Freitag, 6. Dezember 2019

Tesla nutzt Schlupfloch Warum der Staat jetzt auch 150.000-Euro-Elektroautos subventioniert

Tesla Model S: Förderfähig dank abgespeckter Basisversion
Tesla Motors
Tesla Model S: Förderfähig dank abgespeckter Basisversion

Als Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) im Frühjahr die Elektroauto-Kaufprämie ankündigte, waren ausgerechnet die Leute von Tesla sauer. Das Programm sei "offensichtlich gegen Tesla gerichtet" wetterten sie in einem Blog-Eintrag. Der Grund: Fahrzeuge mit einem Listenpreis von mehr als 60.000 Euro (netto) sind von der Förderung ausgenommen. Es handele sich um ein "willkürliches Preislimit", schimpfte Tesla.

Mit der Obergrenze wollte die Bundesregierung vermeiden, dass auch wohlhabende Käufer von Luxuslimousinen wie des Tesla Model S die 2000 Euro Staatszuschuss abgreifen (weitere 2000 Euro sollen die Hersteller als Rabatt gewähren). Auch Modelle von Porsche sind betroffen.

Doch nun hat Tesla ein Schlupfloch in der Gesetzgebung genutzt, das die Subventionierung seiner Fahrzeuge doch noch möglich macht. Das Unternehmen hat die Einstiegsversion seines Model S auf raffinierte Weise dermaßen abgespeckt, dass sie nur noch gut 58.000 Euro netto kostet. Das entspricht einer Preissenkung um etwa 7000 Euro.

Teslas Basismodell-Trick: Wie der Steuerzahler Luxusautos subventioniert

Dafür bekommt der Käufer ein Auto, das sich im Grunde kaum vom bisherigen Basismodell unterscheidet - nur dass einige Funktionen nicht verfügbar sind. Wer allerdings ein "Komfort-Paket" für 5200 Euro hinzubucht, bekommt Zubehör, das zuvor Standard war: Navigationssystem, Rückfahrkamera und elektrisch ausklappbare Außenspiegel beispielsweise.

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Foto: Tesla

Sogar die Motorleistung ist ohne Komfort-Paket gedrosselt. Die Leistungssteigerung um 20 Prozent als Zubehör dürfte einer der wichtigsten Anreize für Kunden sein, tatsächlich deutlich mehr Geld als den offiziellen Einstiegspreis zu bezahlen. Ein späteres Upgrade ist auch für die Batterie möglich - diese kann für etwa 10.000 Euro von 60 auf 75 Kilowattstunden freigeschaltet werden.

Doch Teslas Asketen-Einstiegsmodell ist vor allem deshalb ein Coup, weil sich dank ihm sämtliche Versionen des Model S für die Kaufprämie qualifizieren. Selbst die 150.000-Euro-Variante mit 100-Kilowattstunden-Batterie, die von 0 auf Hundert in unter drei Sekunden beschleunigt, wird jetzt staatlich gefördert. Das entscheidende Kriterium des zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hält Tesla ein: "Der Netto-Listenpreis des Basismodells darf 60.000 Euro nicht überschreiten."

Behörde bestätigt: Auch die teuersten Teslas werden jetzt gefördert

Auf Nachfrage bestätigt die Behörde, dass gemäß der einschlägigen Richtlinie nun auch die teuersten Teslas gefördert werden: "Demnach ist es möglich, Ausstattungsvarianten zu fördern, die über das Basismodell hinausgehen", teilte ein Bafa-Sprecher gegenüber manager-magazin.de mit. "Solange das Basismodell, welches auch so vom Endkunden erworben werden kann, einen Nettolistenpreis von maximal 60.000 Euro hat, sind die Anforderungen an die Förderfähigkeit des Elektrofahrzeuges nach der Richtlinie erfüllt."

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Aus Sicht von Tesla Börsen-Chart zeigen ist es sowieso nur recht und billig, dass die Elektroauto-Kaufprämie für alle derartigen Fahrzeuge gilt. "Ein Model S ersetzt in der Regel keinen Kleinwagen sondern einen wirklich schlimmen Verbrenner", sagte eine Tesla-Sprecherin gegenüber manager-magazin.de. Tesla sei dabei, "erhebliche Investitionen zu tätigen, um Elektrofahrzeuge einer stark wachsenden und breiten Käuferschicht zugänglich zu machen", teilte das Unternehmen schon im Frühjahr mit.

Damit spielte sie auf den 2017 oder 2018 bevorstehenden Marktstart des kleineren Model 3, das in den USA ab 35.000 Dollar zu haben sein soll. Dieses Auto wird sich für die deutsche Kaufprämie ohne Tricksereien qualifizieren.

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