Samstag, 18. Januar 2020

Elektroauto- und Batteriefabrik in Brandenburg Teslas deutsche "Gigafactory" wird weder "öko" noch "giga"

Kurzbeschreibung von Teslas Antrag zur Baugenehmigung für sein Werk im brandenburgischen Grünheide
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Kurzbeschreibung von Teslas Antrag zur Baugenehmigung für sein Werk im brandenburgischen Grünheide

2. Teil: Kein Solardach - und auch keine eigene Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen in Grünheide

Die Aktenordner enthalten neben detaillierten Beschreibungen der Fabrikbestandteile auch Prognosen zu Emissionen und eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Bei Durchsicht fällt noch ein weit wichtigeres Detail in den Beschreibungen auf: Die Fläche für die Batteriefertigung in dem Werk ist vergleichsweise klein dimensioniert. Sie soll rund ein Viertel des Obergeschosses einnehmen, zeigen die Pläne. Dort werden "aus angelieferten Batteriezellen in einer Reihe von Fertigungsschritten die Fahrzeugbatterien hergestellt", heißt es etwa an einer Stelle.

Tesla plant also im ersten Bauabschnitt keine eigene Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen in Grünheide. Nachfragen von manager magazin zur möglichen Ökostromerzeugung im Werk Grünheide und den Batteriezellplänen ließ Tesla zunächst unbeantwortet und erklärte dann, aktuell zu Fragen rund um die Gigafactory keine Stellung nehmen zu wollen.

Entscheidung gegen eigene Zellenfertigung - wie auch in Shanghai

Keine Antwort gab es von Tesla auch auf die Frage, woher die in Grünheide verarbeiteten Batteriezellen angeliefert werden und von welchem Lieferanten sie stammen. Die Sprecherin schloss aber nicht aus, dass in den nächsten Bauabschnitten der Fabrik auch eine Batteriezellenfertigung in Grünheide hochgezogen wird.

Die vorläufige Entscheidung gegen eine eigene Zellenfertigung verwundert auf den ersten Blick. Denn Teslas Ansatz bei seiner ersten "Gigafactory" in Nevada ist es, durch die eigene Zellenfertigung im industriellen Maßstab die Kosten für die teuren Batterien zu drücken.

Allerdings ging der Autobauer bereits für seine vor wenigen Wochen eröffnete chinesische "Gigafactory" von diesem Grundsatz ab: In seinem Shanghaier Batterie- und Autowerk lässt sich Tesla ebenfalls zunächst von chinesischen Zulieferern Zellen liefern, eine eigene Akkuzellenfertigung ist aber für die Zukunft geplant.

Hoher Zeitdruck - auf eigene Zellfertigung wird zunächst verzichtet

Der Verzicht auf eine eigene Zellenfertigung zum Produktionsstart hat auch mit Zeitdruck zu tun: Denn Tesla gibt sich bei seinen neue "Gigafactory"-Werken nur rund ein Jahr zwischen Grundsteinlegung und Produktionsbeginn. Für das Hochziehen einer Zellfertigung, deren Produktionsmaschinen aufwändig kalibriert werden müssen, ist das wohl zu knapp bemessen.

Zudem hat sich das Verhältnis zwischen Tesla und seinem Zellenfertigungspartner Panasonic in den vergangenen Monaten merklich abgekühlt - in China soll sich Tesla deshalb nach anderen Partnern für die Zellenproduktion umsehen.

90 Hektar sollen frühzeitig gerodet werden

Teslas neues Werk in Brandenburg wird damit zumindest im ersten Bauabschnitt in zwei Aspekten weniger "giga", als es sein Name suggeriert: Bei einer möglichst CO2-armen Produktionsweise und bei der Integration sämtlicher für ein Elektroauto notwendiger Bestandteile unter einem Dach. Ob und wann eine Lithium-Ionen-Zellenfertigung nach Brandenburg kommt, dazu hält sich Tesla noch bedeckt. Dabei würden für die Zellenfertigung aktuell hohe EU-Förderungen winken.

Ein kleiner Wurf wird das Werk aber auch nicht, wie die Unterlagen zeigen. Das Hauptproduktionsgebäude wird rund 744 Meter lang und 312 Meter breit sein, heißt es in den Unterlagen. Es wird eine Grundfläche von insgesamt 380.000 Quadratmetern einnehmen. Eine Fläche von 90 Hektar will Tesla dafür frühzeitig roden lassen, also bis Ende Februar und noch vor Genehmigung des Bauantrags, der frühestens Anfang März möglich ist. Grund für die Eile ist der Vegetationsbeginn, heißt es in den entsprechenden Anträgen.

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