Rekordgewinn im ersten Quartal Handel mit Bitcoin und Abgasrechten - das ist nicht Teslas Kerngeschäft

Zum siebten Mal in Folge erwirtschaftet Tesla einen Quartalsgewinn. Zu verdanken ist dies allerdings auch dem Handel mit Abgasrechten und Bitcoins. Anleger reagieren enttäuscht.
Da wird man nachdenklich: Der siebte Quartalsgewinn in Folge, den Tesla-Chef Elon Musk heute verkündet hat, beeindruckt Anleger nicht wirklich

Da wird man nachdenklich: Der siebte Quartalsgewinn in Folge, den Tesla-Chef Elon Musk heute verkündet hat, beeindruckt Anleger nicht wirklich

Foto: Susan Walsh / dpa

Der US-Elektroautobauer Tesla hat zu Jahresbeginn weiter kräftiges Wachstum verbucht und seinen bislang höchsten Quartalsgewinn erreicht. In den drei Monaten bis Ende März verdiente das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk (49) unter dem Strich 438 Millionen Dollar (362 Millionen Euro), wie es am Montag nach US-Börsenschluss mitteilte. Vor einem Jahr hatte die Bilanz lediglich ein leichtes Plus von 16 Millionen Dollar ausgewiesen. Der Bau der ersten europäischen Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin geht indes weiter voran - aber offenbar nicht mehr ganz so schnell wie erhofft.

Tesla schaffte damit im Auftaktquartal bereits das siebte Vierteljahr mit schwarzen Zahlen in Folge. Ein wichtiger Faktor war jedoch abermals der Handel mit Abgaszertifikaten, die andere Autobauer benötigen, um ihre Emissionsbilanz aufzubessern und so gesetzliche Vorgaben etwa in Kalifornien oder Europa zu erfüllen. Im ersten Quartal setzte Tesla damit 518 Millionen Dollar um, ein Anstieg von 46 Prozent.

Millionengewinn mit Bitcoin - und mit Abgaszertifikaten

Außerdem profitierte die Bilanz von einer Investition in die Kryptowährung Bitcoin, mit der das Unternehmen im Februar Schlagzeilen gemacht hatte. Tesla hatte sich für 1,5 Milliarden Dollar mit Bitcoins eingedeckt, dann rund 300 Millionen wieder verkauft und daran gut 100 Millionen Dollar verdient. Die Erlöse des Autobauers stiegen insgesamt um 74 Prozent auf 10,4 Milliarden Dollar.

Obwohl die Zahlen im Rahmen der Markterwartungen lagen, geriet die Aktie  nachbörslich deutlich ins Minus. "Höhere Umweltzertifikate, niedrigere Steuern und Bitcoin-Verkäufe haben dem Ergebnis Auftrieb gegeben", sagte Analyst Craig Irwin von Roth Capital Partners. Rechne man diese Faktoren heraus, habe Tesla die Erwartungen deutlich verfehlt. Andere Experten erklärten, der Umsatz liege den Investoren zu nahe an den Vorhersagen von 10,3 Milliarden Dollar. Die Erlöse entsprächen damit faktisch nur den Erwartungen, sagte Jesse Cohen von Investing.com.

Auslieferungen verdoppelt, Ziele bestätigt

Tesla lieferte im ersten Quartal 184.877 Elektroautos aus - das entspricht im Vergleich zum Vorjahr mehr als einer Verdopplung und einer neuen Bestmarke in der Geschichte des 2003 gegründeten Konzerns. Besonders in China war die Nachfrage hoch, auch wenn Tesla hier mit Beschwerden von Kunden konfrontiert war. Zuletzt hatte es sogar einen Eklat durch einen Protest bei der Shanghaier Automesse gegeben, der Tesla weiter unter Druck brachte.

Zugleich scheint Tesla weniger als viele andere Autobauer unter der derzeitigen Knappheit von Halbleitern zu leiden: Die Produktion lag im ersten Quartal in etwa auf dem Niveau des Vorquartals, während andere Hersteller mit Knappheit zu kämpfen hatten und Kurzarbeit anmelden mussten.

