Bann des chinesischen Militärs Spionage mit Tesla? Elon Musk versucht sich als Diplomat

Elon Musk versucht, Chinas Führung zu besänftigen. Auf einer Konferenz in Peking weist der Tesla-Chef den Verdacht zurück, seine Autos könnten für Amerika spionieren. China erwägt offenbar einen Tesla-Bann für Militär und Staatsfirmen.
Diplomat: Zugeschalteter Tesla-Chef Elon Musk auf dem Chinesischen Entwicklungsforum am Samstag in Peking

Diplomat: Zugeschalteter Tesla-Chef Elon Musk auf dem Chinesischen Entwicklungsforum am Samstag in Peking

Foto: Wu Hong / EPA

Der Chef des Elektroautoherstellers, Elon Musk (49), wirbt in China um Vertrauen. "Es gibt einen sehr starken Anreiz für uns, mit Informationen sehr vertraulich umzugehen", sagte Musk am Samstag als online zugeschalteter Teilnehmer des Chinesischen Entwicklungsforums in Peking. Er reagierte damit auf Medienberichte, wonach Tesla-Fahrzeuge wegen Sicherheitsbedenken nicht mehr auf chinesisches Militärgelände dürfen. "Sollte Tesla Autos benutzten, um in China oder anderswo zu spionieren, werden wir dichtgemacht."

Insidern zufolge hat die Staatsführung Sicherheitsbedenken wegen in den Fahrzeugen verbauter Kameras. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal"  werden Autos von Tesla nicht nur von Gelände des chinesischen Militärs verbannt. Auch Beschäftigte staatlicher Schlüsselunternehmen dürfen sie demnach künftig nicht mehr benutzen. Zuvor hatten die Behörden einen Sicherheitsbericht erstellt, in dem auf die Fähigkeit der in den Fahrzeugen verbauten Kameras zu permanenten Aufnahmen verwiesen wurde. Auch wegen der potenziell von Tesla gesammelten Daten wie des Fahrtverlaufs der Autos oder Kontaktlisten der mit den Autos verbundenen Smartphones gebe es Bedenken. Die sensiblen Daten aus China könnten via Tesla in die Hände der USA gelangen.

Der Bericht wurde als Antwort auf den von der US-Regierung betriebenen Ausschluss chinesischer Technologie wie der Mobilfunkinfrastruktur von Weltmarktführer Huawei gesehen. Chinas Präsident Xi Jinping (67) fordert schon lange, sein Land solle sich auf völlige technologische Autarkie vorbereiten.

Diplomatische Offensive

Es wäre gut, wenn China und die USA mehr Vertrauen ineinander aufbrächten, sagte Musk auf dem Forum. Der Tesla-Chef trat als Diskussionspartner des Quantenphysikers und Universitätsdirektors Xue Qikun auf der hochrangigen Wirtschaftskonferenz auf, die von einer zum Staatsrat gehörenden Stiftung in einem staatlichen Pekinger Gästehaus abgehalten wurde.

Zugleich trafen sich chinesische und amerikanische Diplomaten in Alaska zum ersten persönlichen Treffen, seit US-Präsident Joe Biden (78) im Januar angetreten hatte. Der Auftakt der Konferenz wurde überschattet von einem unter Diplomaten unüblichen, offenen Schlagabtausch mit unverblümt vorgetragenen gegenseitigen Vorwürfen.

China ist der mit Abstand größte Automarkt der Welt, besonders für Elektroautos. 2020 verkaufte dort Tesla dank des neu eröffneten Werks in Shanghai 147.445 Fahrzeuge, 30 Prozent seines globalen Absatzes, und setzte sich erstmals als Marktführer vor den einheimischen Herstellern durch. Tesla plant, sein Angebot in China mit dem Model Y noch deutlich auszuweiten, sieht sich aber auch wieder steigender Konkurrenz durch chinesische Elektroautohersteller gegenüber.

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Die meistverkauften Elektroautos der Welt

Foto: Ding Ting / imago images/Xinhua

Elon Musk hat schon mehrere öffentlichkeitswirksame Auftritte in China hinter sich. 2019 disktutierte er mit Alibaba-Gründer Jack Ma, der aktuell durch Konflikte mit der chinesischen Staatsführung navigiert, über künstliche Intelligenz und die Kolonisierung des Mars. Als er im Januar 2020 das Tesla Model 3 für den chinesischen Markt enthüllte, tanzte er in Shanghai auf der Bühne.

ak/Reuters