Tesla-Chairwoman Robyn Denholm Diese Frau soll auf Elon Musk aufpassen

Robyn Denholm: Teslas neue Verwaltungsratschefin wird CEO Elon Musk kontrollieren

Robyn Denholm: Teslas neue Verwaltungsratschefin wird CEO Elon Musk kontrollieren

"Möchte Robyn dafür danken, dass Sie ins Team kommt. Großen Respekt. Freue mich auf die Zusammenarbeit."

So kurz und knapp begrüßte Tesla-CEO Elon Musk am Donnerstag seine neue Chefin Robyn Denholm. Fünf Tage waren Tesla  da noch geblieben, um die künftige Besetzung des Verwaltungsratsvorsitzes bekanntzugeben. Das war Teil des Deals, den Tesla mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC geschlossen hatte. Im Zuge der mittlerweile abgeblasenen Delisting-Pläne von Tesla waren Vorwürfe lautgeworden, Musk habe Investoren vorsätzlich in die Irre geführt und Kursmanipulation betrieben.

Nun muss Musk einen Teil seiner Macht abgeben. Er behält zwar den CEO-Posten bei Tesla . Den zusätzlichen Posten als Chairman, den er seit 14 Jahren innehatte, gibt er jedoch gezwungenermaßen ab.

Mit Denholm übernimmt diesen Job keine Unbekannte. Die 55-Jährige ist bereits seit 2014 Mitglied im Tesla-Board und ist dort unter anderem für Finanzthemen zuständig.

Das sei etwa so, wie wenn man außerhalb eines Kinos einen Film bewerten müsse, fasste sie Anfang des Jahres ihre Tätigkeit in einem Interview zusammen.  "Ab und zu muss jemand rauskommen und dir erzählen, was so im Film passiert und andeuten, wie es weiter gehen könnte."

Die Australierin stieß als Außenstehende zu dem Autobauer

Mit Denholm ist die Wahl auf eines der unabhängigeren Verwaltungsratsmitglieder gefallen. Anders als beispielsweise Musks Bruder Kimbal oder der Wagniskapitalgeber Steve Jurvetson stieß die gebürtige Australierin als weitgehend Außenstehende zu dem Autobauer. Allerdings eine mit beträchtlicher Erfahrung, nicht nur im Technologie- und Finanzbereich, sondern auch im Automobilsektor - und mit langjähriger Erfahrung im Umgang mit der SEC.

Als Tochter eines Tankstellenbesitzers aus einem Vorort von Sydney studierte Denholm Wirtschaft, Rechnungswesen und Handel an den Universitäten Sydney und New South Wales - und lernte früh ihre Leidenschaften zu kombinieren: Indem sie ihrem Vater bei der Buchhaltung half, aber auch - so zumindest die Legende - eine Begeisterung fürs Schrauben entwickelte.

Ihre ersten Karriereschritte machte Denholm Mitte der 80er Jahre bei Arthur Anderson, bevor sie 1989 zu Toyota  und danach elf Jahre zu Sun Microsystems Australien wechselte. Für Sun ging sie auch später mit Mann und ihren zwei Kindern für etwa zwei Jahrzehnte ins Silicon Valley. Dort arbeitete sie zunächst für Sun und anschließend neun Jahre - unter anderem als CFO - beim Netzwerkausrüster Juniper Networks, wo sich der Umsatz in ihrer Zeit mehr als verdoppelte.

Warum die Wahl auf Robyn Denholm fiel

Im Jahr 2016, als sie nach eigenen Angaben eigentlich ein Sabattical mit ihrem Mann einlegen wollte, kam dann der Ruf aus ihrem Heimatland Australien. Der australische Telekommunikationskonzern Telstra wollte sie als COO . Ein Angebot, dass sie nicht habe ablehnen können, wie sie später erklärte. Bei dem aktuellen Angebot von Tesla dürfte es ähnlich gewesen sein.

Auch wenn Denholms Verbindung zu Musk deutlich weniger eng ist als die vieler anderer Verwaltungsratsmitglieder: Als laute Kritikerin ist die Finanzvorständin bislang nicht aufgefallen. Auch nicht bei der umstritten 2,6 Milliarden-Übernahme der Ökostromfirma SolarCity, im Zuge derer einige Investoren die Unabhängigkeit des Gremiums in Frage gestellt hatten.

Mit Unkonventionalität hat die 55-Jährige, die nach eigenen Angaben schon ihren dritten Tesla fährt, kein Problem. "Es ist mir egal, wie jemand aussieht." Wenn alle auf die gleiche Art und Weise dächten, seien schließlich keine neuen Innovationswellen möglich.

"Wenn man nie Fehler macht, versucht man es nicht genug"

Mit Geschwindigkeit hat sie noch weniger Probleme: Sie springe zwar nicht aus Flugzeugen oder praktiziere Bungee-Jumping - aber sie nehme professionelle Riskiken an und versuche, auf Basis der zu Verfügung stehenden Informationen schnell zu entscheiden, sagte sie einmal in einem Interview.  "Wenn man nie Fehler macht, versucht man es nicht genug." Eine Einstellung, die auch Elon Musk gefallen dürfte.

Sie glaube an diese Firma, an ihre Mission und freue sich darauf, "Elon und dem Tesla-Team dabei zu helfen, nachhaltige Profitabilität zu erreichen und den Shareholder-Value langfrsitig nach oben zu treiben", erklärte Denholm am Donnerstag.

Nach massivem Druck auf Musk klingt das nicht. Und doch sollte sich Elon Musk wohl darauf einstellen, dass Denholm, die den Posten ab Mai in Vollzeit antreten soll, sich künftig mehr einmischen wird - schon allein weil der juristische Ärger für Tesla noch lange nicht ausgestanden ist. Mit dem Platz vor dem Kino wird sie sich künftig wohl nicht mehr zufriedengeben.