Montag, 24. Februar 2020

Tesla-Werk in Brandenburg Tesla fahndet nach Fledermäusen und siedelt Ameisen um

Fledermaus: 3 Abendsegler (im Bild) sowie eine Zwergfledermaus dürfen auf dem Tesla-Gelände überwintern. Waldameisen und Reptilien werden von Tesla dagegen kompromisslos umgesiedelt

Um möglichst rasch die geplante Gigafactory in Grünheide bei Brandenburg errichten zu können, wagt sich der US-Autobauer Tesla tief in das deutsche Dickicht: Vor dem Bau der geplanten Elektroauto-Fabrik will Tesla zum Beispiel mehrere Nester von Waldameisen umsiedeln und 400 Nistkästen aufhängen. Das geht aus einer Aufstellung von Maßnahmen zum Umweltschutz hervor, die der US-Konzern am Mittwoch öffentlich machte. Außerdem sollen verschiedene Reptilien umgesiedelt und mit Schutzzäunen abgesichert werden. Tesla will zudem das Abholzen der Bäume auf dem Werksgelände anderswo ausgleichen, und zwar dreifach.

Die Pläne des Elektro-Autobauers für die erste europäische Fabrik hatten nach erster Begeisterung in Deutschland für Bedenken bei Umweltschützern gesorgt. Denn das Grundstück bei Grünheide im Landkreis Oder-Spree war zwar vor rund zwei Jahrzehnten schon für den Bau eines BMW-Werks vorgesehen. Seitdem breiteten sich aber Pflanzen und Tiere ungehindert in dem Lebensraum aus, und Umweltschützer forderten eine behutsame Prüfung der Lage.

Musk lässt drei Abendsegler sowie eine Zwergfledermaus in Ruhe

Tesla ließ daraufhin nach eigenen Angaben unter anderem alle Bäume in dem Bereich nach überwinternden Fledermäusen absuchen. Sie seien dabei auf zwei Bäumen gefunden worden: eine Höhle mit einer Zwerg- oder Mückenfledermaus sowie eine Höhle mit mindestens drei Abendseglern. Die beiden Bäume sollen nun vorerst nicht abgeholzt werden. Außerdem sollen Zauneidechsen, die im Frühjahr ihre Winterquartiere verlassen, dann gefangen und umgesiedelt werden.

Das Tesla-Werk soll nach ursprünglichen Plänen im kommenden Jahr die Produktion aufnehmen. Allerdings ist bereits absehbar, dass bis Beginn der Schutzzeit angesichts der Brutsaison Mitte März nur ein Teil des Areals gerodet werden kann.

Tesla reicht Förderantrag ein: Musk will Millionen vom Steuerzahler

Während sich Tesla in Brandenburg um den Umweltschutz bemüht, bleibt die Aktie von Tesla weiterhin im Blick der Investoren: Das Papier war zuletzt zeitweise bis auf 950 US-Dollar hochgeschnellt, damit hat sich der Börsenwert des Elektroautobauers binnen drei Wochen mehr als verdoppelt. Kurz vor der psychologisch wichtigen 1000-Dollar-Marke setzten dann Gewinnmitnahmen ein, die Aktie fiel wieder auf rund 750 Dollar zurück. Aktuell pendelt sie knapp unter der Marke von 800 US-Dollar. Kursschwankungen von 10 Prozent und mehr sind bei Tesla aktuell an der Tagesordnung.

Der US-Elektroautohersteller hat außerdem den erwarteten Förderantrag für den Bau seiner Fabrik in Grünheide bei Berlin gestellt. Das sagte der Vorstandschef der zuständigen Investitionsbank des Landes Brandenburg, Tillmann Stenger, am Montag in Potsdam. "Die Unterlagen werden nun sukzessive vervollständigt." Für eine Bewilligung sei ein Investitionsplan erforderlich.

Noch könne die Höhe der Fördersumme nicht beurteilt werden. Er gehe aber davon aus, dass sie bei weit über 100 Millionen Euro liegen werde, sagte Stenger. Notwendig sei auch ein Notifizierungsverfahren bei der EU-Kommission in Brüssel. Das werde gerade vorbereitet. Wirtschaftsminister Altmaier hatte am Wochenende bekräftigt, dass Tesla durchaus für eine Förderung aus Steuergeldern in Frage komme.

Tesla Börsen-Chart zeigen will in Grünheide ein Werk bauen, in dem ab Juli 2021 jährlich bis zu 500.000 Fahrzeuge der Typen Model 3 und Y sowie künftiger Modelle vom Band rollen sollen. Derzeit läuft das umweltrechtliche Genehmigungsverfahren.

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