Mittwoch, 18. September 2019

Krankenstand der Mitarbeiter in US-Fabrik extrem gestiegen Zahl der Krankheitstage bei Tesla wächst um 300 Prozent

Tesla-Mitarbeiter im Werk Fremont (Bild Archiv)

Die Arbeitsbedingungen bei Tesla standen in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik, was Konzernchef Elon Musk schwer erzürnte. Nun zeigen von Tesla selbst gelieferte Zahlen: Der Krankenstand in der Fabrik in Fremont hat sich 2018 verdreifacht. Arbeitssicherheitsexperten sprechen von einem "dramatischen Trend". Tesla hält dagegen.

Beim Thema Sicherheit versteht Elon Musk keinen Spaß. Auf Berichte, die die Sicherheit der in Tesla-Autos verbauten Batterien oder des "Autopiloten" anzweifeln, reagiert der Tesla-Chef schon mal gereizt. Das gilt erst recht beim Thema Arbeitssicherheit. Als "ideologisch motivierten Angriff einer extremistischen Organisation" kanzelte Musk unlängst einen investigativen Bericht zu den Arbeitsbedingungen in der Fabrik in Fremont ab. Die Autoren zeichneten auch auf Basis von Mitarbeiter-Interviews das Bild eines Ortes mit vielen Arbeitsunfällen, mangelnden Sicherheitsvorkehrungen und womöglich frisierter Unfallstatistiken.

Nun könnte die Diskussion über die Arbeitsbedingungen in dem Montagewerk erneut aufflammen. Nach Zahlen, die Tesla der US-Bundesbehörde für Arbeitssicherheit OSHA (Occupational Safety and Health Administration) überlassen hat, fehlten 2018 Mitarbeiter wegen arbeitsbedingter Krankheiten und Arbeitsunfälle dreimal so lange wie im Jahr zuvor, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Absolut kletterte die Zahl der durch Krankheit bedingten Fehltage von 7619 auf 22.454. Unter Berücksichtigung des Personalzuwachses hatte sich die Zahl der Krankheitstage immer noch verdoppelt. Die Zahl der Arbeitsunfälle in Relation zu den geleisteten Arbeitsstunden sei 2018 dagegen kaum gewachsen.


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Die ehemalige OSHA-Stabschefin Deborah Berkowitz bezeichnete den Anstieg der durchschnittlichen Fehltage von 35 auf 66 als "alarmierend". Sie interpretiert dies als Beleg für die hohen Belastungen, denen die Fabrikarbeiter mit Anlauf der Massenproduktion des Model 3 ausgesetzt seien und als Indiz für die Schwere der Verletzungen, die sie bei Arbeitsunfällen erlitten hätten.

"Wichtigste Messgröße ist die der Todesfälle. Und unsere Zahl ist null."

Tesla bestreitet diese Schlussfolgerung. Die Anzahl der Fehltage und die Schwere von Verletzungen korrelierten nicht miteinander. Der Bericht dokumentiere vielmehr, dass Tesla die Produktion signifikant steigern konnte, ohne dass die Zahl der Verletzungen im Verhältnis zu den geleisteten Arbeitsstunden geklettert sei, betonte die zuständige Tesla-Managerin Laures Shelby.

Shelby hebt im Gespräch mit Bloomberg hervor, dass es in den beiden vergangenen Jahren nicht einen Todesfall in der Fabrik gegeben habe. "Die wichtigste Messgrößte ist die der Todesfälle. Und unsere Zahl ist null".

Sicherheit in der Produktion sei ein dominierendes Thema bei dem kalifornischen Autobauer. Jeder Produktionsschritt werde unter Sicherheitsaspekten geplant und ausgeführt. Auch gebe das Unternehmen den Mitarbeitern ausreichend Zeit sich zu erholen, selbst wenn dies Teslas OSHA-Statistiken verschlechtern sollte.

Tesla habe im vergangenen Jahr auch viel für die Unfallprävention getan. So habe der Autobauer 35 neue Mitarbeiter eingestellt, die sich um Gesundheit, Umwelt und Sicherheitsfragen kümmerten. Überdies habe Tesla seit Mitte 2017 4,3 Millionen Dollar lediglich für ergonomische Verbesserungen des Arbeitsprozesses in seiner Fabrik ausgegeben.

US-Arbeitssicherheitsexperte sieht "dramatischen Trend"

Kritiker zeigen sich gleichwohl wenig davon beeindruckt. Der Arbeitsschutzexperte Peter Dooley sieht in den jüngsten OSHA-Zahlen für Tesla einen "ziemlich dramatischen Trend". Sie seien ein Indikator für "ernsthafte Probleme", meinte Dooley, der auch die Autogewerkschaft UAW berät.

Im Oktober vergangenen Jahres hatte Elon Musk das Ziel formuliert, die "sichersten Fabriken der Welt" zu besitzen, in die Mitarbeiter morgens mit Freude ihre Arbeit aufnähmen. Offensichtlich ist Musk von diesem Ziel noch weiter entfernt als gedacht.

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