Tesla, EnBw, Fastned Nicht nur Tanken wird teurer – laden auch

Die Ausschläge an den Energiemärkten erreichen das Elektroautosegment. Tesla erhöht europaweit die Preise, EnBW wartet noch. Und der Fastned-Chef denkt sogar über dynamische Preismodelle wie an Tankstellen nach.
Rohstoffverbindung: Der Strom für die Ladesäulen ist teuer geworden

Rohstoffverbindung: Der Strom für die Ladesäulen ist teuer geworden

Foto: MiS / picture alliance / M.i.S.-Sportpressefoto

Der US-Konzern Tesla erhöht europaweit die Tarife an den eigenen Ladesäulen. Ab sofort sind dort in Deutschland 48 Cent pro Kilowattstunde fällig. Nach der Preiserhöhung vom Dezember hat sich der Preis damit binnen kurzer Zeit um 8 Cent erhöht. 2020 lag er sogar noch bei 33 Cent pro Kilowattstunde. Hintergrund dürften die seit Kriegsausbruch sprunghaft gestiegenen Strompreise sein. Am Spotmarkt an der Leipziger Strombörse hatten sich die Großhandelspreise für Deutschland seit Ausbruch des Krieges zeitweise verdreifacht.

Damit erreichen die wilden Schwankungen bei den Energiepreisen auch das Elektroautosegment. Die Ölpreise hatten in dieser Woche bereits Höhen erreicht wie seit 2008 nicht mehr. An den Tankstellen übersetzte sich das in die höchsten Spritpreise aller Zeiten. Der ADAC meldete am Mittwoch einen Preisanstieg um fast 40 Prozent in nur einer Woche; Diesel kostete im Bundesschnitt 2,15 Euro, Super E10 kam auf 2,10 Euro. Nun wird es auch an den Ladesäulen teurer.

Tesla betreibt in Deutschland ein Netz von mehr als 110 Superchargern. Im Februar waren Pläne bekannt geworden, es in diesem Jahr deutlich auszubauen und rund 70 weitere Stationen zu errichten. Während Tesla nun in Deutschland knapp 7 Prozent mehr verlangt, steigen die Preise in anderen Ländern teilweise drastisch. In Österreich um 14 Prozent, in Schweden um 17 Prozent und in den Niederlanden sogar um 37 Prozent.

Andere Ladesäulen-Betreiber halten sich noch zurück. Der Energiekonzern EnBW, mit rund 700 Schnellladestation in Deutschland der Marktführer, hat bislang keine Anpassungen vorgenommen. Ohne Grundgebühr zahlen Kunden dort weiter zwischen 45 und 55 Cent pro Kilowattstunde. "Wir wollen die Preise möglichst lange stabil halten", sagte ein Sprecher auf Anfrage des manager magazins. Aber die Lage sei dynamisch, natürlich schaue man sich den Markt an.

EnBW hat als Stromkonzern mit eigenen Kraftwerken allerdings eine andere Ausgangslage. Der Riese kauft ohnehin große Mengen für seine Kunden am Markt ein – mit entsprechend hoher Verhandlungsmacht. Kleinere Anbieter sind dagegen stärker von den tagesaktuellen Schwankungen abhängig.

Dazu zählt auch das niederländische Start-up Fastned. Die börsennotierte Firma kauft den Ökostrom für die eigenen Säulen am Spotmarkt – die Schwankungen dort schlagen direkt auf die Marge durch. "Natürlich wird unser Einkauf aufgrund des Krieges teurer. Lange waren die Spotmarktpreise positiv für unser Geschäftsmodell, jetzt sind sie negativ", sagt Vorstandschef Michiel Langezaal im Interview mit dem manager magazin. Erst im vierten Quartal 2021 hatte er die Preise um 17 Prozent auf 69 Cent je Kilowattstunde erhöht. Grund waren auch hier die seit Monaten gestiegenen Strompreise. Ob es nun kurzfristig zu weiteren Anpassungen kommt, will der Chef nicht kommentieren.

Langfristig wird daran wohl kein Weg vorbeiführen, wenn sich die Marktlage nicht deutlich entspannt. "Was im Laufe des Jahres und vor allem im nächsten Winter hinsichtlich der Preise an unseren Ladesäulen passiert, ist unklar", sagt Langezaal. "Wie jedes andere Unternehmen im Energiesegment müssen wir mit dem Markt gehen."

Ob die Preise an den Ladesäulen irgendwann so dynamisch auf Marktschwankungen reagieren wie heute schon an den Tankstellen, ist umstritten. Verbraucherschützer fordern Transparenz. Und strategisch besteht für die Anbieter das Dilemma, dass der Strom über das Ladekabel im eigenen Keller ohne Preisschwankungen kommt. Bei EnBW erteilt man einem dynamischen Modell eine Absage. Fastned-Chef Langezaal dagegen hält sich auch diese Option offen: "Wir müssen sehen, wie das umzusetzen ist", sagt er. "Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen."

lhy