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Teslas Gigafactory: Hier entsteht die größte Fabrik der Welt

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Warum Musk einen deutschen Maschinenbauer übernimmt Tesla will europäische "Gigafactory 2" mit deutscher Hilfe bauen

Als allzu eifriger Deutschland-Besucher fiel Tesla-Chef Elon Musk bislang nicht auf. Nun ist Musk überraschend zur Kurzvisite eingeflogen - gemeinsam mit seinem Technik-Chef JB Straubel. Doch statt der Besichtigung schicker Tesla-Stores in München oder Hamburg stand ein Ausflug in die Eifel an: Aus der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Prüm meldeten Musk und Straubel nun, dass sie den dort ansässigen Maschinenbauer Grohmann Engineering übernehmen.

Musks Weltverbesserungs-Ambitionen und ein pfälzischer Anlagenbauer, der sich auf hochautomatisierte Produktion spezialisiert: Wie genau soll das zusammenpassen? Das erläuterte Musk in einer Telefonkonferenz, wie die Financial Times (kostenpflichtig)  und der Fachblog Electrek  übereinstimmend berichten. Grohmann soll Tesla dabei helfen, seine Produktionskapazitäten in Europa aufzubauen. Ende 2017 bringt Tesla sein Model 3 auf den Markt, das mit einem Preis ab 35.000 Dollar auf hohe Stückzahlen kommen soll.

Dafür muss Tesla  sein Produktionstempo deutlich erhöhen. Im vergangenen Jahr stellte Tesla 55.000 Elektroautos in seinem kalifornischen Werk her, in diesem Jahr sollen es bereits zwischen 80.000 und 90.000 Fahrzeuge werden. Im Jahr 2018 will Tesla bereits auf 500.000 produzierte Fahrzeuge kommen.

Tesla muss also seine Produktionsanlagen im Rekordtempo ausbauen. Dabei soll nun deutsche Ingenieurskunst helfen. Vor wenigen Monaten hat Tesla einen hochrangigen Audi-Produktionsexperten abgeworben. Nun schlucken die Kalifornier gleich eine ganze Hundertschaft deutscher Ingenieure.

Weiter im Text geht's nach dem Video: Tesla Model 3 - Dieses Auto soll den Massenmarkt aufmischen

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Grohmann Engineering hatte 2015 knapp 800 Mitarbeiter und setzte 115 Millionen Euro um. Das geht aus dem Geschäftsbericht der Deutschen Beteiligungs AG  hervor, der seit 1996 ein Viertel an Grohmann gehört. Der pfälzische Maschinenbauer, der künftig Tesla Grohmann Automation heißen soll und weiterhin vom Gründer Klaus Grohmann geführt wird, ist ein Spezialist für hochautomatisierte Fertigung. Grohmann-Produktionsanlagen kommen etwa in der Halbleiterbranche und in der Bio- und Medizintechnik zum Einsatz - und noch in einem weiteren Feld, dass Musk besonders interessieren dürfte.

Welches Know-How Tesla bei Grohmann schätzt

Denn Grohmann Engineering "gilt als Technologieführer bei Produktionsanlagen für die industrielle Fertigung von Batteriezellen und -modulen", wie die Deutsche Beteiligungs AG schreibt. Der Grohmann-Website  lassen sich solche Basisinformationen nicht entnehmen - sie ist gerade "under construction".

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Teslas Gigafactory: Hier entsteht die größte Fabrik der Welt

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Grohmann Engineering dürfte also jene Anlagen liefern, auf denen Tesla-Partner Panasonic die Lithium-Ionen-Zellen in Teslas Riesen-Batteriefabrik namens Gigafactory herstellt. Und das Riesen-Werk in der Wüste von Nevada dürfte nicht die einzige bleiben, wie Musk laut dem Tesla-nahen Branchenportal Elektrek  in der Telefonkonferenz klarstellte. Seine höchste Priorität sei es nun, die Massenproduktion des Model 3 zu entwickeln. Danach will sich Musk darum kümmern, eine groß dimensionierte Batterie- und Autoproduktion in Europa hochzuziehen.

Musk will noch 2017 über Riesenfabrik in Europa entscheiden

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Elektromobilität: Deutsche Autobauer erhöhen das Tempo für ihre Tesla-Fighter

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Die Entscheidung über den Ort für diese "Gigafactory 2", wie er sie selbst nannte, soll noch 2017 fallen. Und sie wird deutlich anders aussehen als die Riesen-Batteriefabrik in der Wüste von Nevada. Denn Musk sprach in Prüm davon, dass er Autoproduktion und Batterieherstellung an einem Ort konzentrieren wolle - als "integrierte Gigafactory", wie er es selbst bezeichnete.

Damit verschärft Musk auch das europaweite Wettrennen um Batteriefabrik-Standorte. Denn Europas Autohersteller werden für ihre ehrgeizigen Elektroauto-Pläne wohl mehrere Batteriefabriken in Europa benötigen.

Tesla sei gerade dabei, seine Produktionsstrategie neu zu erfinden als "Maschine, die die Maschine baue", führte Musk laut Elektrek aus. Der Kauf des pfälzischen Automatisierungsspezialisten Grohmann soll beim Design dieser Über-Maschine helfen.

Tesla standardisiert seine Fabriken - wie ein traditioneller Hersteller

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Damit plant Tesla im Grunde etwas, was traditionelle Autohersteller schon lange tun: Die Standardisierung ihrer eigenen Werke. Denn Musk sprach auch davon, dass es in Europa langfristig "mindestens eine, und vielleicht auch zwei oder drei" solcher integrierten Gigafactories geben soll.

Der Unterschied zu Volkswagen  , Daimler  & Co: Die traditionellen Autohersteller lagern zunehmend Produktionsteile an Zulieferer aus, während Tesla offenbar den entgegengesetzten Weg geht. Eine Batteriefabrik mit angeschlossenem Autowerk hat jedenfalls keiner der etablierten Autohersteller im Programm - oder in Planung.

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