NHTSA nimmt 500.000 Tesla-Fahrzeuge in den Blick Beschleunigen Tesla-Fahrzeuge beim Einparken von selbst? US-Behörde ermittelt

Tesla Model S: "Plötzliche Beschleunigung" beim Einparken - die Verkehrsbehörde NHTSA schaut sich derzeit die Beschwerden verschiedener Tesla-Kunden an

Tesla Model S: "Plötzliche Beschleunigung" beim Einparken - die Verkehrsbehörde NHTSA schaut sich derzeit die Beschwerden verschiedener Tesla-Kunden an

Foto: KIM HONG-JI/ REUTERS
Fotostrecke

Elektroauto-Fabrik in Brandenburg: So sieht es auf Teslas größter Europa-Baustelle aus

Foto: DPA

Der US-Elektroautobauer Tesla  hat mit Blick auf den Finanzmarkt und auf die jüngsten Auslieferungszahlen einen Triumphzug hinter sich. Die Aktie hat in der vergangenen Woche ein Rekordhoch erreicht. Doch nun bereitet eine Nachricht der nationalen Behörde für Verkehrssicherheit (National Highway Traffic Safety Administration, NHTSA) den Tesla-Anlegern Sorgen: Die NHTSA habe eine Petition erhalten mit dem Ziel, eine formale Untersuchung über mögliche Sicherheitsrisiken bei rund 500.000 Tesla-Fahrzeugen zu beginnen.

Es gehe dabei um Berichte von Tesla-Fahrern, dass ihre Fahrzeuge ohne Zutun der Fahrer von selbst beschleunigen würden - häufig beim Einparkvorgang. Dies habe bereits zu Unfällen geführt. Die NHTSA prüft derzeit die Petition und will in Kürze entscheiden, ob sie auf Basis der Informationen eine formale Untersuchung beginnt. Von Tesla lag kurzfristig noch keine Stellungnahme zu den Vorfällen vor.

Betroffen sind laut NHTSA das Tesla Model S (Baujahre 2012 bis 2019), Tesla Model X (Baujahr 2016 bis 2019) sowie Tesla Model 3 (Baujahre 2018 und 2019). Die bei der Verkehrssicherheitsbehörde eingereichte Petition stütze sich auf die Beschwerden von 127 Tesla-Kunden. Es gehe um insgesamt 110 Unfälle, bei denen sich insgesamt 52 Personen verletzt hätten.

Die meisten der Berichte schildern eine plötzliche Beschleunigung des Tesla, während der Fahrer das Fahrzeug einzuparken versuche. Weitere Berichte dokumentieren eine Beschleunigung des Fahrzeugs während der Fahrt - häufig bei eingeschaltetem Fahrer-Assistenzsystem.

Die Behörde zitiert verschiedene einzelne Verdachtsfälle: Der Fahrer eines Tesla Model S 85 D habe zum Beispiel in Kalifornien sein Fahrzeug am Straßenrand geparkt und abgeschlossen. "Wenige Augenblicke später setzte sich der Tesla in Bewegung und fuhr auf ein anderes geparktes Auto auf", so die Aussage des Fahrers. In Pennsylvania habe ein Tesla-Fahrer sein Fahrzeug vor einer Grundschule einzuparken versucht, als das Fahrzeug "plötzlich beschleunigte, über die Bordsteinkante fuhr und gegen einen Maschendrahtzaun prallte".

Eine Tesla Fahrerin in Adover (Massachusetts) beschreibt einen Unfall so: Sie habe das Fahrzeug gerade vor ihrer Garage abgestellt, als der Tesla "plötzlich nach vorne preschte und durch das Garagentor fuhr". Erst an der Betonmauer der Garage sei der Tesla zum Stehen gekommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die NHTSA Kundenbeschwerden von Tesla-Fahrern untersucht. Im Oktober gab die Behörde bekannt, man untersuche, ob Tesla rund 2000 Fahrzeuge hätte zurückrufen müssen, um einen möglichen Batteriedefekt zu reparieren. Tesla hatte statt dessen ein Software-Update auf die betroffenen Autos aufgespielt.

Die Aktie des US-Elektroautobauers Tesla  gab am Freitag auf Grund der Berichte um knapp 1 Prozent nach. Die Aktie, die am 14. Januar ein Rekordhoch von 536 Dollar erreicht hatte, notierte zuletzt bei 512 Dollar. Sollte die Kursrally von Tesla noch einige Monate weitergehen, dürfte sie Tesla-Chef Elon Musk in Kürze einen Zahltag der besonderen Art bescheren: Dann kann Musk die erste Tranche seines im Jahr 2018 vereinbarten, üppigen Bonus-Pakets ausüben, das ihm nach Berechnungen von Reuters allein im ersten Schritt 346 Millionen Dollar einbringen dürfte.

Fotostrecke

Elektroauto-Fabrik in Brandenburg: So sieht es auf Teslas größter Europa-Baustelle aus

Foto: DPA

Seit Oktober hat sich der Aktienkurs von Tesla mehr als verdoppelt. Allein am Montag legte das Papier knapp 10 Prozent zu, da Anleger damit rechnen, dass die Subventionen für Elektroautos in China nicht so stark gekürzt werden wie zunächst vermutet. Mit der jüngsten Kursrally kommt Tesla  einer Börsenbewertung von 100 Milliarden Dollar näher: Diese Marktkapitalisierung muss Tesla an der Börse für einen gewissen Zeitraum übersteigen, damit Musk sein Bonusprogramm ausüben kann.

Ortsbesuch in Brandenburg: Warum Teslas Gigafactory gar nicht so giga wird

Bleibt der durchschnittliche Börsenwert von Tesla für einen Zeitraum von 6 Monaten über der Marke von 100 Milliarden Dollar, kann Musk die erste von insgesamt 12 Tranchen aus seinem Bonusprogramm ausüben. Dies könnte bereits im Sommer 2020 soweit sein - vorausgesetzt, die Tesla-Aktie steigt weiter und hält sich dann auf hohem die Niveau. Allein die erste Tranche wäre knapp 350 Millionen Dollar wert. Die Ausübung der Optionen ist noch an weitere operative Ziele gebunden, die Musk mit dem jüngsten Auslieferungsschub aber bereits erreicht hat.

mmo/reuters