Tesla-Werk Grünheide Werk bei Berlin soll weltgrößte Batteriefabrik werden

In einer Konferenz mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier macht Tesla-Chef Elon Musk ein großes Versprechen. Das Brandenburger Werk solle neue Modelle extra für Europa herstellen - und Batterien im ganz großen Stil.
Großbaustelle: Tesla-Chef Elon Musk rühmte den Werksbau in Grünheide (Mark) schon im September als "wichtigste Autofabrik der Welt"

Großbaustelle: Tesla-Chef Elon Musk rühmte den Werksbau in Grünheide (Mark) schon im September als "wichtigste Autofabrik der Welt"

Foto: Thomas Bartilla / imago images/Future Image

Tesla-Chef Elon Musk (49) will das künftige Werk des Elektroautoherstellers bei Berlin auch zur weltgrößten Batteriefabrik machen. Das kündigte Musk am Dienstag in einem per Video übertragenen Auftritt bei einer Konferenz zur europäischen Batteriewirtschaft an. Tesla will nach früheren Ankündigungen in Grünheide bei Berlin jährlich rund 500.000 Wagen der kompakten Fahrzeuge Model 3 und Model Y bauen.

"Musk steht zu seinem Investment in Brandenburg", sekundierte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU). Tesla könne laut Altmaier mit einer "beträchtlichen Förderung" des Staates rechnen. Details könne er nennen, sobald das zweite Großprojekt zur Batteriezellfertigung von der EU-Kommission genehmigt worden sei, was demnächst passieren dürfte, sagte der CDU-Politiker.

Musk deutete bei dem Auftritt auch neue Kompaktmodelle speziell für den europäischen Markt an und stellte längere Reichweiten als bisher in Aussicht. "Möglicherweise wäre es in Europa sinnvoll, einen Kleinwagen zu bauen, vielleicht ein Schrägheckauto oder etwas in der Art", sagte Musk auf der Onlinekonferenz über Batterien, die die Bundesregierung ausrichtete. Details zu möglichen Fahrzeugen oder Zeiträumen nannte er nicht.

Der Tesla-Chef hatte bereits im September nur noch halb so teure Batterien und ein Elektroauto für 25.000 Dollar für die nächsten drei Jahre angekündigt. Am Dienstag sagte er, dass die umweltfreundlicheren, günstigeren und stärkeren Batterien bei Berlin gefertigt werden sollen und bestätigte damit jüngste Spekulationen. Tesla braucht große Akkupakete unter anderem für den Elektrosattelschlepper, der gerade für den Marktstart vorbereitet wird, sowie für den künftigen Cybertruck-Pickup.

VDA-Chefin Hildegard Müller spricht von 10.000 Arbeitsplätzen

Dass Tesla in Grünheide neben Autos auch Batteriezellen fertigt, ist erst seit einigen Monaten sicher. Im ersten vorläufigen Bauantrag, den manager magazin im Janauar einsehen konnte, war noch keine Rede von einer eigenen Zellenfertigung. Daher stellte sich die Frage, ob die Pläne das Attribut "giga" überhaupt verdienen. Den Namen Gigafactory ersann Musk ursprünglich für die Batteriefabrik im US-Staat Nevada, weil die Anlage eine Kapazität zur Produktion von Batteriezellen mit 35 Gigawattstunden pro Jahr hat. Seither hat Elon Musks Unternehmen jedoch die Baupläne für Grünheide mehrfach überarbeitet und nun auch eine Zellenfertigung zur Genehmigung eingereicht.

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Musk auf Deutschland-Tour

Foto: Pool / Getty Images

Die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller (53), sprach von einer "starken Nachricht für den Automobilstandort Deutschland". Durch die Förderung von Bundeswirtschaftsminister Altmaier entstehe die größte Batteriefabrik der Welt. "Wir begrüßen das Vorhaben, die umweltfreundlichsten Batteriezellen in Deutschland herzustellen. Dadurch entstehen 10.000 Arbeitsplätze."

Bisher produziert Tesla Batterien in Nevada, während im Stammwerk im kalifornischen Fremont der Großteil der Fahrzeuge gebaut wird. Allerdings steht die Kooperation mit dem japanischen Batteriezellenhersteller Panasonic durch einen Managementwechsel vor einer Bewährungsprobe, weil mit Kazuhiro Tsuga (63) einer der wichtigsten Unterstützer von Tesla-Chef Musk bei dem japanischen Konzern von Bord geht.

Batteriepartner Panasonic hofft noch auf Tesla-Auftrag für Werk in Norwegen

Seit dem Start des Tesla Roadster im Jahr 2009 beliefert Panasonic Tesla mit Lithium-Ionen-Zellen und baute die Kooperation weiter aus. Die erste Gigafactory in Nevada ist ein Gemeinschaftsprojekt beider Unternehmen. Das gute Verhältnis bekam aber mit dem Beginn der Model-3-Produktion Risse: Musk warf Panasonic in mehreren Tweets vor, dass Schwierigkeiten bei der Zellenproduktion der Hauptgrund seien für die "Produktionshölle", wie Musk die Anlaufprobleme des Massenmodells bezeichnete. Das Verhältnis der beiden Partner kühlte dadurch merklich ab und gilt seither als angespannt.

Zur Missstimmung dürfte wohl auch beigetragen haben, dass Tesla sich offensichtlich nicht mehr eng an die Partnerschaft gebunden fühlt. Vor gut einem Jahr kaufte Tesla den US-Batteriespezialisten Maxwell. Das Unternehmen hält unter anderem ein Patent für eine "trockene" Elektrode, mit der Lithium-Ionen-Batterien schneller ladbar und leistungsfähiger werden könnten - sofern Maxwell die Großserienproduktion seiner Innovation gelingt.

In der vergangenen Woche kündigten Panasonic und die norwegischen Konzerne Equinor sowie Norsk Hydro an, den Bau einer Batteriefabrik in Norwegen zu prüfen. Eine Panasonic-Sprecherin erklärte, das Werk könnte dazu dienen, die Tesla-Fabrik in Brandenburg zu beliefern.

Mehrfach gab es auch Berichte, dass Tesla an eigenen Zellchemien arbeitet. Erst im September hatte Musk über Innovationen in der Batterietechnologie gesprochen, die Hoffnungen auf einen unmittelbaren Durchbruch aber zuvor bei Twitter gedämpft. In seiner Gigafactory in Shanghai setzt Tesla auf eine Kooperation mit Chinas Zellenriesen CATL. Wer die Lithium-Ionen-Zellen in Teslas europäischer "Gigafactory" in Grünheide bauen soll, ist noch nicht bekannt.

rei/wed/dpa-afx/Reuters
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