"Schlechtes Gefühl" Tesla-Chef Elon Musk will jeden zehnten Mitarbeiter entlassen

JPMorgan-Chef Jamie Dimon, Goldman-Sachs-Präsident John Waldron – und nun Elon Musk: Sie alle warnen vor einem beispiellosen Crash der Wirtschaft. Der Tesla-Chef sieht sich zum Handeln gezwungen.
"Schlechtes Gefühl": Tesla-Chef Elon Musk reiht sich ein in die Riege der Banker wie JPMorgan-Chef Jamie Dimon oder Goldman-Sachs-Präsident John Waldron, die vor einem Crash warnen

"Schlechtes Gefühl": Tesla-Chef Elon Musk reiht sich ein in die Riege der Banker wie JPMorgan-Chef Jamie Dimon oder Goldman-Sachs-Präsident John Waldron, die vor einem Crash warnen

Foto: Jim Watson / AFP

Der Elektroautobauer Tesla will offenbar rund 10 Prozent seiner insgesamt 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen und alle Einstellungen stoppen. "Ich habe ein super schlechtes Gefühl in Bezug auf die Wirtschaftsentwicklung", schrieb Konzernchef Elon Musk (50) in einer internen E-Mail, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Die E-Mail mit dem Titel "pause all hiring worldwide" (weltweiter Einstellungsstopp) sei am Donnerstag an alle Tesla-Führungskräfte verschickt worden. Bisher hatte Tesla allein auf der Netzwerkplattform LinkedIn weltweit etwa 5000 Stellen ausgeschrieben – vom Vertrieb in Tokio über Ingenieure in der neuen Berliner Gigafactory bis hin zu Deep-Learning-Wissenschaftlern in Palo Alto. Eine offizielle Mitteilung des Autobauers zu dem geplanten Stellenabbau liegt bisher nicht vor.

Die Aktien  des US-Konzerns sackten um mehr als 4 Prozent ab und notierten damit wieder unter 700 Euro. Zuletzt hatten sie sich von ihrem Tief seit Sommer 2021 bei rund 580 Euro deutlich erholt.

Auch die Wall Street ist bereits alarmiert

Musks eindringliche Warnung vor einer möglichen Rezession und den Folgen für die Automobilhersteller ist die direkteste und öffentlichkeitswirksamste Prognose dieser Art in der Branche. An der Wall Street herrscht bereits Alarmstimmung. Am Mittwoch hatte JPMorgan-Chef Jamie Dimon (66) vor einem aufziehenden "Hurrikan" gewarnt. "Der Wirbelsturm ist da draußen und er kommt auf uns zu", sagte der CEO der größten Bank der USA angesichts einer drohenden Rezession.

Nur einen Tag später äußerte sich der zweithöchste Manager des Rivalen Goldman Sachs mindestens ähnlich alarmiert. Die Weltwirtschaft werde gerade von einer Reihe Erschütterungen gleichzeitig getroffen, warnte der President und Chief Operating Officer, John Waldron (50). "Dies ist eines der komplexesten, wenn sogar das komplexeste und dynamischste Umfeld, das ich in meiner Karriere je erlebt habe", so Waldron auf einer Investorenkonferenz.

Die Inflationsrate in den USA liegt inzwischen bei 8,3 Prozent und damit so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die US-Notenbank Fed hat zur Bekämpfung der hohen Inflation bereits eine radikale Zinswende eingeleitet.

Tesla hat Mitarbeitern im Homeoffice mit Entlassung gedroht

Anfang der Woche hatte Musk die Belegschaft aufgefordert, ins Büro zurückzukehren oder das Unternehmen zu verlassen. "Jeder bei Tesla ist verpflichtet, mindestens 40 Stunden pro Woche im Büro zu verbringen", schrieb Musk in einer E-Mail, die er am Dienstagabend an seine Mitarbeiter schickte. "Wenn Sie nicht auftauchen, gehen wir davon aus, dass Sie gekündigt haben." Für Musk wäre dies sicher die günstigere Möglichkeit, einen Teil der Belegschaft loszuwerden, da Tesla in diesem Fall keine Abfindung zahlen müsste.

Musk sorgt immer wieder für Verwirrung

Der Tech-Milliardär ist bekannt für sein erratisches Verhalten. Zuletzt sorgte er mit seinen Übernahmeplänen bei dem Kurznachrichtendienst Twitter für Verwirrung. Rund 44 Milliarden US-Dollar wollte der derzeit reichste Mann der Welt ursprünglich für das Unternehmen bezahlen. Kurze Zeit später legte er die Übernahme allerdings auf Eis – angeblich, um die Anzahl der Fake-Accounts zu überprüfen. Die Twitter-Aktie  schickte er damit auf Talfahrt.

Angesichts des gesunkenen Aktienkurses brachte er anschließend einen niedrigeren Preis für den Kurznachrichtendienst ins Spiel. Spekuliert wird daher auch, dass Musks Finanzierung für den Milliardendeal wackelt. Schließlich ist auch die Aktie von Tesla im Sog des Kursrutsches an der Nasdaq unter Druck geraten. Ursprünglich wollte Musk für rund zwölf Milliarden Dollar des Kaufpreises Kredite aufnehmen, die mit seinen Tesla-Aktie besichert sein sollten.

Rekordgewinn im ersten Quartal

Im ersten Quartal 2022 fuhr Tesla noch Rekordmarken bei Gewinn, Umsatz und Absatz ein. So stieg der Umsatz von 10,3 auf 18,8 Milliarden Dollar. Der Gewinn lag mit 3,3 Milliarden Dollar deutlich über den Erwartungen. Die operative Marge, ein wichtiger Vergleichswert in der Autobranche, lag bei stolzen 19,2 Prozent – und damit nochmals 4,5 Prozentpunkte über dem bisherigen Spitzenwert aus dem Schlussquartal 2021. Wegen der rasant steigenden Rohstoffpreise warnte Tesla-Chef Musk allerdings davor, dass der Konzern mit einem erheblichen Inflationsdruck konfrontiert sei. Höheren Preise sollten die höheren Kosten für die nächsten sechs bis 12 Monate aber abdecken, hieß es.

mg/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.