Montag, 24. Juni 2019

Tesla verfehlt Prognose Elon Musk hat wieder einmal zu viel versprochen

Vor ein paar Tagen noch gab Elon Musk einmal mehr den großen Visionär. Nun musste der Tesla-Chef kleinlaut eingestehen, dass Tesla erneut das Absatzziel verfehlt hat - und übte erstmals öffentlich Selbstkritik

Nach der Party kommt der Kater: Noch in der vergangenen Woche feierten Tesla und die Börse die Vorstellung des neuen Model 3 - das Elektroauto für den Massenmarkt, mit dem Tesla auch BMW und Mercedes angreifen will. Doch am Montagabend nun folgten die Enttäuschung und die kalte Dusche. Tesla-Chef Elon Musk hatte wieder mal zu viel versprochen.

Im Februar nämlich hatte Musk erklärt, dass im ersten Quartal 16.000 Tesla ausgeliefert würden - ein Versprechen sozusagen als Trostpflaster, dass schon im Schlussquartal des vergangenen Jahres das Absatzziel verfehlt wurde. Doch mit 14.820 ausgelieferten Elektroautos im ersten Jahresviertel hat Musk erneut sein Versprechen nicht halten können.

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An der Börse kam das verfehlte Absatzziel nicht gut an - die Aktie von Tesla Börsen-Chart zeigen , die im regulären New Yorker Handel noch fast 4 Prozent gewonnen hatte, drehte nachbörslich mit rund 4 Prozent ins Minus.

Musk hat also einmal mehr Erwartungen geschürt, aber nicht einlösen können. Klar, dass der Tesla-Chef gestern Abend mit einer Erklärung darauf reagieren musste: Für schuldig an dem Absatzdilemma erklärte der Manager zunächst einmal die Zulieferer. Diese seien mit einigen wichtigen Bauteilen für den seit Herbst ausgelieferten Elektro-SUV "Model X" in Verzug, was die Auslieferung des mit viel Hoffnung bedachten Modells erheblich bremse.

Doch der Firmenchef schlug aber erstmals auch selbstkritische Töne an: Durch "erhebliche Selbstüberschätzung" habe man der ersten Version des Fahrzeugs zu viele technische Spielereien hinzufügen wollen, die Kapazitäten überschätzt und sich letztlich übernommen, sagte Musk - und versprach, dass sich diese Fehler beim neuen Hoffnungsträger Model 3 nicht wiederholen sollen.

Model X mit Absatzproblemen - vor allem Model S verkauft sich

Inzwischen seien die Probleme behoben, versicherte Musk und hält trotz der Startschwierigkeiten an der Prognose von 80.000 bis 90.000 verkauften Autos in diesem Jahr fest. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen 50.580 Elektroautos verkauft.

Bislang hat Tesla vor allem die Oberklasse-Limousine "Model S" an die Kunden gebracht, im ersten Quartal 12.420 Stück. Neben dem "Model X", von dem in den drei Monaten nur 2400 Stück ausgeliefert wurden, soll das "Model 3" die Produktpalette im nächsten Jahr erweitern.

Am vergangenen Freitagmorgen (MEZ) hatte Musk das mit viel Spannung erwartete Model 3 in in Hawthorne bei Los Angeles enthüllt. Das Auto soll in seiner Grundversion 35.000 Dollar (etwa 31.000 Euro) kosten. In besserer Ausstattung klettert der Preis dann aber schnell über die Marke von 40.000 Dollar.

Tesla wird von Bestellungen überflutet. Innerhalb von drei Tagen sei die Zahl der Reservierung bis auf 276.000 Stück geklettert. Das Mittelklasse-Modell soll helfen, die Jahresproduktion bis 2020 auf 500.000 Wagen auszubauen.

Musk darf Fehler beim Model 3 nicht wiederholen

Fehler wie zuletzt beim Model X wird sich Musk nicht leisten können: Denn die Aktionäre reagieren angesichts der sehr hohen Bewertung des Papiers - Tesla ist an der Börse einige Milliarden mehr wert als die VW-Tochter Audi - mittlerweile sehr sensibel auf schlechte Nachrichten. So legte die Aktie von Tesla in den letzten Monaten eine heftige Berg- und Talfahrt hin.

Und auch die potentiellen Model-3--Kunden haben Musk bislang mit sehr viel Vorschusslorbeeren bedacht - konkret mit umgerechnet rund 276 Millionen Euro Anzahlung. Das Geld werden sie sich gegebenenfalls wieder auszahlen lassen, sollte der Tesla-Chef von weiteren Produktionsproblemen berichten. Die neue Demutshaltung des Elon Musk ist also nur zu verständlich.

Autoexeperte Stefan Bratzel warnte zuletzt im NDR: Musk habe mit dem Model 3 riesige Begehrlichkeiten geweckt, jetzt müsse er auch liefern - und unter Beweis stellen, dass er damit auch Geld verdienen kann. Denn die Margen schwinden in der Massenproduktion bekanntlich.

Im vergangen Jahr hatte Tesla einen Verlust von 880 Millionen Dollar angehäuft.

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mit Nachrichtenagenturen

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