US-Verkehrsaufsicht untersucht Tesla-Unfall Tesla-Autopilot versagt - Fahrer verunglückt tödlich

In den USA ist ein Fahrer mit einem autonom gesteuerten Tesla Model S bei einem Unfall ums Leben gekommen. Der Fall ist ein schwerer Rückschlag für Tesla-Chef Elon Musk, aber auch für die Protagonisten selbstfahrender Fahrzeuge. Denn allem Anschein nach hat die Steuerungssoftware versagt.
Tödlicher Unfall mit einem Tesla S: Offenbar hat die Steuerungssoftware des Autopiloten versagt

Tödlicher Unfall mit einem Tesla S: Offenbar hat die Steuerungssoftware des Autopiloten versagt

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Erstmals ist ein Tesla-Fahrer bei einer Fahrt mit eingeschaltetem Autopiloten tödlich verunglückt. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA untersucht den Zusammenstoß des Autos mit einem Lkw in den USA, teilte Tesla am späten Donnerstagabend in seinem Unternehmensblog  mit. Tesla spricht darin von einem "tragischen Verlust". Es handle sich um den "ersten bekannt gewordenen Todesfall" bei einer Fahrt mit dem Autopiloten.

Für den Elektroautopionier ist das ein herber Schlag, denn kein Autobauer steht derzeit so unter Beobachtung wie das Unternehmen von Elon Musk. Zuletzt hatte es Berichte über mögliche Sicherheitsmängel mit der Aufhängung des Model S gegeben. Auch hier prüft die NHTSA. Der Autoblogger Edward Niedermeyer hatte behauptet, dass ein möglicher Defekt bei der Aufhängung sogar dazu führen könnte, dass der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verliert. Tesla hatte dem vehement widersprochen.

Der Unfall ereignete sich, als ein Lastzug im rechten Winkel vor dem selbstfahrenden Auto des Tesla-Modells S die Straße kreuzte. "Weder der Autopilot noch der Fahrer konnten die weiß eingefärbte Seite des Lkw von dem taghellen Himmel dahinter unterscheiden, so dass die Bremsfunktion nicht ausgelöst worden ist", räumt Tesla in dem Unternehmensblog ein.

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Das Model S sei dann seitlich in den Lkw gefahren, wobei seine Windschutzscheibe eingedrückt worden sei. Hätte sich das selbstfahrende Auto von vorne oder von hinten dem Lkw genähert, hätte sein eingebautes "Unfallvorbeugungssystems wahrscheinlich ernstere Verletzungen verhindert", teilte Tesla weiter mit.

Wie viel für Tesla auf dem Spiel steht, lässt sich auch daran erkennen, dass die Behörde nach eigenen Angaben ein Team von Sonderermittlern an den Unfallort geschickt hat.

Musk ordnet Unfall als normales statistisches Phänomen ein

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Tesla versucht in weiteren Erklärungen, den tödlichen Unfall als trauriges aber statistisch plausibles Phänomen einzuordnen. So lässt Konzernchef Musk verbreiten, dass seine Elektroautos bislang schon mehr als 200 Millionen Kilometer auf Autopilot zurückgelegt hätten, ohne dass es zu einem tödlichen Unfall gekommen sei. Im Durchschnitt aller Fahrzeuge in den USA komme ein tödlicher Unfall auf 145 Millionen gefahrene Kilometer, im weltweiten Maßstab auf 95 Millionen Kilometer.

Tesla hatte das Autopilot-System im vergangenen Jahr vorgestellt. Es lässt Autos bei Betätigen des Blinker-Hebels automatisch die Spur wechseln, selbsttätig die Geschwindigkeit verändern und die Bremse auslösen. Das Selbstfahrsystem kann aber jederzeit vom Fahrer überstimmt werden. Die Fahrer müssten auch bei Autopilotfahrten jederzeit die Hände am Lenker halten und die Verantwortung für ihre Fahrten ausüben, betont Musk.

Unfall relativiert den Hype um selbstfahrende Autos

Negativmeldungen wie die jüngste rufen in Erinnerung, dass die Technik für autonomes Fahren noch nicht ausgereift und keineswegs so sicher ist wie die Protagonisten es gern darstellen oder hätten. Unfälle wie zuletzt auch eines selbstfahrenden Google-Autos im März dieses Jahres lassen die Diskussion darüber schnell aufbranden.

Zwar arbeiten Autobauer und Technologiekonzerne schon länger am Roboterauto. Aber der Fahrer wird auch in Zukunft nicht zu ersetzen sein, sonst ist die Gefahr für ihn und andere Verkehrsteilnehmer zu groß. Google hatte im Kontext mit dem Unfall eine Teilverantwortung eingeräumt und zugleich erklärt, dass Fahrer in der Vergangenheit bei Google-Autos mit Autopilot immer wieder eingreifen mussten. Unfälle, in denen die Steuerungssoftware selbst Ursache eines schweren Zwischenfalls gewesen sein könnte, habe es bislang aber noch nicht gegeben.

Experte - Tesla-Unfall könnte Entwicklung fahrerloser Autos zurückwerfen

Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Bergisch Gladbach, glaubt, dass der tödliche Unfall mit dem Tesla-Auto die Entwicklung fahrerloser Fahrzeuge zurückwerfen könnte. Ängste würden durch ein tragisches Ereignis wie diesen Unfall verstärkt. "Dies kann dazu führen, dass die Sicherheitsansprüche an autonom fahrende Fahrzeuge steigen und ihre Einführung verzögern", erklärte Bratzel auf Anfrage von manger-magazin.de.

Der Unfall belege, dass Technik nicht unfehlbar ist. Langfristig werde sich das selbstfahrende Auto dennoch durchsetzen, ist der Automobilexperte überzeugt. Die häufigste Fehlerquelle beim Autofahren bleibe der Mensch. "Autonom fahrende Fahrzeuge werden den Straßenverkehr insgesamt sicherer machen und Leben retten", zeigte sich Bratzel überzeugt.

Für Tesla selbst ist der tödliche Unfall indes denkbar schlechte Publicity. Schließlich will Musk mit dem Elektroauto Model 3 spätestens ab 2018 den Massenmarkt erobern.

mit Nachrichtenagenturen
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