Sonntag, 21. Juli 2019

Baubeginn für Elektroauto-"Gigafactory" in Shanghai Musk will Tesla-Fabrik in China in Rekordzeit hochziehen

Tesla-Chef Elon Musk bei der Grundsteinlegung für seine China-"Gigafactory" nahe Shanghai

Für diese Grundsteinlegung nahm Elon Musk einen weiten Weg zu einem noch eher unspektakulären Ort auf sich: Am Rand der chinesischen Metropole Shanghai hat Tesla Börsen-Chart zeigen nun den Bau seines größten Werks außerhalb der USA begonnen. Das Elektroauto-Werk in Shanghai ist Teslas erster Schritt, um die Produktion seiner Elektroautos im weltgrößten Automarkt zu lokalisieren.

Musk zufolge soll die Fabrik bis Sommer stehen, die Produktion der ersten Autos vom Typ Model 3 bereits Ende des Jahres beginnen. "Wir denken, dass wir mit den Ressourcen hier die Shanghaier Gigafactory in Rekordzeit bauen können", erklärte Musk bei der Zeremonie zum Baubeginn.

Tesla erhält durch die Fabrik einen Zugang zum riesigen chinesischen Markt, ohne Beeinträchtigungen durch den harten Handelsstreit zwischen den USA und Peking befürchten zu müssen. Die sogenannte "Gigafactory" wird China erste Autofabrik, die vollständig einem ausländischen Autohersteller gehört.

In dem Werk sollen sowohl die Autos als auch die für den Elektroantrieb benötigten Batterien hergestellt werden - wegen dieser Kombination nennt Tesla selbst diese Werke "Gigafabriken". In den USA baut Tesla seine Autos im Bundesstaat Kalifornien zusammen, die Batterien produziert das Unternehmen hingegen im Bundesstaat Nevada.

In China werden nur Model 3 und Model Y gebaut

Gemeinsam mit Bürgermeister Ying Yong nahm Musk an der Feier zum Baubeginn in Shanghai teil. Bereits im vergangenen Sommer war der Tesla-Chef in die chinesische Stadt gereist, um die Vertragsverzeichnung zu feiern. Dort betreibt Tesla bereits ein Zentrum für Technik und Entwicklung. Das Werk soll eine Kapazität von jährlich 500.000 Fahrzeugen erreichen.

Konkret sollen in Shanghai die Tesla-Modelle 3 und Y gebaut werden - und zwar "erschwingliche Versionen" für den chinesischen Markt, wie Musk auf Twitter weiter mitteilte. Höherpreisige Versionen der beiden Modelle sowie die Modelle S und X sollen demnach hingegen weiter in den USA gebaut werden, auch für den chinesischen Markt.

Die Produktion in China wird Tesla helfen, die Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China gering zu halten. Zuletzt musste der Elektroautohersteller seine Preise in China wegen des Handelsstreits anpassen - künftig kann Tesla zu geringeren Kosten vor Ort produzieren. Das dürfte den Kaliforniern auch im Wettstreit gegen eine chinesischer Elektroauto-Startups wie Nio, Byton oder XPeng Motors helfen.

Über die Baukosten der Fabrik in Shanghai gibt es unterschiedliche Angaben. Tesla gibt sie mit rund zwei Milliarden Dollar an, die Finanznachrichtenagentur Bloomberg beziffert sie mit fünf Milliarden Dollar weitaus höher.

Der US-Autobauer wird das Werk eigenen Angaben zufolge vollständig allein besitzen. Das ist in China ein Novum. Bislang durften ausländische Autohersteller in dem Land nur einen Anteil von höchstens 50 Prozent an Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Partnern halten.

Die Regierung in Peking hatte vergangenes Jahr aber angekündigt, diesen Zwang schrittweise aufzuheben. Hersteller von Elektrowagen wurden schon 2018 von der Auflage befreit. Bis 2020 soll der Zwang für Nutzfahrzeughersteller fallen, bis 2022 für Hersteller konventioneller Autos.

 wed/AFP/Reuters

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