Sonntag, 26. Mai 2019

Tesla-Chef hält autonom fahrende Modelle noch 2019 für realistisch Elon Musk korrigiert Vorhersage zur Tesla-Produktion nach unten

Tesla-Chef Elon Musk (47) vergangenen September

Elon Musk (47) rudert zurück: Wenige Stunden, nachdem der Chef des E-Autobauers Tesla ein erhöhtes Produktionsziel von 500.000 Fahrzeugen für 2019 ausgab, korrigierte er sich. Via Twitter schrieb der Milliardär, er habe damit die auf das Jahr gerechnete Produktionsrate gemeint, Ende des Jahres wolle Tesla also 10.000 Autos pro Woche herstellen. Die Auslieferungen im Gesamtjahr, schätzt er, würden bei 400.000 Tesla-Modellen liegen.

Die niedrigere Marke passt zu den bisher ausgegebenen Zielen. Ende Januar bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen hieß es in einem Schreiben an die Investoren, Tesla Börsen-Chart zeigen erwarte Lieferungen von 360.000 bis 400.000 Autos im Jahr 2019. Der Zuwachs liege damit im Vergleich zum Vorjahr bei 45 bis 65 Prozent.

Bei dem Termin waren bereits Widersprüche aufgetreten: Kurz nach Veröffentlichung des Briefs soll Elon Musk bei einem Gespräch mit Analysten in Aussicht gestellt haben, allein das Model 3 in diesem Jahr bis zu 500.000 mal zu verkaufen. Das berichtet die US-amerikanische Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Mit seinen launenhaften Aussagen bescherte Musk seinem Unternehmen 2018 turbulente Zeiten. Auf einen Tweet hin, er werde Tesla von der Börse nehmen, folgte eine Klage der US-Börsenaufsicht SEC. Musk musste seinen Vorsitz des Verwaltungsrats abgeben und eine Millionenstrafe zahlen. Die SEC hatte außerdem angekündigt, künftig genau auf Musks Äußerungen zu achten.

Zuletzt hatte Elon Musk - nach Durchleben einer "Produktionshölle" - Fortschritte bei der Fertigung der Elektroautos verzeichnet. Vergangenes Jahr konnte er die Zahl der gelieferten Tesla-Modelle mehr als verdoppeln.

Schwierigkeiten bleiben aber bestehen: So hat das Unternehmen zuletzt 3000 Mitarbeiter entlassen, um Kosten zu sparen. In einer Mail an die Angestellten schrieb Musk Mitte Januar, Tesla-Wagen seien für die meisten Menschen zu teuer. Jetzt scheint man eine Lösung dafür anbieten zu wollen: Nach Preissenkungen in den USA soll es bald eine Möglichkeit zum Leasing geben, um die Nachfrage nach dem Model 3 anzuschieben. Das berichtet die Nachrichtenwebsite "Electrek" am Dienstag unter Berufung auf Insider.

In einem aktuellen Podcast der Investmentfirma ARK gab Musk weitere Ausblicke. 2021 plant der CEO, bereits 1,5 Millionen Teslas herzustellen; 2023 sollen es rund drei Millionen werden. Musk warnt aber: "Wenn ich solche Schätzungen herausgebe, dann ist viel Spekulation dabei." Kleine Verschiebungen im Kalender könnten große Auswirkungen auf die Anzahl der produzierten Wagen pro Jahr haben, gerade bei exponentiellen Kurven, mit denen er rechne.

Bestimmt hingegen ist Musk bei seinen Vorhersagen zum autonomen Fahren. Er erklärt, der Autopilot von Tesla werde bereits in diesem Jahr so weit sein, einen Menschen autonom ans Ziel zu bringen, ohne, dass bei der Fahrt eingegriffen werden müsse. "Da bin ich mir sicher. Das ist kein Fragezeichen", so Musk in dem Podcast. Das bedeute allerdings nicht, dass der Autopilot keiner menschlichen Aufsicht mehr bedürfe. Eine so hohe Sicherheit, dass der Fahrer bei der Fahrt schlafen könne, hält Musk dann Ende kommenden Jahres für realistisch. "Wann die Regulierer aber es uns erlauben, diese Features anzustellen, liegt außerhalb unserer Kontrolle."


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Der Autopilot von Tesla ist umstritten: Bei einem tödlichen Unfall im Jahr 2016 soll er eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Von Tesla selbst heißt es, das Programm mache das Autofahren deutlich sicherer. Belegen wollte das Unternehmen das mit einem Sicherheitsreport, der vergangenen Frühling veröffentlicht wurde. Experte David Friedman, der früher für die US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit NHTSA arbeitete, zweifelte aber gegenüber dem Magazin "Wired" die Aussagekraft des Reports an. "Es ist albern, das einen Bericht über Fahrzeugsicherheit zu nennen", so Friedman. "Es handelt sich um ein paar Datenpunkte, die eindeutig veröffentlicht wurden, um frühere Aussagen zu untermauern. Aber es fehlt an jeglichem Kontext und Details."

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