Deutschlands größter Elektroauto-Verleiher packt aus "Tesla steckt in der Servicehölle"

Immer wieder tauchen Klagen über die Qualität des neuen Tesla Model 3 und schlechten Service auf. Jetzt berichtet Deutschlands größter Elektroauto-Verleiher von teils hanebüchenen Problemen. Tesla dementiert.
Stefan Moeller, Mitgründer und Geschäftsführer von Nextmove, die nach eigenen Angaben Deutschlands größte Elektroauto-Vermietung

Stefan Moeller, Mitgründer und Geschäftsführer von Nextmove, die nach eigenen Angaben Deutschlands größte Elektroauto-Vermietung

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Fährt Tesla nach schweren Produktions- und nicht minder gravierenden Auslieferungsproblemen nun geradewegs in die "Servicehölle"? Stefan Moeller würde das nicht nur mit Ja beantworten. Für den Chef und Mitgründer von Deutschlands größter Elektroauto-Vermietung Nextmove ist Tesla da längst angekommen.

"Das Modell 3 ist ein tolles Auto", sagt Moeller. Der Leipziger Unternehmer hat fast 400 E-Autos in seinem Fuhrpark, darunter 38 Model S und ein Dutzend Model X. Ob der großen Nachfrage wollte Nextmove zum größten Kunden von Tesla in Deutschland werden - und bestellte gleich 100 der hierzulande heiß ersehnten E-Flitzer .

Doch daraus wird jetzt nichts: Nach anhaltendem Streit über Qualitäts- und Servicemängel habe Tesla nach 15 gelieferten Model 3 die Bestellung der restlichen 85 Fahrzeuge storniert und verzichtet damit auf mindestens fünf Millionen Euro Umsatz, sagt Moeller.

Tesla-Chef Elon Musk könnte auf diesen Umsatz vielleicht noch verzichten, verkauft sich der Hoffnungsträger des E-Auto-Herstellers doch auch hierzulande wie geschnitten Brot. Die geschilderten Probleme allerdings lassen aufhorchen, scheinen sie doch Beschwerden aus anderen Ländern wie Norwegen zu bestätigen.

Nur jedes vierte der ersten 15 Model 3 sei ohne Mängel gewesen, einzelne Autos sogar nicht mal verkehrstüchtig, behauptet Nextmove und liefert zum Beweis Fotos gleich mit. Sie zeigen Schäden an Reifen, Lack und Karosserie. Auch von defekten Ladereglern und falschen Kabelbäumen sowie fehlenden Notruftasten ist die Rede. "Das alles zeigt, dass Tesla in einer Servicehölle steckt", sagt der Nextmove-Chef.

Zunächst hätte sich der Flottenbetreiber mit Tesla Deutschland über einen Prozess zur mangelfreien Übergabe und termingerechten Reparatur geeinigt. Diese Einigung habe Tesla dann aber zurückgezogen und stattdessen dem Autoverleiher ein 24-Stunden-Ultimatum gesetzt. Nach dessen Ablauf hätte Tesla die Bestellung der restlichen 85 Model 3 storniert.

Tesla bot offenbar Autos an, die schon zugelassen waren

Seine Kunden und Tesla-Fans wollte Nextmove trotzdem bedienen. Im Sommer habe Nextmove laut eigenen Ausagen versucht, via Internet vier weitere und völlig intakte Model 3 zu bestellen. Mit überraschendem Ergebnis: "Tesla hat uns Autos als neu angeboten, die nachweislich bereits einmal auf eine Person zugelassen waren", zeigt sich Moeller entsetzt. Hätte der Verleiher diese Autos angenommen, hätte Nextmove weder die staatliche Förderung in Anspruch nehmen noch die Umsatzsteuer als Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen können.

In einer Stellungnahme gegenüber manager-magazin.de bestreitet Tesla insbesondere diesen Vorwurf: Es sei falsch zu unterstellen, Tesla habe Identifikationsnummern absichtlich mehrfach vergeben. Vorübergehende Systemprobleme bei der Vergabe solcher Nummern seien behoben worden und betroffene Kunden hätten neue sogenannte VIN bekommen.

