Tesla-Lieferant plant Milliarden-IPO Batteriezellenbauer LG Energy vor Rekordbörsengang in Seoul

Elektromobilität wird an den Weltbörsen seit Monaten heiß gehandelt. Ende Januar kommt eine neue Aktie dazu: Der weltweit zweitgrößte Batteriezellenhersteller LG Energy plant ein Rekord-IPO in Südkorea.
Messestand von LG Energy: Der koreanische Batteriezellenhersteller geht Ende Januar an die Börse

Messestand von LG Energy: Der koreanische Batteriezellenhersteller geht Ende Januar an die Börse

Foto: JUNG YEON-JE / AFP

Der 27. Januar 2022 wird sowohl für den Aktienmarkt in Südkorea als auch für die weltweite Elektroauto-Industrie ein bemerkenswertes Datum: An dem Tag will der südkoreanische Batteriezellenhersteller LG Energy Solution, eine Tochter von LG Chem, in Seoul an die Börse gehen. Die endgültige Preisspanne für das Handelsdebüt soll am kommenden Freitag bekannt gegeben werden. Doch schon jetzt ist klar: Es wird wohl der mit Abstand größte Börsengang, den Südkorea bislang erlebt hat.

Börsenunterlagen zufolge plant LG Chem die Ausgabe von insgesamt 42,5 Millionen Aktien, wovon 8,5 Millionen aus den Beständen des Konzerns stammen. 34 Millionen Papiere will das Unternehmen neu herausgeben, zu einem Preis von voraussichtlich 257.000 bis 300.000 südkoreanischen Won. Der Börsengang hätte damit ein Volumen von bis zu 12,8 Billionen Won oder 10,8 Milliarden Dollar und würde alle vergleichbaren Transaktionen an Südkoreas Börse bisher bei Weitem in den Schatten stellen.

Zum Vergleich: Den bisherigen Rekord hält der Versicherer Samsung Life Insurance, der 2010 am Aktienmarkt in Seoul startete. Samsung Life nahm bei seinem IPO seinerzeit 4,9 Billionen Won ein.

Die Nachfrage nach den Aktien ist offenbar bereits groß. Wie die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf informierte Quellen in dieser Woche berichtet, sollen institutionelle Investoren bereits Gebote im Volumen von 80 Milliarden Dollar für die LG-Energy-Papiere abgegeben haben. Das sei mehr als das 13-Fache des Aktienpakets von sechs Millionen Dollar, das für diese Anlegergruppe vorgesehen sei, so Reuters .

Gut möglich also, dass der Ausgabepreis für die Papiere am oberen Ende der Preisspanne festgelegt wird. LG Energy Solution kommt dann auf einen Börsenwert von umgerechnet rund 59 Milliarden Dollar. Der Batteriezellenhersteller, zu dessen Kunden Autokonzerne wie Tesla, General Motors, Hyundai und Volkswagen gehören, wird also wohl vom Start weg das am dritthöchsten bewertete Unternehmen des Landes - hinter dem Elektronikriesen Samsung und dem Chiphersteller SK Hynix, aber vor der Mutter LG Chem.

LG Energy dokumentiert damit auch seine Rolle als zweitgrößter Zellenanbieter der Welt. Die südkoreanischen Konkurrenten Samsung SDI Co. und SK Innovation Co. etwa werden an der Börse gegenwärtig mit umgerechnet rund 40 Milliarden Dollar beziehungsweise rund 16 Milliarden Dollar bewertet.

Chinas Nummer eins Contemporary Amperex Technology Ltd (besser bekannt als CATL ) liegt als Weltmarktführer mit einem Börsenwert von knapp 200 Milliarden Dollar zwar noch weit vorne. Allein im vergangenen Jahr legte die CATL-Aktie um rund 67 Prozent zu, bevor sie in den letzten Wochen einen Rücksetzer erlitt. Beobachter vermuten jedoch mitunter Kalkül hinter dem vergleichsweise bescheidenen Börsenstart von LG Energy. Das Unternehmen sei beim Börsengang zu günstig bewertet, meint etwa Branchenanalyst Rho Woo-ho von Meritz Securities.

Pokert LG Energy beim Ausgabepreis?

Die anvisierten Produktionskapazitäten beider Unternehmen für das Jahr 2025 seien identisch, so der Experte laut Nachrichtenagentur Reuters . Rhos Vermutung: LG Energy habe bewusst einen niedrigen Preis gewählt, um zunächst gut vom Markt aufgenommen zu werden. Zudem behalte die Mutter LG Chem 80 Prozent der Anteile, was zu einem engen Markt für die Papiere führen werde, in dem die Nachfrage den Preis rasch nach oben treiben könnte.

