Blog-Eintrag erklärt, wird das Model 3 nicht der "Tesla der nächsten Generation". Die deutlich teureren Model S und X haben die "fortschrittlichste Technologie" an Bord und bieten das beste Fahrerlebnis, erläuterten die Kalifornier im April. Das Model 3 werde "kleiner, simpler" und werde mit deutlich weniger Luxus-Optionen angeboten als die hochpreisigen Modelle.

So wird das Model 3 etwa nur einen Bildschirm an Bord haben. Model S und X haben je zwei Displays: Ein großes in der Mitte und ein kleineres im Armaturenbrett.

Verzichtet hat Musk beim Model 3 auf auch hübsche, aber produktionstechnisch aufwändige Details wie die versenkbaren Türgriffe des Model S oder die Flügeltüren des Elektro-SUVs Model X. Zudem hat das Model 3 zwar die Autopilot-Hardware ab Werk an Bord, doch die Freischaltung der Systeme dürfte sich Tesla per Aufpreis bezahlen lassen.

Und anders als bei den bisherigen Modellen wird auch das schnelle Laden per Supercharger nicht mehr kostenfrei oder per einmaliger Pauschale möglich sein. Tesla wird Model 3-Fahrer je geladener Kilowattstunde zur Kasse bitten, die Preise sollen zwischen 17 und 34 Cent je Kilowattstunde liegen.

Sieht das Serienauto genauso aus wie der Prototyp?

Wenn man den jüngsten Videos und Fanblog-Fotos trauen darf, ähneln die aktuellen Prototypen stark dem vor einem Jahr präsentierten ersten Version. Anders als bei vielen traditionellen Autoherstellern hat Tesla das ursprüngliche Design nur leicht verändert.

Welche Rolle spielt die deutsche Tochter Grohmann für die Model 3-Fertigung?

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Vergangenen November kam Tesla-Chef Elon Musk auf Kurzbesuch in die Eifel-Stadt Prüm - und verkündete dort Aufsehenerregendes: Der Autobauer aus dem Silicon Valley kaufte den Maschinenbauer Grohmann Engineering. Das 800-Leute-Unternehmen ist auf die Herstellung von Anlagen für hochautomatisierte Produktion spezialisiert. Grohmann ist technisch führend beim Bau von Maschinen für die Batteriezellen-Produktion - und dieses Knowhow kann Musk wohl nicht nur für sein "Gigafactory"-Batteriewerk in Nevada brauchen.

Denn Tesla plant bereits vier weitere Gigafactories, darunter auch eine Batterie- und Autofabrik in Europa. Dafür setzt er auch auf die Expertise des rheinland-pfälzischen Anlagenbauers, der nun als "Tesla Grohmann Automation" firmiert. Allerdings geht das nicht ganz ohne Reibungen ab. Vor kurzem ging Unternehmensgründer Klaus Grohmann von Bord. Die IG Metall sieht nun ihre Chance gekommen, bei Grohmann Tariflöhne einzuführen - bislang war der Betrieb nicht tarifgebunden, Betriebsräten zufolge liegen die Grohmann-Löhne um 25-30 Prozent niedriger als im Branchenschnitt.

Zuletzt stellte die IG Metall deshalb bereits Warnstreiks in Aussicht. Musk bot den Grohmann-Mitarbeitern leichte Lohnerhöhungen und Tesla-Aktien an. In einem Brief machte er aber klar, dass er von der Gewerkschaft nicht allzu viel hält. Die IG Metall wiederum schlug zuletzt versöhnlichere Töne an. Doch es gibt auch Berichte, dass Grohmann die Zusammenarbeit mit langjährigen Großkunden stark eindämmt, um fast ausschließlich für Tesla tätig zu sein.

In der rheinländisch-pfälzischen Kleinstadt droht dem Silicon-Valley-Zampano Musk also ein deutscher Arbeitskampf mit noch ungewissem Ausgang. Ob und wie weit der Zoff in Prüm den Zeitplan für den Model 3-Start durcheinander wirbelt, lässt sich aber noch nicht absehen.

Wann kommt das Model 3 auf den Markt?

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Die Produktion des Model 3 läuft in den USA im Juli an, das bestätigte Musk vor kurzem via Twitter. Da will Musk dann auch die finale Produktionsversion des Model 3 offiziell vorstellen.

Im Bericht zum vierten Quartal versicherten die Kalifornier, beim Model 3 exakt im Zeitplan zu liegen - anders als von manchen Analysten befürchtet. In der Vergangenheit hat Tesla allerdings mehrfach selbst gesetzte Termine nicht eingehalten. Der Marktstart des Model X verzögerte sich etwa um über ein Jahr. Und ein Software-Update für die Autopilot-Assistenzsysteme kam erst Monate später.

Beim Model 3 scheint Tesla erpicht darauf zu sein, seine Zusagen einzuhalten. Die Kalifornier können kaum anders. Denn für das Model 3 haben sie ordentlich Geld am Kapitalmarkt eingesammelt. Verzögerungen würden die Geldgeber kaum goutieren - und wohl auch nicht die Aktionäre. Tesla könnte dann schnell vom Vorreiter zum Übernahmekandidaten werden, wenn der Aktienkurs stark fällt.

