Sonntag, 15. Dezember 2019

Elon Musk will schnellere Erfolge beim Autonomen Fahren Tesla-Chef erklärt Autopilot-Entwicklung zur Chefsache

Setzt sich beim "Autopiloten" selbst unter Erfolgsdruck: Tesla-Chef Elon Musk
Frederic J. Brown/ AFP
Setzt sich beim "Autopiloten" selbst unter Erfolgsdruck: Tesla-Chef Elon Musk

Das Autonome Fahren soll Tesla-Fahrer und vor allem Tesla-Aktionäre reich machen. Doch Elon Musks neue Börsenstory ist noch weit von der Realität entfernt, dafür müsste der Autopilot noch viel mehr leisten. Damit die Sache schneller vorankommt, hat Musk jetzt offensichtlich persönlich die Leitung der Autopilot-Entwicklung übernommen.

Glaubt man den vollmundigen Erklärungen von Tesla-Chef Elon Musk, dürfte das Autonome Fahren sich zu einer wahren Goldgrube für den E-Autobauer entwickeln. Das Geschäftsfeld könnte die Marktkapitalisierung von Tesla auf absehbare Zeit auf 500 Milliarden Dollar hochschrauben, tönte Musk unlängst vor Investoren.

Dazu beitragen soll ein Heer von Robotaxis - alles Tesla-Fahrzeuge versteht sich - die dank eines neuen Bordcomputers bald autonom unterwegs sein und für ihre Besitzer Geld verdienen sollen. Tesla will dafür die notwendige Software-Infrastruktur liefern und gut ein Viertel des Umsatzes als Provision einstreichen, lautet die neue Börsenstory. Schon in einem Jahr könnten 1 Millionen Tesla als Robotaxis unterwegs sein.

Damit diese Verheißungen auch nur halbwegs in die Nähe der Realität rücken, müsste Teslas Assistenzsystem noch viel mehr leisten und verlässlicher funktionieren. Denn das fahrerlose Fahren gewährleistet der umstrittene "Autopilot" von Tesla trotz einiger Fortschritt noch lange nicht. Auch ist Teslas "Autopilot" umstritten - Unfälle mit aktiviertem "Autopiloten" sorgen in den USA immer wieder für Negativschlagzeilen.

Wohl auch deshalb macht Musk das Thema jetzt zur Chefsache, übernimmt nach einem Bericht des in der Regel sehr gut informierten Fachmagazins "Electrek" die Leitung der Autopilot-Entwicklung, nachdem er das Team umstrukturiert und eine ganze Reihe von Ingenieuren vor die Tür gesetzt habe. Milan Kovac, der in den vergangenen Jahren verschiedene Positionen im Autopilot-Team innehatte, sei zum Director of Autopilot Software Engineering bei Tesla befördert worden und berichte nun direkt an Elon Musk. Tesla wollte den Bericht bislang nicht kommentieren.

"Electrek" betont, dass aufgrund des hohen Wettbewerbs um die besten Ingenieure die Fluktuationsrate im Bereich Autonomes Fahren vergleichsweise hoch sei. Doch dürften Elon Musks aggressive Zeitpläne in Sachen Autopilot zu dem "chaotischen Personalwechsel" in Teslas wohl wichtigster Entwicklungsabteilung beigetragen haben.

Zudem steht auch der bislang unbewiesene Vorwurf im Raum, dass zu Wettbewerbern abgewanderte Tesla-Mitarbeiter wichtiges Knowhow oder gar Betriebsgeheimnisse zum Autonomen Fahren widerrechtlich zu ihrem neuen Arbeitgeber mitgenommen haben. "Electrek" hält die Situation bei Tesla vor diesem Hintergrund für "besorgniserregend".

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