Rassismus-Vorwürfe in der Gigafabrik Kalifornien verklagt Tesla wegen Diskriminierung

Der Bundesstaat beruft sich auf hunderte Beschwerden von Mitarbeitern aus der Gigafabrik in Fremont und hat angeblich Beweise für rassistische Diskriminierung. Es ist nicht die erste Klage gegen Tesla.
Ort der Vorfälle: Im Tesla-Werk in Fremont sollen Mitarbeitende rassistisch diskriminiert worden sein

Ort der Vorfälle: Im Tesla-Werk in Fremont sollen Mitarbeitende rassistisch diskriminiert worden sein

Foto: Ben Margot / AP

Der US-Bundestaat Kalifornien hat den Elektroautobauer Tesla wegen angeblicher Diskriminierung und Belästigung schwarzer Mitarbeiter in seinem Werk in der San Francisco Bay Area verklagt. Die Klage, die am Mittwoch beim Alameda County Superior Court eingereicht wurde, sei durch Hunderte Beschwerden aus der Belegschaft ausgelöst, sagte Kevin Kish, Leiter der staatlichen Abteilung für faire Beschäftigung.

Die Behörde, die für die Durchsetzung der staatlichen Bürgerrechtsgesetze zuständig ist, hat seinen Angaben zufolge "Beweise dafür gefunden, dass die Tesla-Fabrik in Fremont ein nach Rassen getrennter Arbeitsplatz ist, an dem schwarze Arbeitnehmer rassistischen Beleidigungen ausgesetzt sind und bei der Zuweisung von Aufgaben, der Disziplinierung, der Bezahlung und der Beförderung diskriminiert werden, was zu einem feindseligen Arbeitsumfeld führt", sagte Kish in einer Erklärung, über die das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet hatten.

Einzelheiten der Klage wurden noch nicht veröffentlicht, und Tesla reagierte zunächst nicht auf die Klage, die der Konzern vor einigen Tagen bereits in seiner jährlichen Meldung an die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC angekündigt hatte. In einem Blogbeitrag  hatte Tesla die da noch bevorstehende Klage jedoch als irreführend bezeichnet und erklärt, die Behörde habe trotz dreijähriger Untersuchung "nie irgendwelche Bedenken" geäußert. Die Vorwürfe würden sich vor allem auf Vorfälle aus der Zeit von 2015 bis 2019 gründen; das Unternehmen werde bitten, das Verfahren auszusetzen.

Die Klage dürfte auch die Spannungen zwischen Tesla-Chef Elon Musk (50) und dem Staat Kalifornien neu aufflammen lassen. Musk fühlte sich wiederholt von der Politik gegängelt. Im vergangenen Jahr hatte er den Umzug der Firmenzentrale aus Kalifornien in den benachbarten US-Bundesstaat Texas angekündigt, wo er auch persönlich hingezogen ist. Tesla sei der letzte Autobauer in Kalifornien. Sogar einen Abzug der Produktion und damit der Industriearbeitsplätze hatte er ins Gespräch gebracht. Er sei davon abhängig, "wie Tesla in der Zukunft behandelt wird".

Rund um die Gigafabrik in Fremont hat es immer wieder Diskriminierungsvorwürfe gegeben. 2017 hatte der frühere Mitarbeiter Marcus Vaughn eine Sammelklage eingereicht, weil das Unternehmen mehreren angeblichen Fällen von rassistischer Diskriminierung und Beschimpfungen nicht nachgegangen sei.

Im Oktober vergangenen Jahres sprach ein Geschworenengericht in San Francisco dem schwarzen Vertragsarbeiter Owen Diaz fast 137 Millionen Dollar zu, weil er nach eigenen Angaben in den Jahren 2015 und 2016 im Werk "täglich rassistische Beschimpfungen", darunter das "N-Wort", ertragen musste. Tesla-Mitarbeiter hätten Hakenkreuze gezeichnet und rassistische Graffiti und Zeichnungen im Werk hinterlassen – und die Vorgesetzten hätten das nicht unterbunden, so Diaz. Die Summe war anschließend als höchste Entschädigung in einem Diskriminierungsfall gegen ein US-Unternehmen bezeichnet worden. Tesla bestreitet von den rassistischen Handlungen gewusst zu haben und hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Und Ende 2021 gingen mehrere Frauen an die Öffentlichkeit, die ebenfalls in der Gigafrabrik Fremont Vorfälle von Diskriminierung anprangern.

Tesla hatte auch in Reaktion auf die Vorwürfe im Dezember 2020 einen ersten Diversity-Report veröffentlicht. Daraus ging hervor, dass damals 10 Prozent der US-Belegschaft schwarz oder afroamerikanisch waren. Auf der Ebene der Direktoren waren es nur 4 Prozent. Der Anteil hispanischer und lateinamerikanischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betrug 22 Prozent, auf der höheren Managementebene 4 Prozent. Mitarbeitende mit asiatischen Wurzeln machten 21 Prozent aus. Erst vor wenigen Wochen hatte mit Valerie Capers Workman die oberste Personalverantwortliche das Unternehmen verlassen, die sich stark für Anti-Diskriminierung eingesetzt hatte.

lhy/AP