Samstag, 14. Dezember 2019

Deutschlands größter Elektroauto-Verleiher packt aus "Tesla steckt in der Servicehölle"

Stefan Moeller, Mitgründer und Geschäftsführer von Nextmove, die nach eigenen Angaben Deutschlands größte Elektroauto-Vermietung
Bloomberg via Getty Images
Stefan Moeller, Mitgründer und Geschäftsführer von Nextmove, die nach eigenen Angaben Deutschlands größte Elektroauto-Vermietung

2. Teil: Klagen über schwachen Service und Qualitätsmängel auch in anderen Ländern

Klagen und Negativschlagzeilen über schlechten Service kann sich Tesla eigentlich nicht leisten - zumindest nicht bei der verwöhnten Premium-Klientel in Deutschland, die Audi, BMW oder Mercedes fährt. Zum einen sind diese lukrativen Kunden guten Service gewohnt. Zum anderen haben die deutschen Hersteller kräftig zur Aufholjagd geblasen, haben für die nächsten Jahre geradezu ein Feuerwerk an neuen Elektroauto-Modellen angekündigt. Zugleich wird der europäische Markt für Elektroautos in spätestens zehn Jahren der weltweit zweitgrößte hinter China sein, sagen Experten der Finanznachrichtenagentur Bloomberg voraus.

Dass der Service Teslas schnellem Wachstum nicht folgen kann, hatte sich zuletzt in Norwegen gezeigt, Teslas wichtigster Markt in Europa gemessen zur Bevölkerung. Dort waren die Verbraucherbeschwerden im vergangenen Jahr schnell angewachsen. Tesla-Chef Elon Musk, der sonst schnell mal garstig auf Kritik reagiert, erkannte die Wirkung solcher Nachrichten rasch und gelobte Abhilfe.

Klagen über eine teils schlampige Verarbeitung, Lackschäden oder Probleme mit dem großen Bildschirm im neuen Model 3 hatten Anfang des Jahres dazu geführt, dass das einflussreiche US-amerikanische Verbrauchermagazin "Consumer-Reports" seine Kaufempfehlung für das Model 3 zunächst entzogen hatte.

Dass die Erfahrungen von Nextmove trotz aller Beteuerungen von Tesla offenbar kein Einzelfall sind, lässt sich auch in Online-Foren und Social-Media-Plattformen nachvollziehen. Immer wieder beklagen sich dort Kunden über fehlerhafte Teile und zeigen sich schwer genervt über den Vertrieb und den Service von Tesla in Deutschland. Auch beim Autotest von manager-magazin.de wurde unser Experte davon überrascht, dass mit dem Touch-Screen die zentrale Bedieneinheit des Model 3 plötzlich ausfiel - eines Autos, das Tesla im Wissen des bevorstehenden Tests eigentlich auf Herz und Nieren geprüft haben sollte.

Blindflug - wenn in Teslas Model 3 das Display streikt

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Bild: manager-magazin.de

Tesla: "Unsere Daten weisen nicht auf ungewöhnliche Probleme hin"

Tesla gibt sich gleichwohl überzeugt: "Unsere Daten weisen nicht auf ungewöhnliche Probleme mit der Fahrzeugqualität hin, die spezifisch für Deutschland oder irgendwo sonst auf der Welt sind." Es gebe aber ein kleines Restrisiko, dass ein Auto beim Transport zum Kunden gelegentlich leicht beschädigt werde. Dies sei nicht nur bei Tesla der Fall. "Wir können diese Probleme für alle Betroffenen schnell beheben", versichert Tesla gegenüber manager-magazin.de.

Dass Tesla etwas im Bereich Service tun muss, ist dem Konzern ganz offensichtlich klar. So will der Autobauer die Zahl seiner Service-Center in Deutschland auf 17 Standorte verdoppeln. Damit ist der Autobauer aber immer noch weit entfernt von dem flächendeckenden Netz an Verkaufs- und Servicestandorten der Wettbewerber. Auch wolle Tesla seine Flotte mobiler Servicefahrzeuge in diesem Jahr um die Hälfte erweitern.

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