Musk fordert mehr Produktivität von Mitarbeitern Tesla verordnet 24-h-Produktion und setzt Mitarbeiter Druck

Tesla-Chef Elon Musk zieht die Zügel an. In der Fabrik in Fremont sollen die Bänder nach der Zwangspause künftig rund um die Uhr laufen. Damit Musk sein Produktionsversprechen für das Model 3 halten kann, will er nicht nur mehr Personal einstellen, sondern gibt auch klare Verhaltensregeln vor. Alles ist künftig dem Ziel eines höheren Outputs untergeordnet. Wer sich nicht fügt, dem droht Musk unverblümt mit Rausschmiss.
Tesla-Chef Elon Musk hatte in der Vergangenheit schon mehrere Produktionsversprechen nicht halten können: Jetzt erhöht er beim Model 3 den Druck auf Zulieferer und die Belegschaft erheblich

Tesla-Chef Elon Musk hatte in der Vergangenheit schon mehrere Produktionsversprechen nicht halten können: Jetzt erhöht er beim Model 3 den Druck auf Zulieferer und die Belegschaft erheblich

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Preis, Reichweite, Spurtstärke...: Wie einzigartig ist Teslas Model 3 wirklich?

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Tesla-Chef Elon Musk hatte unlängst die Produktion des Model 3 zur Chefsache erklärt und betont, er "schlafe wieder in der Fabrik". Nach mehreren Rückschlägen will der Elektroautobauer nun in einem Kraftakt beweisen, dass er sehr wohl in der Lage ist, Elektroautos in großer Serie zu bauen und auch an den Mann zu bringen. Daran waren durch eine weitere Produktionsunterbrechung zuletzt erneut Zweifel aufgekommen.

Um die Ziele endlich zu erreichen, sollen die Produktionsbänder jetzt 24 Stunden am Tag laufen und Hunderte neue Arbeitskräfte eingestellt werden. Musk will so seine neue interne Vorgabe erreichen, bis Ende Juni 6000 Model 3 pro Woche zu fertigen. Das geht aus einer Mail an die Mitarbeiter hervor, die am Dienstag die US-Technologieblogs "Electrek"  und "Recode"  veröffentlichten.

Die erhöhte Produktionsrate sei notwendig, um unter Berücksichtigung einer Fehlerspanne das öffentlich angekündigte Ziel von 5000 Wagen pro Woche tatsächlich zu erreichen. Jede Abteilung und jeder Zulieferer, der damit überfordert sei, brauche eine "sehr gute Erklärung" und einen "Plan zur Lösung des Problems", der Musk persönlich zu unterbreiten sei, schreibt der Tesla-Chef.

Langatmige Meetings sind zu verlassen und Abkürzungen künftig verboten

Am Ende der Mail listet Elon Musk zudem eine ganze Reihe von Verhaltensregeln auf, mit denen die Tesla-Mitarbeiter ihren Arbeitsalltag effektiver gestalten sollen, um keine Zeit zu verschwenden und auch ihre persönliche Produktivität zu steigern. So sollten die Beschäftigten nicht nur die Zahl der Meetings reduzieren, sondern diese auch sofort verlassen, wenn sich abzeichne, dass sie keinen "Mehrwert" brächten.

"Mehrwert" ist dabei unausgesprochen das zentrale Leitbild, dem sich alle Tesla-Beschäftigten unterzuordnen haben. Abkürzungen oder Akronyme seien künftig zwingend zu vermeiden. Alles, was eine Erklärung erfordere, verhindere in der Regel eine schnelle und effektive Kommunikation. "Wir wollen nicht, dass sich die Leute ein Glossar einprägen müssen, nur um bei Tesla zu funktionieren."

Musk will volle Kostenkontrolle, droht Managern unverblümt mit Rausschmiss

Kommuniziert werde zudem auf dem kürzesten Wege, der notwendig sei, um eine Arbeit zu erledigen, und nicht über "Befehlsketten". Jedem Manager, der diese Anweisung missachte und auf selbst gesetzte Kommunikationsabläufe bestehe, werde "bald anderswo arbeiten", droht der Tesla-Chef unmissverständlich mit Rausschmiss.

Zugleich besteht Musk auf volle Kostenkontrolle: Jede Ausgabe von mehr als einer Million Dollar hat künftig solange zu warten, bis er sie persönlich genehmigt, warnt er leitende Mitarbeiter und beschneidet damit zugleich ihre Kompetenz.

Mit anderen Worten: Elon Musk kehrt jetzt mit eisernem Besen durch die Tesla-Fabrik, erhöht innerhalb und außerhalb der Mauern im kalifornischen Fremont den Druck ganz erheblich.

Bericht über Unfallstatistik in Tesla-Fabrik sorgt für Aufregung

Ob so eine Ansprache der Mitarbeiter strategisch hilfreich ist, muss sich noch erweisen. Sie dokumentiert zugleich, unter welch großem Druck Elon Musk derzeit auch selbst steht. Dabei sorgt gerade jetzt ein kritischer Bericht für erhebliche Diskussion über die Arbeitsbedingungen und Unfallgefahren in der Tesla-Fabrik.

In dem Werk in Fremont, in dem bis 10.000 Menschen beschäftigt sind, erlitten in der Vergangenheit dem Bericht zufolge jeden Tag im Schnitt zwei Mitarbeiter einen Arbeitsunfall. Die Sicherheitsvorkehrungen seien nicht ausreichend, lautet der Vorwurf. Die Rate der Arbeitsunfälle in der Fabrik in Fremont liege deutlich über dem Schnitt der restlichen Autoindustrie. Zugleich frisiere der Autobauer die Statistik über die Arbeitsunfälle in seiner Fabrik. Tesla dementierte den Bericht lautstark und entschieden.

Bericht über Unfallstatistik in Tesla-Fabrik sorgt für Aufregung

Der Elektroautopionier setzt große Hoffnungen auf das Model 3, das der Firma den Weg von der Nische in den Massenmarkt ebnen soll. Allerdings hatte Musk seine Produktionsprognosen für das Volumenmodell schon mehrfach revidieren müssen. Für das Auto sollen 400.000 Vorbestellungen vorliegen, mittlerweile hätten genervte Kunden bereits ihre Bestellung storniert, räumte Elon Musk zuletzt ein.

In dem Interview mit den TV-Sender CBS räumte der Manager auch Fehler ein - zum Beispiel dass die Produktionsprobleme von einer übertriebenen Automatisierung verschärft wurden. So bestätigte Musk gegenüber CBS, dass Roboter die Fertigung in einigen Fällen verlangsamt hätten. Später schrieb er bei Twitter: "Ja, die übertriebene Automatisierung bei Tesla war ein Fehler. Um genau zu sein, mein Fehler. Menschen sind unterbewertet."

So richtig abnehmen will man das Elon Musk angesichts der jüngsten knallharten Ansagen nicht so recht.

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