Montag, 20. Januar 2020

Audi-Produktionsguru wechselt zu Tesla Elon Musk holt für Model 3 Hilfe aus Deutschland

Elektroautos für den Massenmarkt: Tesla-Fighter: So rüstet die Autobranche gegen das Model 3
AP

Der Elektroauto-Hersteller Tesla kann verblüffend ehrlich sein - wenn man an den richtigen Stellen sucht. "Wir haben bislang keine Erfahrung damit, Autos in so hohen Stückzahlen herzustellen, die wir für das Model 3 erwarten", heißt es in einem von Teslas Finanzchef Jason Wheeler unterzeichneten Bericht. "Um Erfolg zu haben, müssen wir effiziente, automatisierte und kostengünstige Produktionskapazitäten, Prozesse und Lieferketten entwickeln, die solche Stückzahlen auch tragen".

Diese Sätze finden sich unter Überschrift "Risikofaktoren" in jenem Quartalsbericht, den Tesla vor wenigen Tagen bei der US-Finanzbehörde SEC eingereicht hat. Der Hinweis auf potenzielle Gefahren fürs Geschäft gehört zu den gesetzlichen Vorgaben in den USA.

Doch Tesla Börsen-Chart zeigen gibt sich gerade gehörig Mühe, diese Risiken möglichst klein zu halten - mit einer ziemlich klugen Personalentscheidung.

Wie über das Pfingstwochenende bekannt wurde, heuern die Kalifornier einen deutschen Auto-Produktionsexperten an: Den Audi-Manager Peter Hochholdinger. Der Manager ist außerhalb der Autobranche unbekannt, doch seine Erfahrung bei der Herstellung von Autos spricht für ihn: Der diplomierte Werkstoffwissenschaftler verbrachte zwei Jahrzehnte bei den Ingolstädtern, wo er sich fast ausschließlich mit Produktionsthemen beschäftigte. Zuletzt leitete Hochholdinger die Fertigung der Audi-Modelle A4, A5 und Q5 und war damit für zwei der größten Audi-Umsatzbringer verantwortlich.

Hochholdinger hatte die Verantwortung für rund 10.000 Audi-Mitarbeiter und eine Jahresproduktion von 380.000 Fahrzeugen. Die Schwierigkeiten, bei großen Mengen eine gleichbleibend hohe Fahrzeugqualität hinzubekommen, kennt Hochholdinger in der Praxis. Und auch die Herausforderungen beim Produktionsanlauf sind ihm wohl bekannt. Denn die Herstellung und Auslieferung der neuen A4-Generation erfolgte unter seiner Ägide.

Musk will Massenproduktion möglichst schnell starten

Dieses Wissen kann er bei seinem neuen Arbeitgeber gut gebrauchen. Denn zuletzt lief es für Tesla nicht immer rund. Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass zwei hochrangige Tesla-Produktionsmanager das Unternehmen verlassen. Die Kalifornier mussten tausende Model S und X wegen Defekten zurückrufen. Und sogar Tesla-Chef Elon Musk selbst räumte "Selbstüberschätzung" ein.

Andererseits hat Musk seine ambitionierten Produktionsziele nochmal hochgeschraubt - wegen der starken Nachfrage nach dem günstigeren Model 3. Er will schon im Jahr 2018 jährlich 500.000 Fahrzeuge ausliefern, bislang wollte er sich dafür bis 2020 Zeit lassen. Zur Einordnung: Im vergangenen Jahr hat Tesla etwas über 50.000 Fahrzeuge ausgeliefert.

Musk will seine Massenproduktion nun im Eiltempo hochfahren. Denn die Vorstellung des neuen Model 3, von dem Tesla hohe Stückzahlen verkaufen will, lief für die Kalifornier gut: Über 400.000 unverbindliche Reservierungen liegen für den rund 35.000 Dollar teuren Stromer bislang vor.

Hochholdinger soll laut Tesla zuerst die Produktion der beiden aktuellen Tesla-Fahrzeuge Model S und Model X verbessern und erhöhen sowie den Fertigungsaufbau des Model 3 mitgestalten. Wann er seinen neuen Job als Vizepräsident für Fahrzeug-Produktion antritt, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Tesla plagen Produktions- und Qualitätsprobleme

Die Berufung von Hochholdinger hat aber noch einen interessanten Nebenaspekt: Tesla-Chef Musk signalisiert damit auch seine Bereitschaft, etwas Macht an einen ausgewiesenen Produktionsexperten abzugeben. Mit zwei Jahrzehnten Erfahrung im Volkswagen-Konzern lässt sich Hochholdinger vermutlich nur schwer herumkommandieren - auch nicht von einem Elon Musk.

Foto: AP / Wochit

Und das ist auch gut so. Für Tesla hängt die Zukunft davon ab, wie schnell die vielen Kundenbestellungen abgearbeitet werden können. Auch Rivalen wie die Opel-Mutter General Motors mit ihrem Chevrolet Bolt wollen Elektro-Autos in der Preisklasse um 35.000 Dollar (31.000 Euro) auf den Markt bringen.

Bei allen bisherigen Tesla-Modellen gab es bisher Verzögerungen wegen Problemen bei der Produktion. Zuletzt beschwerten sich einige Kunden über Qualitätsmängel am Tesla-SUV Model X. Bei manchen gingen die markanten Flügeltüren nicht auf, andere kritisierten Verarbeitungs-Schwächen.

Tesla-Chef Elon Musk sagte jüngst in einer Telefonkonferenz, sein Schreibtisch stehe direkt an der Fertigungslinie und er schlafe oft im Schlafsack in einem Konferenzraum daneben. "Wir sind versessen darauf, der beste Hersteller der Welt zu werden", betonte Musk. Mit der Verpflichtung des Audi-Produktionsspezialisten Hochholdinger zeigt der Tesla-Chef auch, dass er dieses Versprechen ernst meint.

mit Material von dpa

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