Freitag, 21. Februar 2020

Kursrutsch Bei Tesla beginnt erneut das Zittern

Mehr Tempo, mehr Schulden: Tesla-Chef Elon Musk beschleunigt das Produktionstempo und braucht frisches Kapital. Nach dem jüngsten Höhenflug der Aktie gehen Aktionäre erst einmal in Deckung

Hohe Verluste, eine wahrscheinliche Kapitalerhöhung und der Abgang zweier Top-Leute: Nach dem Jubel um das Model 3 gab es für Tesla-Aktionäre diesmal härtere Kost. Die Aktie steht und fällt mit den Worten ihres ehrgeizigen Gründers.

Aktionäre des US-Autobauers Tesla Börsen-Chart zeigen wissen, wie sich eine Achterbahnfahrt anfühlt: Es gibt kaum eine Aktie im US-Technologieindex Nasdaq 100, die so stark schwankt wie das Papier des Elektroautobauers aus Kalifornien. Allein in den vergangenen 10 Monaten schwankte das Papier zwischen 285 und 142 US-Dollar - wer im Juli 2015 kaufte, konnte sein Investment binnen 6 Monaten glatt halbieren, während diejenigen, die Mitte Februar einstiegen, binnen 2 Monaten rund 70 Prozent Gewinn einstreichen konnten.

Und nun geht es seit Ende April wieder abwärts: Binnen 5 Handelstagen hat die Aktie von Tesla 15 Prozent ihres Wertes eingebüßt. Die Wall Street sorgt sich - mal wieder - um einen seiner Lieblinge.

Alles kein Problem? Der Wert von Tesla steht und fällt mit den immer wilderen Versprechen des genialen Verkäufers und Elektro-Auto Visionärs Elon Musk - und der Bereitschaft der Aktionäre, diesen Versprechen zu vertrauen. Drei Beispiele:

••• Anfang Februar hatte Tesla für das vierte Quartal 2015 den elften Quartalsverlust in Folge bekannt geben müssen. Die Zahlen fielen schlechter aus als von Analysten erwartet. Gleichzeitig versprach Musk jedoch den Aktionären, im Jahr 2016 bis zu 90.000 Autos der Modellreihen Model S und Model X auszuliefern, deutlich mehr als ursprünglich geplant. Die Aktie stieg trotz des mauen Zahlenwerks daraufhin um mehr als 10 Prozent.

•• Ende März stellte Musk dann den Prototyp des Model 3 vor - ein mit 35.000 US-Dollar vergleichsweise günstiges Elektroauto, mit dem Tesla den Massenmarkt erschließen will. "Eine Million Tesla im Jahr 2020 - 2 Millionen Tesla im Jahr 2025" - mit diesen Versprechen begeisterte Musk seine Aktionäre und sorgte für ein Schockerlebnis bei der deutschen Konkurrenz - obwohl das Model 3 erst Ende 2017 auf den Markt kommen soll. Die Aktie stieg binnen drei Tagen um weitere 10 Prozent auf 265 US-Dollar.

••• Anfang Mai dann neue Tesla-Zahlen: Das erste Quartal 2016 schloss Tesla zwar mit einem etwas geringeren Verlust als befürchtet, der Fehlbetrag stieg im Jahresvergleich aber dennoch um rund 90 Prozent auf rund 285 Millionen Dollar. Und Musk verkündete erneut ehrgeizige, kostspielige Pläne: Die Produktion des Model 3 soll schneller hochgefahren werden, dafür will Tesla im laufenden Jahr rund 50 Prozent mehr investieren als zunächst geplant. "Ein Ausbau der Produktion auf das Fünffache in den nächsten zwei Jahren wird herausfordernd und wahrscheinlich zusätzliches Kapital verschlingen. Aber das ist unser Ziel", sagte der Tesla-Chef.

500.000 Elektroautos bereits 2018 - dafür braucht Tesla noch mehr Geld

Schon 2018 - zwei Jahre früher als angekündigt - soll Teslas Kapazität auf 500.000 Elektroautos jährlich hochgeschraubt werden. Auch diesmal nahmen die Aktionäre die Ankündigungen des Tesla-Chefs ernst - und realisierten, dass dieser rasche Produktionsausbau teuer wird. Tesla wird wohl neue Aktien ausgeben und noch mehr Schulden machen, um die ehrgeizigen Pläne zu finanzieren. Die Hoffnung, dass Tesla mit einem Gewinn im Schlussquartal 2016 erneut die Wall Street begeistern wird, ist damit deutlich gesunken.

Neue Aktien, mehr Schulden, wahrscheinlich kein Quartalsgewinn in diesem Jahr - mit dieser schweren Kost hat Tesla seinen Aktionären zunächst einmal den Appetit verdorben. Zumal das Unternehmen sich zwar ehrgeizige Produktionsziele setzte, gleichzeitig aber bekannt wurde, dass die beiden für die Produktion zuständigen Top-Manager Greg Reichow und Josh Ensign das Unternehmen verlassen werden. Nun beginnt wieder einmal eine Zitterphase unter Tesla-Aktionären: Seit Ende April ist die Aktie wieder um mehr als 15 Prozent gefallen und droht unter die Marke von 200 US-Dollar zu fallen.

Tesla-Aktionäre, die schon länger dabei sind, kann solch ein Rücksetzer jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Wer bereits vor 3 Jahren, im Mai 2013, der ehrgeizigen Wachstums-Story Elon Musks vertraute und Tesla-Aktien für 55 US-Dollar kaufte, hat seinen Einsatz bislang etwa vervierfacht.

Entscheidend wird sein, ob die "schwachen Hände" und Gewinnmitnahmen bei Tesla Börsen-Chart zeigen in den kommenden Monaten für eine ähnliche Abwärtsdynamik sorgen werden wie beim Ex-Börsenliebling Apple Börsen-Chart zeigen - und entscheidend wird auch sein, welche Geschichte Musk Anfang August, bei Bekanntgabe der nächsten Zahlen, seinen Aktionären erzählt.

Model 3 für Ende 2017 geplant

Hintergrund für die Ausweitung der Produktion ist die starke Nachfrage nach dem Model 3, für den binnen weniger Wochen rund 400.000 Vorbestellungen eingingen. Beim aktuellen Produktionstempo müssten Kunden Jahre auf ihr Auto warten. Im vergangenen Jahr lieferte Tesla erst gut 50.000 Autos aus.

Das 35.000 Dollar teure Model 3 soll Ende 2017 auf den Markt kommen. Bisher gelang es Tesla bei keinem seiner Modelle, den Zeitplan zu halten. Der SUV Model X kam mit mehr als einem Jahr Verspätung, seine Produktion lief auch zuletzt noch zu langsam an, wie Tesla einräumte. Musk geht dennoch davon aus, dass im zweiten Halbjahr 2017 etwa 100.000 bis 200.000 Fahrzeuge des Model 3 gebaut werden.

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