Eine Milliarde Dollar in drei Monaten Tesla verzehnfacht seinen Gewinn

Der Elektroautobauer Tesla hat im zweiten Quartal so viele Autos gebaut wie noch nie – und einen Rekordgewinn eingefahren. Einige Zahlen dürften Kritiker besänftigen, doch Elon Musk muss bei E-Lkw erneut zurückstecken. Dafür beschleunigt er den Supercharger-Ausbau.
Platz für Wachstum: Tesla-Ladesäulen in China

Platz für Wachstum: Tesla-Ladesäulen in China

Foto: Thomas Peter / REUTERS

Die Analysten waren schon optimistisch, nun sind die Ergebnisse sogar noch besser: Der Elektroautohersteller Tesla hat im vergangenen Quartal erstmals mehr als eine Milliarde Dollar verdient. Von April bis Juni verbuchte das Unternehmen von Elon Musk (50) einen Überschuss von 1,1 Milliarden Dollar (0,8 Milliarden Euro), das war zehnmal so viel wie im Vorjahr. Das gab Tesla am Montag nach US-Börsenschluss bekannt. 

Das Unternehmen stellte trotz des weltweiten Chipmangels und Engpässen bei Rohstoffen nach eigenen Angaben mehr als 200.000 Autos her, so viele wie seit Firmengründung 2003 noch nie in einem Quartal. Im vergangenen Frühjahr waren es noch etwa 80.000 Fahrzeuge gewesen. Der Umsatz lag bei knapp zwölf Milliarden Dollar, das war fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum – und deutlich mehr als Analysten vorhergesagt hatten.

Die Hoffnungen auf weiter so rasantes Wachstum bremste Tesla allerdings. Grund ist die Chipkrise, die derzeit vielen Autobauern zu schaffen macht. Die Versorgung mit Bauteilen werde das Wachstum der Auslieferungen im Restjahr stark beeinflussen, erklärte das Unternehmen.

Sattelschlepper Semi verspätet sich

Obwohl Musk bei seinen ehrgeizigen Zeitplänen zuletzt mehrfach Rückschläge hinnehmen musste, gab sich Tesla optimistisch: Bei den neuen Werken in Grünheide bei Berlin sowie in Texas liege man im Plan, um in diesem Jahr die ersten Model Y zu fertigen, hieß es. Eigentlich wollte Musk schon in diesem Sommer in Grünheide die Produktion aufnehmen. Doch es gab immer wieder Probleme – zuletzt etwa mit dem Bau der Gas- und Stromversorgung, für die keine ausdrückliche Genehmigung vorlag.

In Texas sollen neben dem Model Y der Elektro-Pick-up Cybertruck und der Sattelschlepper Semi gebaut werden. Bei Letzterem musste Tesla nun einen Rückschlag verkünden. Die Auslieferung werde erst 2022 beginnen, hieß es. Im April hatte das Unternehmen noch erklärt, dass die ersten Semi-Sattelschlepper noch Ende dieses Jahres ausgeliefert werden sollen. Anfang Juni verließ dann der für Elektro-Nutzfahrzeuge zuständige Manager Jérôme Guillen (49) das Unternehmen.

Supercharger-Infrastruktur soll mit Öffnung schneller wachsen

Aufs Tempo drückt Musk beim Ausbau des Ladesäulen-Netzes. Vor kurzem hatte Tesla bekannt gegeben, das in Eigenregie aufgebaute Netz an "Supercharger"-Schnelladesäulen noch in diesem Jahr auch für Fahrer anderer Elektroautomarken freizugeben. Bislang konnten an den Säulen ausschließlich Tesla-Fahrer Strom zapfen. Die Öffnung ergebe allerdings nur Sinn, wenn das Netz schneller wachsen als die Tesla-Fahrzeugproduktion, erklärte Musk in einem Gespräch mit Analysten. Das werde eine Menge Arbeit.

In dem Gespräch nach Bekanntgabe der Quartalszahlen erläuterte Musk auch erste Details zur Öffnung der Ladesäulen. Die Freischaltung soll mithilfe der Tesla-App erfolgen, im Prinzip werde das bei fast allen Autos anderer Hersteller funktionieren. In China und Europa verwende man an den Superchargern bereits jetzt genormte Stecker, die auch auf die Fabrikate anderer Hersteller passen. In den USA, wo Tesla selbst entwickelte Stecker eingebaut hat, werde man Adapter anbieten. Den könnten Nicht-Tesla-Fahrer kaufen oder an den Supercharger-Ladestationen ausleihen.

Musk kündigte bei den Ladestationen zudem Zeitbeschränkungen an. Die Abrechnung werde je Kilowattstunde erfolgen, die Preise würden aber je nach Tageszeit variieren, sagte er. Zu besonders gefragten "Rush Hour"-Zeiten werde das Laden teurer sein als zu weniger gefragten Zeiten.

354 Millionen Dollar Gewinn aus Abgaszertifikaten

Erstmals hat Tesla im vergangenen Quartal auch abseits des für ihn äußerst lukrativen Handels mit CO2-Zertifikaten Gewinne gemacht. Der Elektroautopionier profitierte zwar abermals stark vom Handel mit Abgaszertifikaten, die andere Autobauer benötigen, um ihre Emissionsbilanz aufzubessern und so gesetzliche Vorgaben zu erfüllen – allerdings geht die Bedeutung des Geschäftsmodells zurück.

Bisher war Teslas Nettogewinn immer niedriger gewesen als das Einkommen aus dem Verkauf der CO2-Zertifikate, das Tesla quasi ohne Kosten fast vollständig als Gewinn verbuchen kann. Im ersten Quartal spülten die CO2-Zertifikate etwa 518 Millionen Dollar in Teslas Kassen, am Ende verbuchte das Unternehmen einen Gewinn von 438 Millionen Euro. Den hohen Anteil dieser Geschäfte hatten Kritiker immer als Hinweis darauf interpretiert, dass Tesla mit dem Verkauf seiner Elektroautos eigentlich kein Geld verdient. Das hat sich nun geändert. 354 Millionen Dollar erlöste Tesla im zweiten Quartal mit CO2-Zertifikaten – deutlich weniger als die mehr als eine Milliarde Dollar Gewinn.

23 Millionen Dollar Abschreibung auf Bitcoin

Eine der großen Fragen im Vorfeld der Quartalszahlen war die nach den Auswirkungen von Musks Bitcoin-Abenteuern auf Tesla. Das Unternehmen hatte im Februar eine Investition von 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin bekannt gegeben. In den folgenden Wochen war spekuliert worden, welche Folgen der vergleichsweise volatile Bitcoin-Kurs für den Autobauer haben würde.

Die Kursschwankungen wurden auch von Tesla-Chef Musk selbst angeheizt, der Bitcoin zunächst als Zahlungsmittel für E-Autos akzeptierte, dann aber unter Hinweis auf den Energieverbrauch für die Herstellung zurückruderte. Vergangene Woche vollzog er eine erneute Kehrtwende: Sein Konzern werde die Cyber-Devise "sehr wahrscheinlich" wieder akzeptieren. Die Antwort auf die Frage nach den Auswirkungen findet sich nun in den Quartalszahlen: Der US-Konzern verbuchte eine Abschreibung von 23 Millionen Dollar im Zusammenhang mit seinen Bitcoin-Beständen.

oho/dpa/rtr