So oder so zeigt der Börsengang, wie hoch die Elektromobilität bei Investoren weiterhin im Kurs steht. Sowohl Autohersteller als auch Zulieferer in diesem Bereich werden am Aktienmarkt seit Monaten gehypt. Ein Grund: Marktbeobachter prognostizieren der Branche auch künftig starkes Wachstum. Der Verkauf von Elektroautos, 2021 von Analysten auf gut vier Millionen Fahrzeuge geschätzt, dürfte sich bis 2030 auf mehr als 31 Millionen Fahrzeuge vervielfachen, erwartet etwa die Unternehmensberatung Deloitte. Die Anzahl der verkauften Elektro-Pkw inklusive der Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge werde von rund sechs Millionen im Jahr 2021 auf rund 14 Millionen im Jahr 2025 steigen, erwartet die Agentur BloombergNEF .

Ein expandierender Markt also, an dem LG Energy kräftig mitverdienen will. "Mit dem Börsengang antworten wir auf die wachsende Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien", sagte LG-Energy-CEO Kwon Young Soo jüngst. Das Unternehmen werde die Erlöse aus dem Aktienverkauf verwenden, um Investitionen zu stemmen, Schulden abzutragen und Betriebsmittel zu finanzieren, zitiert das "Wall Street Journal" aus IPO-Unterlagen .

LG Energy will Weltmarktführer werden

Gegenüber der Konkurrenz befindet sich LG Energy zudem bereits im Angriffsmodus. Man werde den chinesischen Hauptrivalen CATL gemessen am Marktanteil wegen der breiter aufgestellten Kundschaft hinter sich lassen, tönte Firmenchef Kwon Young Soo Anfang dieser Woche.

Das könnte allerdings schwierig werden. CATL agiert auf dem wichtigsten Automarkt China als Platzhirsch und wird von der politischen Führung in Peking zuverlässig gestützt. Zahlen der Researchfirma Bernstein zeigen, wie es den Chinesen in dieser Konstellation gelungen ist, den globalen Batteriemarkt aufzurollen. Demnach hatte noch 2019 der japanische Panasonic-Konzern als zentraler Zellenlieferant für Tesla die weltweite Marktführung inne, mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei folgten CATL und LG Energy. 2020 übernahm dann LG die Marktführung, mit einem Anteil von knapp 27 Prozent. Panasonic fiel auf gut 21 Prozent zurück, CATL folgte mit knapp 20 Prozent.

2021 jedoch drehten die Chinesen auf: Mit einem Marktanteil von mehr als 29 Prozent setzten sie sich klar an die Spitze. LG Energy (22,4 Prozent) und Panasonic (13,7 Prozent) bleiben nur die Plätze zwei und drei.

LG Energy beherrsche zwar die Technik und sei in der Lage, schnell große Stückzahlen zu produzieren, schreibt zudem ein Kommentator von Bloomberg . Geld indes verdienen die Koreaner erst seit Kurzem; die Investitionen in den Kapazitätsausbau fraßen noch 2020 die auf gut neun Milliarden Euro gestiegenen Einnahmen auf. In den ersten beiden Quartalen 2021 verbuchte das Unternehmen passend zum näher rückenden Börsengang einen soliden Gewinn.

Zum Börsengang setzt sich LG Energy allerdings neue Gewinnziele. So soll die operative Marge durch geringere Material- und Personalkosten in den zweistelligen Prozentbereich bugsiert werden. Zum Vergleich: Wettbewerber CATL kommt laut Bloomberg bereits auf eine Marge von 12 bis 15 Prozent.

Doch nicht alle Kosten lassen sich vorab präzise planen. Im vergangenen Jahr musste General Motors mehr als 100.000 Autos seines E-Modells Bolt zurückrufen, weil bei deren Batterien ein Brandrisiko entdeckt worden war. Die Stromzellen der Fahrzeuge stammten aus dem Hause LG Energy – der Konzern musste deshalb beinahe eine Milliarde Dollar für die Kostenrisiken aus dem Rückruf beiseitelegen.

Immerhin, man plant weiter langfristig in Südkorea: Das Unternehmen schloss einen Zehn-Jahres-Vertrag mit dem kanadischen Recyclingunternehmen Li-Cycle , um sich Rohstoffe für die künftige Produktion zu sichern. Ab 2023 soll Li-Cycle demnach 20.000 Tonnen Nickel, einen der wichtigsten Bestandteile vieler E-Auto-Akkus, an LG liefern. Im Gegenzug senden die Koreaner einen Teil ihrer Batterieabfälle zur Wiederverwertung nach Kanada. Bleibt abzuwarten, ob das im Kampf gegen die Batteriemacht aus China hilft.

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