Tesla Model 3 - Elon Musk erläutert irdische Probleme Deutsche Tochter soll Tesla aus der Produktionshölle führen

Tesla Model 3: Elektroautos vor der Tesla-Fabrik in Fremont

Tesla Model 3: Elektroautos vor der Tesla-Fabrik in Fremont

Foto: Reuters Staff/ REUTERS
Fotostrecke

Preis, Reichweite, Spurtstärke...: Wie einzigartig ist Teslas Model 3 wirklich?

Foto: Eugene Garcia/ picture alliance / dpa

Einen Tag nach dem geglückten Start seiner Riesen-Weltraumrakete hatte Elon Musk eine weit weniger glamouröse Aufgabe vor sich: Er beantwortete Analystenfragen zur Zukunft seines Elektroauto-Unternehmens Tesla Motors. Hohe Kosten für den neuen Mittelklassewagen Model 3 brockten Tesla den bislang höchsten Quartalsverlust ein.

Doch Musk gab sich in der Telefonkonferenz mit Analysten zuversichtlich, die Produktionsprobleme seines Mittelklasse-Elektroautos Model 3 in Kürze in den Griff zu bekommen. So hielt Musk am Anfang Januar revidierten Produktionsziel fest und versprach, dass spätestens bis Ende Juni jede Woche 5000 Model 3 vom Band rollen.

Bereits Ende des ersten Quartals sollen wöchentlich 2500 Model 3 vom Band laufen. Für Tesla (Kurswerte anzeigen) ist der Erfolg des in den USA ab 35 000 Dollar erhältlichen Elektroautos extrem wichtig. Die Firma hat massiv Geld in das Model 3 investiert, mit dem der Sprung von der Luxus-Nische in den Massenmarkt gelingen soll.

Auf Nachfrage erläuterte Musk und Tesla-Technikchef Jeffrey Straubel den Analysten ziemlich detailliert, womit Tesla derzeit am meisten zu kämpfen hat - und wer die Probleme nun lösen soll. Das zeigt ein Transkript der Telefonkonferenz von SeekingAlpha .

Probleme bei der Batterieproduktion

Nach wie vor kämpft Tesla mit Problemen bei der Batterieproduktion, gab Musk zu. Es gebe vier Zonen bei der Batterieproduktion, bei zweien davon habe Tesla das Produktionssystem an Sublieferanten vergeben. Doch die gelieferten Systeme hätten einfach nicht funktioniert. Deshalb müsse Tesla nun in einem Drittel bis der Hälfte der dafür üblichen Zeit, also in sechs bis neun Monaten, ein neues System aufbauen. Laut Musk habe Tesla nun ein Design für ein neues automatisiertes Produktionssystem in zwei Zonen, das kurz vor der Fertigstellung stehe.

Tesla wartet auf eine große Sendung aus Deutschland

Fotostrecke

Die Tesla-Fighter der Autokonzerne in Genf: Strom-Schläger: Diese Modelle sollen Tesla (bald) Paroli bieten

Foto: BMW

Entworfen hat dieses Produktionssystem Teslas im November 2016 zugekaufte deutsche Tochter Grohmann. Es sei ein "exzellentes Design", sagte Musk. Die neuen automatisierten Produktionslinien seien bereits in Deutschland aufgebaut und funktionierten bereits. Nun müssen sie noch zerlegt, zur Gigafactory in Nevada transportiert und dort wieder aufgebaut werden.

Musk erwartet, dass die von Grohmann entworfenen Produktionssysteme im März dieses Jahres in der Gigafactory ankommen. Und diese sollen dann deutlich effizienter sein als die bisher eingesetzten.

"Wir erwarten, dass eine einzige Tesla Grohmann-Produktionslinie etwa drei, vielleicht sogar vier der aktuell eingesetzten Linien entspricht", sagte Musk laut Transkript .

Tesla mit Astronauten-Puppe "Starman": Elon Musk hat einen Tesla ins All geschossen. Nun muss er sich wieder mit irdischen Problemen beschäftigen - und hofft auf Hilfe von Grohmann

Tesla mit Astronauten-Puppe "Starman": Elon Musk hat einen Tesla ins All geschossen. Nun muss er sich wieder mit irdischen Problemen beschäftigen - und hofft auf Hilfe von Grohmann

Foto: Uncredited/ dpa

Bis das alles läuft, behilft sich Tesla mit halbautomatischen Fertigungslösungen in den beiden Problem-Zonen der Batterieproduktion. Dabei transportieren Menschen Material zwischen kleinen, automatisierten Stationen hin und her. Das sei "erstaunlich effektiv", erklärte Musk, der eigentlich einst von einer" Armee von Industrierobotern" für die Model 3-Fertigung ausgegangen war. Diese halbautomatische Fertigung übertreffe aktuell die automatischen Linien.

Laut Technikchef Straubel werden diese halbautomatisierte Produktion bei der Batteriefertigung nun deutlich ausgebaut. "Das schließt effektiv die Lücke, während wir unsere vollautomatisierten Linien umgestalten", so Straubel.

Musk sieht im Tesla-Produktionssystem langfristigen Wettbewerbsvorteil

Fotostrecke

Luxus-Elektroautos made in China: So sehen die chinesischen Tesla-Fighter aus

Foto: Lucid Motors

Noch einen zweiten Engpass hat Tesla für das Hochfahren der Model 3-Produktion ausgemacht: Die Materialbeförderung in der Autofabrik in Fremont müsse schneller werden, da müsse die Software für das Teilebeförderungssystem angepasst werden. Das laufe "nach Plan", erklärte Musk.

Die Behebung dieser Engpässe soll die Produktionsrate im weiteren Verlauf des ersten sowie im zweiten Quartal erheblich steigern, erklärte Musk. Ziel sei es, Ende März wöchentlich 2500 Model 3-Fahrzeuge herzustellen, am Ende des zweiten Quartals sollen es 5000 Fahrzeuge pro Woche sein. Das sei nur eine Frage der Zeit. "Die Fehlerbalken beim Timing sind wirklich relativ klein im großen Schema der Dinge," drückte es Musk aus.

Den Wegfall seiner "Produktionshölle" beim Model 3-Anlauf, wie er es einst ausdrückte, will Musk langfristig in einen Vorteil ummünzen. "Teslas Wettbewerbsstärke wird langfristig nicht das Auto sein, sondern die Fabrik", meinte er an einer Stelle. Er wolle seine Fabrik "produktifizieren", wie er es ausdrückte - also Teslas Produktionssystem anderen zur Verfügung zu stellen, etwa in Form einer Lizenzvergabe oder als Verkauf des Komplettsystems.

Hyperloop für Autositze?

Zudem will die Fahrzeugproduktion noch deutlich schneller machen. Die traditionellen Autohersteller seine zwar ziemlich gut in der Herstellung von Autos. Doch sie bemerkten nicht, wie viel Verbesserungspotenzial es bei der Produktion noch gebe, meinte Musk gegenüber den Analysten.

Für einen schnelleren und effizienteren Warentransport will Musk dabei auch auf sein unterirdisches Hyperloop-Transportsystem setzen. Tesla prüft laut Musk den Bau von Tunneln, etwa zwischen seiner Autofabrik in Fremont und dem Ort, wo die Sitze hergestellt werden. Derzeit werden die Sitze von Lkws transportiert, die Entfernung betrage vielleicht eine halbe Meile oder Meile. Einfacher wäre es, dafür einen Tunnel mit einem automatisierten Transportsystem zu haben.

An Ideenmangel litt Elon Musk ja noch nie.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.