Streik-Drohung bei deutscher Tochter ärgert Tesla-Chef Kulturschock für Elon Musk in der Eifel

Elon Musk, ehemaliges Kloster in Prüm

Elon Musk, ehemaliges Kloster in Prüm

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Eine Gigafactory für Europa: Diese Standorte buhlen um Tesla

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Es ist ein kleiner Kulturschock für Tesla: Der Elektroautobauer aus dem Silicon Valley muss sich erstmals mit einer deutschen Gewerkschaft auseinandersetzen, nachdem das Unternehmen den rheinland-pfälzischen Zulieferer Grohmann übernommen hat. Im Streit mit der IG Metall geht es um Tariflöhne, Jobgarantien und nicht zuletzt darum, ob die Arbeitnehmervertreter die industrielle Vision von Tesla-Chef Elon Musk teilen.

Die Firma spiele eine wichtige Rolle für die Zukunft des Elektroauto-Herstellers, schrieb Musk in einem Brief an die Mitarbeiter, der die Wogen eigentlich glätten sollte. Sowohl die Belegschaft als auch die Produktion am Grohmann-Sitz in Prüm in Rheinland-Pfalz sollen demnach ausgebaut werden. Auch gibt Musk eine fünfjährige Jobgarantie für die Mitarbeiter des übernommenen Autozulieferers.

Doch Musk ist offenbar der Überzeugung, dass die deutsche Gewerkschaft ihm prinzipiell im Weg steht. Alles bei Tesla diene der Mission, den Übergang zu nachhaltiger Energie zu beschleunigen, "und ich glaube nicht, dass die IG Metall unsere Mission teilt", griff er die Arbeitnehmervertreter in seinem Schreiben an.

Der Konflikt ist voller Sprengkraft und geht in seiner Dimension womöglich über das Städtchen Prüm in der Eifel, wo Grohmann seinen Sitz hat, hinaus. Denn derzeit sucht Tesla nach eigenen Angaben einen Standort für eine weitere so genannte Gigafactory in Europa. Allzu negative Erfahrungen mit Gewerkschaften könnten den Kandidaten Deutschland zurückwerfen.

IG Metall droht mit Streik

Grohmann baut automatisierte Maschinen für die Fahrzeugproduktion. Für Tesla sind die Anlagen unter anderem bei der Fertigung des Volumen-Modells Model 3 wichtig, die im Sommer anlaufen soll.

Die IG Metall fordert einen Tarifvertrag und drohte zuletzt mit Streik. Tesla erklärte dazu, man spreche direkt mit den Mitarbeitern und sei bereit für einen Streik. "Wir erwarten keine Folgen für den Zeitplan beim Model 3." Grohmann soll unter dem Dach von Tesla nur noch die eigene Produktion beliefern. Verträge mit anderen Herstellern wie Daimler laufen aus.

Geprägt war Musks Brief allerdings auch von vielen versöhnlichen Tönen an die Belegschaft der deutschen Tochter. Musk wolle "unmissverständlich jedermann bei Tesla Grohmann versichern, dass wir nicht auf absehbare Zeit, und ganz sicher nicht in den nächsten fünf Jahren einen Personalabbau durchführen oder betriebsbedingte Kündigungen aussprechen werden", versprach Musk. "Auch nach diesen fünf Jahren erwarten wir weiteres Wachstum bei Tesla Grohmann und keinen Personalabbau."

Musk führt Lebenshaltungskosten in der Eifel als Argument an

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Grohmann war auch schon vor der Übernahme durch Tesla Ende 2016 nicht tarifgebunden. Die Gewerkschaft hatte nun die Aufnahme von Tarifverhandlungen für die Firma mit 680 Beschäftigten gefordert und drohte mit Streik.

"Wir haben vom Unternehmen eine nicht zufriedenstellende Antwort bekommen", sagte Patrick Georg von der IG Metall Trier der "Welt am Sonntag". Diese Woche solle geprüft werden, ob Streiks möglich seien.

Derzeit liege das Lohnniveau um etwa 25 bis 30 Prozent unter dem Tarifgehalt, sagte Betriebsratschef Uwe Herzig der Zeitung. Tesla bietet 150 Euro im Monat mehr.

Musk erklärte in seinem Brief zudem, jeder Grohmann-Mitarbeiter solle Tesla-Aktien im Wert von 10.000 US-Dollar erhalten, die vierteljährlich über die nächsten vier Jahre ausgeschüttet würden. Hinzu komme ein sofortiger Bonus über 1000 Euro in bar.

Es solle Gespräche mit dem Betriebsrat geben, "um sicherzustellen, dass die Vergütung jedes einzelnen Mitarbeiters wettbewerbsfähig ist", kündigte Musk an. "Im Endeffekt wird jeder Tesla-Grohmann-Mitarbeiter die Chance haben, mit Gehalt und Aktienanteilen deutlich mehr zu verdienen als es in der Branche und relativ zu den Lebenshaltungskosten in Prüm üblich ist", versprach er.

Auch in den USA nehmen Gewerkschaften Tesla ins Visier

Auch in den USA ist Tesla zuletzt ins Visier von Arbeitnehmervertretern geraten, nachdem sich ein Mitarbeiter öffentlichkeitswirksam über die Arbeitsbedingungen bei dem Unternehmen beschwert hat .

Die Gewerkschaft UAW hat zuletzt einen neuen Anlauf genommen, die Tesla-Belegschaft stärker zu organisieren.In einem Brief  an Musk beklagen sich die Gewerkschafter vor allem darüber, dass Mitarbeiter vertraglich daran gehindert werden, ihre Arbeitsbedingungen öffentlich zu thematisieren. "Diese Vereinbarung verletzt den Geist der Arbeitsgesetze", heißt es in dem Schreiben. Klagen gebe es unter anderem über unfaire Schichtpläne und Sicherheitsstandards.

Anders als offenbar die Gewerkschafter in Deutschland geben die kalifornischen Arbeitnehmervertreter aber ein glühendes Bekenntnis zu Musks Vision ab. "Wir stehen zusammen in unserem Glauben an eine grüne und faire Wirtschaft, die den Planeten rettet", leiten sie ihren Brief ein.

Vielleicht muss sich nun auch die IG Metall etwas pathetischer geben, um den Kulturschock letztlich zu ihren Gunsten zu nutzen.

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manager-magazin.de/Wochit
mit dpa