Dienstag, 7. April 2020

Elektroauto- und Batteriefabrik in Brandenburg Teslas deutsche "Gigafactory" wird weder "öko" noch "giga"

Kurzbeschreibung von Teslas Antrag zur Baugenehmigung für sein Werk im brandenburgischen Grünheide
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Kurzbeschreibung von Teslas Antrag zur Baugenehmigung für sein Werk im brandenburgischen Grünheide

3. Teil: Fast 500 Lkw sollen das Werk täglich ansteuern - und 6 Güterzüge

Im Endausbau soll das Werk jährlich bis zu 500.000 Autos produzieren, gefertigt werden sollen in Brandenburg die Kompaktlimousine Model 3, der künftige Kompakt-SUV Model Y sowie künftige Modelle. Insgesamt 12.000 Arbeitsplätze verspricht Tesla selbst in seinem "Antrag auf Genehmigung einer Neuanlage für das Vorhaben 'Gigafactory Berlin'".

Täglich sollen 463 Lkw das Werk mit Nachschub versorgen, heißt es in der mit eingereichten Umweltverträglichkeitsprüfung, und täglich auch sechs mit Tesla-Elektroautos beladene Züge das Werk verlassen. Laut Tesla werden pro Schicht 2828 Fahrzeuge mit Mitarbeitern zur Fabrik fahren - und das drei Mal innerhalb von 24 Stunden.

Sorge der Anwohner um Emissionen - und um die Fledermäuse

Auf die 8000-Einwohner-Gemeinde Grünheide (Mark) rollt also wohl bald einiges zu. Dafür habe der Ort nicht die Straßen-Infrastruktur, warnt ein junger Bewohner im Gespräch. Dabei sei Grünheide doch auch recht gut ans öffentliche Verkehrsnetz angebunden, in einer halben Stunde sei man per Regionalexpress in Berlin.

Am meisten sorgen sich die Bewohner um den Grundwasserspiegel und mögliche Emissionen des Werks, meint ein Mitarbeiter des Tourismusamtes, der nun im Rathaus für die öffentliche Zugänglichkeit der fünf Tesla-Ordner sorgt. Für Sorgen über etwaige Emissionen "sind wir zu alt", befindet dagegen ein älteres Ehepaar, dass sich am Mittwochnachmittag die Tesla-Unterlagen ansieht. Sorge macht ihnen dagegen, ob die im Wald ansässigen Fledermäuse vor der Rodung auch fachgerecht umgesiedelt werden.

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Rohbau alleine kostet 650 Millionen Euro

Tesla wird für das insgesamt 300 Hektar große Areal, das als Industriegelände ausgewiesen und noch großteils mit Nadelbäumen bewachsen ist, 41 Millionen Euro bezahlen. Das Land Brandenburg hat den Grundstücksverkauf an Tesla vor kurzem in wesentlichen Teilen durchgewinkt. Aktuell wird in dem Gelände die für die erste Rodung vorgesehene Fläche abgesteckt. Der Minenräumdienst hat das Gelände bereits überprüft, Arbeiter haben bereits eine erste Schneise in das Gelände geschlagen. Die sei für Lkws gedacht, heißt es auf Nachfrage. Die Bahngeleise an der Ostseite des Areals sind offenbar seit Jahren ungenutzt und wirken verrostet - Tesla wird also noch einiges an Arbeit in das Gelände stecken müssen.

Und wohl auch einige Barmittel: Als Errichtungskosten sieht Tesla 1,065 Milliarden Euro für den ersten Bauabschnitt vor. Alleine 650 Millionen Euro soll der Rohbau kosten. Indirekt dürfte der Fiat-Chrysler-Konzern einen Gutteil der Baukosten finanzieren, berichtete das Nachrichtenportal Bloomberg vor kurzem. Denn der italienisch-amerikanische Autobauer überweist Tesla in einer Art CO2-Ablasshandel rund 1,8 Milliarden Dollar bis 2023, um Tesla-Elektroautos auf die FCA-Verbrennerflotte anrechnen zu können und damit die strengeren CO2-Grenzwerte der EU zu schaffen.

Laut den Bauplänen hat Tesla Börsen-Chart zeigen neben dem ersten Gebäude noch Platz für drei weitere in gleicher Größe. Der Vollausbau des Werkes dürfte also insgesamt mindestens 4 Milliarden Euro kosten. Bereits ab Juli 2021 sollen in dem Werk die ersten Elektroautos vom Band laufen.

Zwar werden die ersten Teslas made in Brandenburg dann mit Batteriezellen bestückt, die sich Tesla zuliefern lässt. Und die Produktion dürfte nicht ganz so CO2-arm anlaufen wie zunächst in Aussicht gestellt. Doch auf jeden Fall wird Teslas Werk für die Belebung einer eher strukturschwachen Region sorgen.

Ein Imbissbudenbetreiber nahe des Werksgeländes warnt jedoch vor allzu viel Euphorie. Erstmal müsse man sicherstellen, dass die Fabrik auch in zehn, fünfzehn Jahren noch viele Menschen beschäftigt. "Brandenburg hat eine Historie mit gefloppten Großprojekten", warnt er in Anspielung auf den Berliner Flughafen, die einstige Solarindustrie und den gescheiterten Zeppelinbauer Cargolifter. Eines steht aber jetzt schon fest: Für die Tankstellen rund um Teslas Baustelle dürfte es mit der Mittagsruhe bald vorbei sein.

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