Mittwoch, 18. September 2019

Deutschlands größter Elektroauto-Verleiher packt aus "Tesla steckt in der Servicehölle"

Stefan Moeller, Mitgründer und Geschäftsführer von Nextmove, die nach eigenen Angaben Deutschlands größte Elektroauto-Vermietung
Bloomberg via Getty Images
Stefan Moeller, Mitgründer und Geschäftsführer von Nextmove, die nach eigenen Angaben Deutschlands größte Elektroauto-Vermietung

Immer wieder tauchen Klagen über die Qualität des neuen Tesla Model 3 und schlechten Service auf. Jetzt berichtet Deutschlands größter Elektroauto-Verleiher von teils hanebüchenen Problemen. Tesla dementiert.

Fährt Tesla nach schweren Produktions- und nicht minder gravierenden Auslieferungsproblemen nun geradewegs in die "Servicehölle"? Stefan Moeller würde das nicht nur mit Ja beantworten. Für den Chef und Mitgründer von Deutschlands größter Elektroauto-Vermietung Nextmove ist Tesla da längst angekommen.

"Das Modell 3 ist ein tolles Auto", sagt Moeller. Der Leipziger Unternehmer hat fast 400 E-Autos in seinem Fuhrpark, darunter 38 Model S und ein Dutzend Model X. Ob der großen Nachfrage wollte Nextmove zum größten Kunden von Tesla in Deutschland werden - und bestellte gleich 100 der hierzulande heiß ersehnten E-Flitzer.

Doch daraus wird jetzt nichts: Nach anhaltendem Streit über Qualitäts- und Servicemängel habe Tesla nach 15 gelieferten Model 3 die Bestellung der restlichen 85 Fahrzeuge storniert und verzichtet damit auf mindestens fünf Millionen Euro Umsatz, sagt Moeller.

Tesla-Chef Elon Musk könnte auf diesen Umsatz vielleicht noch verzichten, verkauft sich der Hoffnungsträger des E-Auto-Herstellers doch auch hierzulande wie geschnitten Brot. Die geschilderten Probleme allerdings lassen aufhorchen, scheinen sie doch Beschwerden aus anderen Ländern wie Norwegen zu bestätigen.

Nur jedes vierte der ersten 15 Model 3 sei ohne Mängel gewesen, einzelne Autos sogar nicht mal verkehrstüchtig, behauptet Nextmove und liefert zum Beweis Fotos gleich mit. Sie zeigen Schäden an Reifen, Lack und Karosserie. Auch von defekten Ladereglern und falschen Kabelbäumen sowie fehlenden Notruftasten ist die Rede. "Das alles zeigt, dass Tesla in einer Servicehölle steckt", sagt der Nextmove-Chef.

Zunächst hätte sich der Flottenbetreiber mit Tesla Deutschland über einen Prozess zur mangelfreien Übergabe und termingerechten Reparatur geeinigt. Diese Einigung habe Tesla dann aber zurückgezogen und stattdessen dem Autoverleiher ein 24-Stunden-Ultimatum gesetzt. Nach dessen Ablauf hätte Tesla die Bestellung der restlichen 85 Model 3 storniert.

Tesla bot offenbar Autos an, die schon zugelassen waren

Seine Kunden und Tesla-Fans wollte Nextmove trotzdem bedienen. Im Sommer habe Nextmove laut eigenen Ausagen versucht, via Internet vier weitere und völlig intakte Model 3 zu bestellen. Mit überraschendem Ergebnis: "Tesla hat uns Autos als neu angeboten, die nachweislich bereits einmal auf eine Person zugelassen waren", zeigt sich Moeller entsetzt. Hätte der Verleiher diese Autos angenommen, hätte Nextmove weder die staatliche Förderung in Anspruch nehmen noch die Umsatzsteuer als Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen können.

In einer Stellungnahme gegenüber manager-magazin.de bestreitet Tesla insbesondere diesen Vorwurf: Es sei falsch zu unterstellen, Tesla habe Identifikationsnummern absichtlich mehrfach vergeben. Vorübergehende Systemprobleme bei der Vergabe solcher Nummern seien behoben worden und betroffene Kunden hätten neue sogenannte VIN bekommen.

Tesla erklärt auch, es sei nicht richtig dass der Autobauer die Bestellung der restlichen 85 Autos storniert habe. Vielmehr habe Nextmove keine weiteren Fahrzeuge mehr annehmen wollen. Tesla habe dem Flottenbetreiber zudem für die Zeit der Reparatur Leihfahrzeuge zur Verfügung gestellt.

Nextmove wiederum erklärt, der E-Auto-Verleiher habe in der Vergangenheit Probleme mit Reparaturen nicht nur beim Model 3, sondern auch mit anderen Tesla-Modellen gehabt. Zugleich hätten Tesla-Fans davon berichtet, dass der Kundenservice des Autobauers in Deutschland weder auf Mails noch auf telefonische Nachrichten reagiert habe.

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