Tesla erklärt auch, es sei nicht richtig dass der Autobauer die Bestellung der restlichen 85 Autos storniert habe. Vielmehr habe Nextmove keine weiteren Fahrzeuge mehr annehmen wollen. Tesla habe dem Flottenbetreiber zudem für die Zeit der Reparatur Leihfahrzeuge zur Verfügung gestellt.

Nextmove wiederum erklärt, der E-Auto-Verleiher habe in der Vergangenheit Probleme mit Reparaturen nicht nur beim Model 3, sondern auch mit anderen Tesla-Modellen gehabt. Zugleich hätten Tesla-Fans davon berichtet, dass der Kundenservice des Autobauers in Deutschland weder auf Mails noch auf telefonische Nachrichten reagiert habe.

Klagen über schwachen Service und Qualitätsmängel auch in anderen Ländern

Klagen und Negativschlagzeilen über schlechten Service kann sich Tesla eigentlich nicht leisten - zumindest nicht bei der verwöhnten Premium-Klientel in Deutschland, die Audi, BMW oder Mercedes fährt. Zum einen sind diese lukrativen Kunden guten Service gewohnt. Zum anderen haben die deutschen Hersteller kräftig zur Aufholjagd geblasen, haben für die nächsten Jahre geradezu ein Feuerwerk an neuen Elektroauto-Modellen angekündigt. Zugleich wird der europäische Markt für Elektroautos in spätestens zehn Jahren der weltweit zweitgrößte hinter China sein, sagen Experten der Finanznachrichtenagentur Bloomberg voraus.

Dass der Service Teslas schnellem Wachstum nicht folgen kann, hatte sich zuletzt in Norwegen gezeigt, Teslas wichtigster Markt in Europa gemessen zur Bevölkerung. Dort waren die Verbraucherbeschwerden im vergangenen Jahr schnell angewachsen. Tesla-Chef Elon Musk, der sonst schnell mal garstig auf Kritik reagiert, erkannte die Wirkung solcher Nachrichten rasch und gelobte Abhilfe.

Klagen über eine teils schlampige Verarbeitung, Lackschäden oder Probleme mit dem großen Bildschirm im neuen Model 3 hatten Anfang des Jahres dazu geführt, dass das einflussreiche US-amerikanische Verbrauchermagazin "Consumer-Reports" seine Kaufempfehlung für das Model 3 zunächst entzogen hatte.

Dass die Erfahrungen von Nextmove trotz aller Beteuerungen von Tesla offenbar kein Einzelfall sind, lässt sich auch in Online-Foren und Social-Media-Plattformen nachvollziehen. Immer wieder beklagen sich dort Kunden über fehlerhafte Teile und zeigen sich schwer genervt über den Vertrieb und den Service von Tesla in Deutschland. Auch beim Autotest von manager-magazin.de wurde unser Experte davon überrascht, dass mit dem Touch-Screen die zentrale Bedieneinheit des Model 3 plötzlich ausfiel - eines Autos, das Tesla im Wissen des bevorstehenden Tests eigentlich auf Herz und Nieren geprüft haben sollte.

Blindflug - wenn in Teslas Model 3 das Display streikt

manager-magazin.de

Tesla: "Unsere Daten weisen nicht auf ungewöhnliche Probleme hin"

Tesla gibt sich gleichwohl überzeugt: "Unsere Daten weisen nicht auf ungewöhnliche Probleme mit der Fahrzeugqualität hin, die spezifisch für Deutschland oder irgendwo sonst auf der Welt sind." Es gebe aber ein kleines Restrisiko, dass ein Auto beim Transport zum Kunden gelegentlich leicht beschädigt werde. Dies sei nicht nur bei Tesla der Fall. "Wir können diese Probleme für alle Betroffenen schnell beheben", versichert Tesla gegenüber manager-magazin.de.

Dass Tesla etwas im Bereich Service tun muss, ist dem Konzern ganz offensichtlich klar. So will der Autobauer die Zahl seiner Service-Center in Deutschland auf 17 Standorte verdoppeln. Damit ist der Autobauer aber immer noch weit entfernt von dem flächendeckenden Netz an Verkaufs- und Servicestandorten der Wettbewerber. Auch wolle Tesla seine Flotte mobiler Servicefahrzeuge in diesem Jahr um die Hälfte erweitern.

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