Freitag, 18. Oktober 2019

Die Lehre aus neuen Zahlen und neuen Versprechen Glaubt Elon Musk nicht mehr!

Tesla-Chef Elon Musk
Frederic J. Brown/ AFP
Tesla-Chef Elon Musk

Die Phase hoher Verluste sollte eigentlich vorbei sein. Die jüngsten Zahlen aber zeigen, Tesla ist mehr Restrukturierungfall statt Wachstumsstory. Elon Musk selbst spricht von schwierigen Quartalen, die nun folgen. Mitte 2020 aber breche für Tesla eine "unglaubliche" Zeit an. Die Lehre für die Aktionäre daraus kann nur lauten: Glaubt diesem Mann nicht mehr.

40 Cent Verlust je Aktie - das waren die Erwartungen der Märkte. Tesla aber wies in der Nacht zu Donnerstag (MEZ) für das zweite Quartal fast dreimal so viel Verlust aus: 1,12 Dollar je Aktie. Short-Seller dürften sich mächtig die Hände gerieben haben: Die Aktie von Tesla rauschte nachbörslich in der Spitze um mehr als 10 Prozent nach unten.

Dabei hatte sich das Papier gerade erst erholt. Dabei hatte Konzernchef Elon Musk - auch wenn er leicht hinter der eigenen Ankündigung zurückblieb - seine Kritiker Anfang Juli noch mit einem Auslieferungsrekord eines scheinbar Besseren belehrt. Nun ist Tesla längst kein jugendliches Start-up mehr, dem man eine Verlustserie in einer steilen Wachstumsphase vielleicht noch nachsehen könnte.

Einmal mehr stellt sich die Frage, ob das Unternehmen über ein Quartal hinaus rentabel arbeiten kann oder ob Tesla nicht "eher eine Kredit- und Restrukturierungsstory" ist, wie Morgan-Stanley-Analyst Adam Jonas es vor gut einem Monat formulierte.

"Es ist an der Zeit, dass die Aktionäre und Tesla die Realität akzeptieren: Die Tage des Unternehmens als Wachstumsstory gehen zu Ende", kommentiert das "Wall Street Journal". So hatte Tesla zwar wie erwähnt seine Auslieferungen im zweiten Quartal gesteigert, doch blieb das Unternehmen auch hier hinter den Erwartungen der Märkte und der Umsatz fast 10 Prozent hinter dem Rekordwert des vierten Quartals des Vorjahres zurück.

Vor allem dank einer Kapitalerhöhung im Mai wies Tesla liquide Mittel in Höhe von 5 Milliarden Dollar aus, was seine Finanzen im zweiten Jahresviertel stützte. Bedenklich aber stimmt: Die kurzfristigen Verbindlichkeiten beliefen sich auf 3 Milliarden Dollar, während die langfristigen Schulden mittlerweile bei 11 Milliarden Dollar stehen.

Stiegen die Umsätze schneller, könnten Investoren dies vielleicht nachsehen. Doch erwarten Analysten für das laufende dritte Quartal 6,7 Milliarden Dollar Umsatz, was sogar ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr entspräche. "Investoren müssen sich auf die Möglichkeit einstellen, dass sie unrentable Wachstumsaktien besitzen, die gerade aufgehört haben zu wachsen", warnt etwa das Wall Street Journal.

Zwar versicherte Musk in der Nacht erneut, die Auslieferungen zu erhöhen, doch erscheint Analysten das Ziel von bis zu 400.000 Elektroautos in diesem Jahr angesichts einer Halbjahresbilanz von 160.000 Fahrzeugen als äußerst ambitioniert.

Zugleich tritt ein Problem für Umsatz und Gewinn immer deutlicher hervor: Der Absatz der hochpreisigen und lukrativeren Autos der Reihen S und X geht zurück. Offensichtlich kann Tesla die sich damit auftuende Lücke mit den günstigeren Model-3-Fahrzeugen nicht schnell genug auffüllen.

Mit dem angekündigten Model Y gibt's aber ja noch den Hoffnungsträger II, irgendwann auch die neuen Megamega-Fabriken in China und natürlich die Millionen Tesla-Roboterautos, die für ihre Eigentümer Geld verdienen und den Börsenwert von Tesla auf mindestens 500 Milliarden Dollar treiben werden …- ein Hallelujah auf die Zukunft des Autonomen Fahrens!

Im Ernst: Dass Elon Musk selbst nun von weiteren schwierigen Quartalen im kommenden Jahr spricht, nachdem er noch Ende letzten Jahres die Durststrecke mit hohen Verlusten für beendet erklärt hatte, dann aber für Tesla mit der zweiten Jahreshälfte 2020 eine "unglaubliche Zeit" ankündigt, ist ein weiteres Indiz dafür, dass Aktionäre den Beteuerungen des exzentrischen Managers mit größtem Misstrauen begegnen sollten. Elon Musk nimmt den Mund einfach zu oft zu voll.

Wie schreiben die Kollegen vom "Wall Street Journal"? "Manchmal sagen Taten mehr als Worte."

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