Ungeachtet der Kritik im wichtigsten Auslandsmarkt und steigender Konkurrenz durch etablierte Autobauer wie Volkswagen oder General Motors, die ins Elektrosegment vordringen, bestätigte Tesla seine Wachstumsziele für das laufende Jahr. Das Unternehmen rechnet weiterhin mit einer Steigerung der weltweiten Auslieferungen um rund 50 Prozent. 2020 hatte Tesla über eine halbe Million E-Autos an die Kundschaft gebracht. Der Bau und Betriebsstart neuer Autofabriken in Grünheide nahe der deutschen Hauptstadt Berlin und im US-Bundesstaat Texas soll das Wachstum dieses Jahr zusätzlich beschleunigen.

Musk könnte elf Milliarden Dollar Gehalt einstreichen

Wegen der starken Geschäfte hat Konzernchef Musk nun Anspruch auf einen Geldsegen von mehr als elf Milliarden Dollar. Mit dem besser als erwarteten Gewinn und Umsatz sicherte er sich seinen Anspruch auf die Auszahlung der fünften und sechsten von insgesamt zwölf vereinbarten Optionstranchen. Jeder Tranche gibt dem Konzernchef das Recht, 8,4 Millionen Tesla-Aktien zu je 70 Dollar zu erwerben, ein Abschlag von mehr als 90 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Musk könnte die beiden Tranchen damit für fast sechs Milliarden Dollar einlösen. Der 49-jährige Manager bezieht kein Festgehalt. Bezahlt wird er ausschließlich in Form der abgesprochenen Optionen, sofern die Vorgaben erfüllt sind.

Mit einem Börsenwert von mehr als 700 Milliarden Dollar ist Tesla das sechstwertvollste börsennotierte Unternehmen in den USA. Musk - gleichzeitig CEO des Raketenherstellers SpaceX - ist es gelungen, das Auto-Start-up zu einer Kultmarke zu machen. Tesla wird nicht nach Kriterien der Automobilindustrie bewertet, sondern nach denen großer Techkonzerne. Zwischen März 2020 und Ende Januar 2021 hat sich der Kurs der Tesla-Aktie auf rund 900 Dollar verzehnfacht. Zuletzt kosteten die Papiere 738 Dollar.

In Deutschland gab es zuletzt jedoch Unstimmigkeiten auf bürokratischer Ebene, so steht die abschließende umweltrechtliche Genehmigung für das Werk durch das Land Brandenburg immer noch aus. Im Geschäftsbericht von Tesla steht nun, dass das Projekt auf Kurs sei, im späten Jahresverlauf 2021 mit Produktion und Auslieferungen zu beginnen. Das deutet auf Verzögerungen hin, bislang hatte es aus Branchenkreisen stets geheißen, dass die Bänder bereits Mitte des Jahres anlaufen sollen. Ein Sprecher von Tesla in Deutschland hatte bis zuletzt betont, dass der ursprüngliche Zeitplan weiterhin stehe.

Musk verteidigt Assistenzsystem nach tödlichem Unfall

Nach einem tödlichen Unfall in Texas geriet zudem Teslas Fahrassistenzsystem mit dem umstrittenen Namen "Autopilot" wieder mal in die Schlagzeilen. Die genaueren Umstände werden derzeit noch ermittelt, doch nach Angaben der örtlichen Polizei dürfte der Fahrersitz leer gewesen sein, als zwei Männer mit einem Tesla gegen einen Baum prallten und dabei ums Leben kamen. Musk hatte umgehend verkündet, dass der "Autopilot" nach bisher verfügbaren Daten nicht aktiviert gewesen sei. Bei einer Konferenzschalte mit Investoren und Analysten wurde dies nach der Bilanzvorlage noch einmal bekräftigt.

Tesla-Manager Lars Moravy erklärte, dass das Lenkrad "deformiert" gewesen sei, was drauf hinweise, dass doch jemand am Steuer gewesen sei. Berichte, wonach das Fahrassistenzsystem angeschaltet gewesen sei, seien "vollkommen falsch", sagte Musk. Die verantwortlichen Journalisten sollten sich schämen.

Tesla steht wegen der Bezeichnung "Autopilot" schon lange unter Druck. Kritiker finden, dass der Name eine Übertreibung ist, die zu fahrlässiger Nutzung einladen könnte. Die nächste Evolutionsstufe des Programms nennt Tesla sogar "Full Self-Driving" (komplett selbstfahrend) - obwohl es nach gängigen Kriterien weiter lediglich ein Assistenzsystem bleibt.

mg/dpa-afx, Reuters