Donnerstag, 2. April 2020

Elon Musk kündigt Fabrik in Deutschland an Tesla baut Europa-Werk in Brandenburg

Elon Musk bei der Verleihung des "Goldenen Lenkrads"
AFP/Tobias Schwarz
Elon Musk bei der Verleihung des "Goldenen Lenkrads"

Der Elektroauto-Hersteller Tesla wird seine europäische Fabrik im Umland von Berlin bauen. Tesla-Chef Elon Musk verkündete das überraschend am Dienstagabend bei der Verleihung des "Goldenen Lenkrads" von "Auto Bild" und "Bild am Sonntag" in Berlin. Auf Nachfrage sagte er, das Werk solle in der Nähe des geplanten Hauptstadtflughafens BER entstehen. Außerdem sei ein Designzentrum in Berlin geplant. Mehr Details nannte er zunächst nicht.

Später äußerte er sich auf Twitter. Die Fabrik solle sowohl Lithium-Ionen-Akkus herstellen, als auch Antriebsstränge und Autos, angefangen mit dem SUV Model Y und dem Mittelklassewagen Model 3. Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop sagte im RBB Inforadio, an dem Standort seien bis zu 7000 Arbeitsplätze im Gespräch. Weitere Stellen sollten in dem geplanten Ingenieurs-und Designzentraum entsehen. Die "Bild"-Zeitung berichtete von bis 10.000 Stellen.

Am Abend waren auf Teslas Website kurzzeitig auch Stellenanzeigen für eine Gigafactory 4 an einem nicht näher benannten "abgelegenen Ort" in Deutschland zu sehen, die inzwischen jedoch wieder gelöscht wurden.

Wie die "Welt" berichtete, war Musk überraschend zu der Verleihung des Preises gekommen, wo er auch den Kollegen Herbert Diess von Volkswagen und Oliver Zipse von BMW begegnete.

Tesla hatte schon seit Jahren nach einem Standort für eine "Gigafactory" für die Herstellung von Batterien und Fahrzeugen in Europa gesucht. Ursprünglich hatte Musk versprochen, die Entscheidung werde noch 2017 feststehen. Zwischenzeitlich hieß es bereits, Deutschland habe gute Chancen. Zuletzt hatte Tesla lediglich erklärt, man sei auf der Zielgeraden und wolle den Standort bis Jahresende bekanntgeben. Bereits Ende 2021 solle die Produktion starten. "Wir werden definitiv ein höheres Tempo vorlegen müssen als der Flughafen", sagte Musk auf der Preisverleihung in Anspielung auf die Verzögerungen des BER.

Im Gespräch waren aber eher andere Bundesländer - unter anderem das Saarland und Niedersachsen. Berlin war nicht auf dem Radar. Nach "Tagesspiegel"-Recherchen handelt es sich bei dem nun gewählten Standort um eine potenzielle Industriefläche im brandenburgischen Grünheide (Mark) im Landkreis Oder-Spree südöstlich von Berlin, die bereits Anfang der 2000er Jahre im Rennen für die Ansiedlung eines BMW-Werkes war. Damals entschieden sich die Bayern stattdessen für Leipzig, in Brandenburg hatte es auch starken Widerstand gegen die Ansiedlungspläne gegeben.

Grünheide liegt an der Berliner Ringautobahn A10 und der Bahnstrecke Berlin-Frankfurt (Oder), die weiter nach Polen führt. Im polnischen Breslau betreibt der koreanische Elektronikkonzern LG bereits eine Fabrik für Lithium-Ionen-Akkus, die derzeit mit Milliardeninvestitionen ausgebaut wird. Weitere Batteriewerke für den erwarteten Elektroautoboom sind in Ostdeutschland geplant, auch dank hoher staatlicher Subventionen.

Innerhalb Brandenburgs hatte vor allem die weiter südlich gelegene Lausitz als möglicher Tesla-Standort auf sich aufmerksam gemacht. So wurde in der Aktion #WelcomeTesla mit Tausenden Unterstützern vor einem Jahr von der Rennstrecke Lausitzring aus ein Lichtimpuls ins All geschickt. Die Lausitz hängt stark von der Braunkohleindustrie ab, ein industrieller Ersatz wird auch von der Politik dringend gesucht.


Wo es bei Tesla läuft und wo es knirscht , erfahren Sie in unserem Podcast:


Die erste Gigafactory, die bisher nur Batterien produziert, baute Tesla in der Wüste im US-Bundesstaat Nevada. Als zweite Gigafactory gilt ein Solarzellenwerk im Bundesstaat New York, das Tesla mit dem früheren Schwesterunternehmen SolarCity übernommen hat. Erst vor kurzem wurde in kurzer Zeit eine Fabrik in China fertiggebaut, ebenfalls für die Produktion des Model 3. In Europa montierte Tesla bisher in den Niederlanden einige Fahrzeuge der teureren Modellreihen S und X. Musk stellte aber wiederholt klar, dass er die Zukunft der Firma vor allem in Model 3 und Model Y sieht.

Die Firma ist ein Vorreiter bei der Elektromobilität, kämpfte aber angesichts teurer und verzögerter Produktions-Anläufe bei neuen Modellen immer wieder mit massiven Geldproblemen.

ak/dpa-afx/reuters

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