E-Auto-Hersteller bläst zum Angriff Tesla wirbt Daimler-Werksleiter ab – und will in Grünheide bessere Batterien bauen

Elon Musks Pläne für Deutschland sorgen erneut für Schlagzeilen: Nicht ganz zufällig hat Tesla einen Daimler-Werksleiter abgeworben. Auch sollen in der „Gigafactory Berlin“ leistungsfähigere Batterien entstehen.
Tesla-Baustelle in Grünheide bei Berlin am 05. November 2020: Die Mauern des ersten Bauabschnitts stehen soll, im Sommer Mitte 2021 sollen hier Autos vom Band laufen

Tesla-Baustelle in Grünheide bei Berlin am 05. November 2020: Die Mauern des ersten Bauabschnitts stehen soll, im Sommer Mitte 2021 sollen hier Autos vom Band laufen

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Vor einem Jahr hat Tesla-Chef Elon Musk (49) bekanntgegeben, dass die geplante Fabrik in Europa nach Grünheide bei Berlin kommen soll. Anfang November jettete Musk persönlich in die Bundeshauptstadt, um Bewerbungsgespräche für sein deutsches Auto- und Akkuwerk zu führen.

Offenbar hat Musk für sein Werk auch einen hochrangigen Daimler-Manager abwerben können. Wie das "Handelsblatt " und die Berliner Morgenpost übereinstimmend mit Verweis auf Angaben der IG Metall berichten, wechselt Daimler-Werksleiter René Reif (57) voraussichtlich Anfang 2021 zu Tesla. Reif arbeitete seit 1990 für den schwäbischen Autohersteller, unter anderem in leitenden Funktionen in Brasilien und China. Seit 2017 führt Reif die beiden norddeutschen Daimler-Werke in Berlin und Hamburg.

Nun kehrt er offenbar den Schwaben den Rücken und wechselt zum US-Elektroauto-Pionier Tesla: Das erklärt sogar die IG Metall selbst in einer Pressemitteilung , in der sie zu einem Protest vor den Werkstoren des Berliner Autowerks aufruft. Denn Daimlers Werk in der Bundeshauptstadt droht offenbar die Stilllegung.

Von Reif selbst gibt es aktuell keine Bestätigung zu seinem Wechsel. Sein Xing-Profil  weist ihn nach wie vor als Werkleiter der Daimler AG aus. Auf seinem Profil bei dem Konkurrenten Xing soll nach Medienberichten Reif selbst kurzzeitig den Wechsel zu Tesla bestätigt haben, inzwischen wurde das Profil aber gelöscht.

Zwei Telefonanfragen von manager magazin zu der Personalie ließ Tesla bislang unbeantwortet.

Berliner Tesla-Werk soll neue, leistungsfähigere Batterien herstellen

In Teslas deutscher "Gigafactory", also dem Auto- und Batteriewerk in Grünheide bei Berlin, plant der US-Autobauer auch die Fertigung von Batterien mit neuer Technologie. In Grünheide bei Berlin sollten größere und leistungsfähigere Zellen als bisher üblich gefertigt werden, hieß es am Mittwoch aus gut informierten Kreisen.

Dass Tesla in Grünheide auch Batteriezellen fertigt, ist erst seit einigen Monaten sicher. Im ersten vorläufigen Bauantrag, den manager magazin im Januar vor Ort einsah, war noch keine eigene Zellenfertigung vorgesehen. Seither hat Elon Musks Unternehmen jedoch die Baupläne mehrfach überarbeitet und nun auch eine Zellenfertigung zur Genehmigung eingereicht.

In Teslas erster Gigafactory in Nevada verlassen sich die Amerikaner auf die Expertise ihres Zellenfertigungs-Partners Panasonic. Schon seit Jahren gibt es bei Tesla jedoch Bestrebungen, auch eigene, bessere Zellchemien zu entwickeln. Im Jahr 2018 hat Tesla für 218 Millionen Dollar den Batteriespezialisten Maxwell Technologies übernommen. Maxwell hat auch eine sogenannte "trockene" Elektrode patentieren lassen, die Tesla zu schneller ladbaren und leistungsfähigeren Zellen verhelfen könnte. Serienreif war die trockene Elektrode aber zum Zeitpunkt der Übernahme noch nicht.

Dass Tesla an schneller aufladbaren und leistungstärkeren Lithium-Ionen-Zellen arbeitet, war bereits bei Teslas "Battery Day" im September in Fremont (USA) ein Thema.

Effiziente und kostengünstige Batterien gelten als Voraussetzung dafür, dass sich die Elektromobilität im Massenmarkt durchsetzen kann. Beim "Battery Day" hatte Tesla-Chef Elon Musk über Innovationen in der Batterietechnologie gesprochen, die Hoffnungen auf einen unmittelbaren Durchbruch aber zuvor bei Twitter gedämpft.

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Musk auf Deutschland-Tour

Foto: Pool / Getty Images

Vor einem Jahr (am 12. November) hatte der Tesla-Chef in Berlin angekündigt, dass die europäische Fabrik in der Nähe der Bundeshauptstadt gebaut werden soll. Mehrere Bundesländer hatten das Werk haben wollen. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) wies am Donnerstag darauf hin. "Ein aufregendes Jahr liegt hinter uns. Und das nächste verspricht nicht weniger herausfordernd zu werden", schrieb er im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

Der Bau in Grünheide schreitet inzwischen zügig voran. Allerdings baut Tesla bisher nur über vorläufige Zulassungen, weil die abschließende umweltrechtliche Genehmigung des Brandenburger Landesumweltamts noch aussteht. Die Behörde genehmigte zuletzt vorläufig Tragwerke für Dächer und Außenwände im Bereich der Gießerei und des Presswerks. Ein Antrag für die Lackiererei wird noch geprüft.

Der Autobauer hält an seinem Zeitplan fest. Tesla will in Grünheide von Juli 2021 an Elektroautos herstellen. In einer ersten Stufe sind 500.000 Fahrzeuge im Jahr mit rund 12.000 Mitarbeitern vorgesehen.

Naturschützer und Anwohner kritisieren das Projekt und befürchten unter anderem Probleme mit dem Trinkwasser. Tesla hatte den prognostizierten Wasserverbrauch nach Kritik gesenkt. Aus den gut informierten Kreisen hieß es nun, kontinuierlich werde geprüft, den Verbrauch weiter zu reduzieren. Das Brandenburger Landesumweltamt wertet derzeit noch Ergebnisse einer Anhörung von Kritikern aus.

wed mit Material von dpa-afx
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