Ausgeliefert werden die ersten Model 3-Wagen aber erst Ende des Jahres in den USA. Interessenten in Europa müssen sich wohl noch bis Mitte 2018 gedulden, um in einem Model 3 Platz zu nehmen.

Wie hoch ist die Zahl der Vorbestellungen?

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Wie hoch die aktuelle Zahl der Reservierungen ist, lässt sich kaum seriös schätzen. Eine aktuelle Zahl nannte Tesla auf Nachfrage von manager-magazin.de nicht. Per Mai 2016 kam das Model 3 auf 373.000 Vorbestellungen - wobei diese nicht bindend sind.

Interessenten konnten damals 1000 Dollar anzahlen, um sich ein Model 3 zu reservieren. Sie können allerdings jederzeit von ihrer Reservierung zurücktreten und erhalten dann ihre Anzahlung zurück. Die Zahl ist aber immerhin ein Indikator dafür, dass das Interesse an dem Auto hoch ist.

"Elektrek" schätzt die Zahl der Vorbestellungen auf knapp 500.000. Grundlage dafür sind die summierten Anzahlungen für alle Tesla-Modelle, die sich offiziellen Dokumenten des Unternehmens entnehmen lassen.

Spielt Tesla nun in der Liga der großen Autohersteller mit?

Noch kann auf Teslas Weg Richtung Massenhersteller sehr viel schiefgehen. Zum einen sind die Produktionsziele von Musk sehr hoch gegriffen. Bereits im vierten Quartal dieses Jahres sollen 5000 Stück Model 3 vom Band laufen - pro Woche. Im kommenden Jahr sollen es bis zu 10.000 Fahrzeuge wöchentlich werden. Diese Zahlen hat Tesla in seinem Bericht für das 4. Quartal 2016 vor einigen Wochen genannt. Früheren Aussagen von Musk zufolge will er noch in diesem Jahr 100.000 Model 3 bauen, für das Jahr 2018 hat er eine Jahresproduktion von 500.000 Elektroautos seiner bald drei Baureihen versprochen.

Autobranchen-Experten halten diesen Produktionshochlauf für kaum machbar. Zwar hat sich Musk mit dem Ex-Audi-Manager Peter Hochholdinger einen branchenweit anerkannten Produktionsexperten an Bord geholt. Doch dieser muss nicht nur die Massenfertigung an in den Griff bekommen - er muss auch darauf achten, dass die Qualität gleichbleibend hoch ist.

Die bisherigen Tesla-Käufer gaben hohe fünfstellige oder sechsstellige Beträge für ihre Fahrzeuge aus. Kleine Kinderkrankheiten ihrer Elektro-Boliden konnten sie leichter wegstecken, weil viele von ihnen noch ein zweites Fahrzeug in der Garage stehen hatten. Beim Model 3, das auf den Massenmarkt zielt, dürfte das anders sein, warnen Fachleute. Sollte die Qualität der Fahrzeuge und vor allem der Service für fehlerhafte Autos nicht passen, könnte Tesla schnell ein Image-Problem bekommen - und seine Absatzziele verfehlen.

Wie gut ist Tesla auf die Massen-Fertigung vorbereitet?

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Die Kalifornier investieren nicht nur in die Erweiterung ihres bislang einzigen Werks in Fremont. Sie haben auch vor kurzem angekündigt, die Zahl ihrer Supercharger-Ladestationen noch in diesem Jahr verdoppeln zu wollen. Ende des Jahres sollen weltweit 10.000 Supercharger-Ladepunkte und 15.000 Schnellade-Möglichkeiten etwa in Hotels zur Verfügung stehen. Für seine Service-Teams sucht Tesla dringend Verstärkung.

Und noch in diesem Jahr will Tesla bekannt geben, an welchen Orten der Autohersteller weitere "Gigafactory"-Batteriefabriken hochziehen wird. Kürzlich bestätigte Musk, dass er gleich vier weitere solcher Riesenwerke plant. Eine davon soll in Europa stehen, der Standort-Wettlauf ist längst entbrannt. In den Gigafactories will Tesla künftig nicht nur Batteriezellen und Akku-Packs, sondern gleich ganze Autos fertigen.

Doch wie Tesla das finanzieren will und wie groß die Werke wirklich ausfallen, ist noch völlig unklar. Sicher ist nur: Alleine mit einer Fabrik kann Tesla seine hochfliegenden Pläne kaum verwirklichen. Denn bereits 2020 will Musk jährlich eine Million Elektroautos fertigen. Dafür ist das großzügig ausgelegte Werk in Fremont, eine ehemalige Toyota-Autofabrik, zu klein.

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Das Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg gilt als eine der größten Autofabriken weltweit - und kam im vergangenen Jahr auf 809.000 produzierte Fahrzeuge. Allerdings ist die Riesen-Fabrik über Jahrzehnte gewachsen. Moderne Autowerke produzieren selten mehr als 500.000 Fahrzeuge pro Jahr - und brauchen mehrere Jahre, bis sie auf den vollen Output kommen. Musk muss sich also schnell entscheiden - und noch schneller die Werke aufbauen - wenn er seine selbst gesteckten Ziele verwirklichen will.

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